Tesla Aktie: Bewertungsdilemma
Tesla steht zu Wochenmitte gleich von mehreren Seiten unter Druck. Schwächere Absatzzahlen in Europa, politische Störfeuer an den Märkten und ein sperriges Zukunftsprojekt im Bereich „Space-AI“ formen ein widersprüchliches Bild. Während Elon Musk den Neustart des Supercomputer-Projekts Dojo verkündet, rückt immer stärker die Frage in den Fokus, wie stabil das Kerngeschäft mit Elektroautos noch ist.
Dojo-Comeback trifft auf Gegenwind
Am späten Dienstag hat Elon Musk auf X den Neustart des Supercomputer-Projekts Dojo3 angekündigt. Damit macht Tesla eine Kehrtwende: Das Projekt war im August 2025 gestoppt, das Team aufgelöst worden. Laut Musk ist das interne AI5-Chipdesign nun „in guter Verfassung“, sodass Tesla seine Abhängigkeit von externen Hardware-Anbietern wie Nvidia verringern will.
Der neue Fokus von Dojo3 soll auf „space-based AI compute“ liegen. Geplant ist eine enge Verzahnung mit dem Starlink-Netzwerk von SpaceX, um Daten direkt im Orbit zu verarbeiten. Die Vision: Rechenleistung in den Weltraum verlagern und so die Grenzen irdischer Stromnetze umgehen, indem Solarenergie im All genutzt wird.
An der Börse überwogen dennoch klar die Belastungsfaktoren:
- Einbruch in Europa: Neue Zahlen für 2025 zeigen eine deutliche Schwäche im Autogeschäft auf dem wichtigen europäischen Markt. Die Verkäufe in Europa sind im Jahresvergleich um 27,8 % eingebrochen. Besonders hart trifft es Deutschland, wo der Absatz sogar um 48,4 % sank. Weltweit gingen die Auslieferungen 2025 auf 1,64 Millionen Fahrzeuge zurück, nach 1,79 Millionen im Jahr 2024 – ein klares Signal, dass die Nachfrage nicht mehr so mühelos wächst wie früher.
- „Ryanair“-Ablenkung: Zusätzliche Irritation löste Musk mit einer Umfrage auf X aus, ob er die Billigfluglinie Ryanair (Börsenwert rund 36 Milliarden US-Dollar) übernehmen solle. Auch wenn dies wohl rhetorisch gemeint war, erinnern sich viele Anleger an die Twitter-/X-Übernahme und werten solche Signale als potenzielle Ablenkung vom operativen Kerngeschäft.
- Makro-Schock: Parallel belastete ein politischer Vorstoß die Technologiewerte insgesamt. Ankündigungen des ehemaligen US-Präsidenten Trump zu möglichen neuen Zöllen gegen NATO-Partner im Streit um Grönland lösten am 20. Januar einen breiten Abgabedruck aus. Der Nasdaq gab um 2,4 % nach und zog hochvolatile Titel wie Tesla mit nach unten.
Bewertung und Fundamentaldaten driften auseinander
Die aktuelle Lage verdeutlicht den wachsenden Graben zwischen Teslas Börsenwert und der Entwicklung des Autogeschäfts. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,46 Billionen US-Dollar wird der Konzern an der Börse mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 300 auf Basis der vergangenen zwölf Monate gehandelt. Diese Bewertung fußt zunehmend auf Visionen rund um den humanoiden Roboter „Optimus“ und das autonome Fahren (FSD) – weniger auf klassischen Fahrzeugverkäufen.
Gleichzeitig hat sich das Wettbewerbsumfeld deutlich verschärft. 2025 hat der chinesische Konkurrent BYD Tesla offiziell bei den weltweiten Auslieferungen von Elektrofahrzeugen überholt und Marktanteile gewonnen, während diese bei Tesla schrumpften. Hinzu kommt ein alterndes Modellportfolio und Druck auf die Profitabilität: Die operative Marge fiel im dritten Quartal 2025 auf 5,8 %, nach 10,8 % im Vorjahr. Wettbewerber stoßen in die Lücke, die Tesla mit Preissenkungen und geringerer Modellvielfalt offenlässt.
Charttechnisch mehren sich die Warnsignale. Mit der Korrektur der letzten Tage notiert die Aktie inzwischen spürbar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 414,07 Euro und mehr als 19 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 485,56 Euro. Der RSI von 73,7 zeigt zudem ein bereits überkauftes, zugleich aber nervöses Marktumfeld. In der Vergangenheit wurde ein Bruch wichtiger gleitender Durchschnitte von institutionellen Handelsalgorithmen häufig als Umschwung von Aufwärts- zu Abwärtstrend interpretiert.
Ausblick: Quartalszahlen als Belastungstest
Der Blick richtet sich nun klar auf den nächsten Katalysator: Die Zahlen zum vierten Quartal 2025, die am 28. Januar 2026 anstehen. Nachdem die Auslieferungen mit 418.277 Fahrzeugen hinter den Erwartungen von 426.000 Einheiten zurückgeblieben sind, wird entscheidend sein, wie Tesla die Perspektive für das laufende Jahr zeichnet.
Im Zentrum stehen dabei drei Punkte:
- Wie stark Tesla weiterhin in Projekte wie Dojo3, „Space-AI“ und Robotaxis investiert
- Ob das Management einen Weg aufzeigt, die Marge trotz nachlassender Dynamik im Autogeschäft zu stabilisieren
- Welche Rolle das Kerngeschäft Auto mittelfristig im Verhältnis zu neuen Geschäftsfeldern spielen soll
Analysten gehen derzeit im Schnitt von einer neutralen Einstufung aus, mit einem durchschnittlichen Kursziel leicht unter dem aktuellen Niveau. Die heute in einer Woche anstehende Prognose für 2026 dürfte maßgeblich bestimmen, ob der Markt Teslas hohen Bewertungsanspruch weiter mitträgt oder die Aktie in der ersten Jahreshälfte deutlich stärker hinterfragt.
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