Terafab, BYD in Kanada, XPeng erstmals profitabel — Autobranche im Umbruch
25 Milliarden Dollar für eine eigene Chipfabrik: Elon Musks Terafab-Ankündigung hat diese Woche die Schlagzeilen dominiert. Gleichzeitig feiert XPeng seinen ersten Quartalsgewinn — und schockt mit dem Ausblick. BYD umgeht US-Zölle über Kanada, Daimler Truck signalisiert eine Erholung in Nordamerika, und Deutz kehrt in den MDAX zurück. Fünf Unternehmen, fünf völlig unterschiedliche Strategien.
Tesla: Chipfabrik-Vision gegen Absatzdelle
Die Woche gehörte nicht den Auslieferungszahlen, sondern einer Bühnenshow. Musk präsentierte am 21. März im stillgelegten Seaholm-Kraftwerk in Austin das Projekt Terafab — ein Joint Venture zwischen Tesla, SpaceX und xAI. Die geplante Chipfabrik soll 25 Milliarden Dollar kosten und sämtliche Stufen der Halbleiterproduktion unter einem Dach vereinen: Design, Fertigung, Speicher und Packaging. Das Gebäude auf dem Nordgelände der Giga Texas soll deren ohnehin gewaltige Dimensionen noch übertreffen.
Die Euphorie reichte allerdings nicht, um alle Gegenströme zu neutralisieren. UBS-Analyst Joseph Spak senkte seine Auslieferungsschätzung für das erste Quartal auf rund 345.000 Fahrzeuge — ein Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Grund: nachlassende Nachfrage in zentralen Märkten. Die Kluft zwischen Bullen und Bären bleibt enorm. Dan Ives (Wedbush) hält bei einem Kursziel von 600 Dollar und nennt Tesla den „am stärksten unterbewerteten KI-Wert des Marktes". Goldman-Sachs-Analyst Mark Delaney bleibt mit einem Ziel von 405 Dollar neutral — die geplanten Investitionsausgaben von über 20 Milliarden Dollar für 2026 und ein möglicher negativer freier Cashflow dämpfen seinen Optimismus.
Bei einem Kurs von 328,15 Euro notiert die Aktie gut 21 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und rund 7 Prozent unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts. Morgan Stanley erwartet, dass Terafab frühestens Mitte 2028 erste Chips liefern kann — die Kosten kommen zusätzlich zum bisherigen Investitionsbudget.
XPeng: Historischer Gewinn, ernüchternder Ausblick
XPeng hat im vierten Quartal 2025 erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Quartalsgewinn erzielt. Die Bruttomarge kletterte auf 21,3 Prozent — von 14,4 Prozent im Vorjahr. Im gesamten Jahr lieferte das Unternehmen 429.445 Fahrzeuge aus, ein Plus von fast 126 Prozent.
Der Markt quittierte die Erfolgsmeldung trotzdem mit Verkäufen. Verantwortlich war ein Ausblick, der alle Erwartungen verfehlte: Für das erste Quartal rechnet das Management mit einem Absatzrückgang von 30 bis 35 Prozent im Jahresvergleich. Die Umsatzprognose von 12,2 bis 13,3 Milliarden Renminbi lag deutlich unter dem Konsens von 15 Milliarden. Der RSI ist mit 22 in den überverkauften Bereich gerutscht — ein Signal, das auf kurzfristige Übertreibung nach unten hindeutet.
Strategisch setzt XPeng auf einen radikalen Schwenk. Drei Robotaxi-Modelle sollen 2026 auf den Markt kommen, betrieben mit einer rein kamerabasierten Lösung und hauseigenen Turing-KI-Chips. Bemannte Pilotfahrten mit Sicherheitsfahrer sind für die zweite Jahreshälfte geplant, vollautonomer Betrieb für Anfang 2027. Die F&E-Ausgaben lagen 2025 bei 9,5 Milliarden Renminbi, davon 4,5 Milliarden für KI-Entwicklung. Gleichzeitig will das Unternehmen seine Auslandslieferungen verdoppeln und den internationalen Umsatzanteil auf über 20 Prozent steigern.
BYD: Rekordschwacher Heimatmarkt, historisch starker Export
Ein bemerkenswerter Rollentausch: Im Februar überstiegen BYDs internationale Auslieferungen erstmals die Inlandsverkäufe — über 100.600 Fahrzeuge gingen ins Ausland. Gleichzeitig brach der Absatz in China in den ersten beiden Monaten 2026 um rund 36 Prozent ein. Die Wiedereinführung einer fünfprozentigen Kaufsteuer auf Elektroautos Ende 2025 hatte einen massiven Vorzieheffekt ausgelöst und danach eine Nachfragelücke hinterlassen.
In Nordamerika verfolgt BYD einen geschickten Umweg. Da der US-Markt durch prohibitive Zölle versperrt bleibt, nutzt das Unternehmen ein neues Handelsabkommen mit Kanada als Einfallstor. Ottawa senkte die Importzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge von 100 auf 6,1 Prozent — im Gegenzug reduzierte China Zölle auf kanadische Agrarprodukte. BYD plant den Aufbau eines landesweiten Händlernetzes und hat die Absicht bekundet, etablierte Autohersteller zu übernehmen, um das Wachstum zu beschleunigen. Für 2026 steht ein Exportziel von 1,3 Millionen Fahrzeugen.
Citigroup bekräftigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 174 Hongkong-Dollar und erwartet ab März kombinierte Absatzzahlen von 220.000 bis 250.000 Einheiten monatlich. Nomura hält ebenfalls an einem Kaufurteil fest — die zweite Generation der Blade-Batterie könnte zusätzliche Lieferverträge sichern. Am 26. März veröffentlicht BYD seinen Jahresbericht. Dieser wird zeigen, ob der profitable Auslandsverkauf die kostspieligen Rabattschlachten im Inland kompensieren kann.
Daimler Truck: Schwaches Jahr, erste Erholungszeichen
Die Jahreszahlen 2025 fielen nüchtern aus. Das bereinigte Konzern-EBIT sank auf 3,78 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,67 Milliarden), der Umsatz im Industriegeschäft schrumpfte auf 45,9 Milliarden Euro. Besonders das Nordamerika-Geschäft belastete: Der Umsatz bei DTNA brach im Schlussquartal um 29 Prozent ein, das bereinigte EBIT der Sparte halbierte sich nahezu.
- Lichtblick Busgeschäft: Daimler Buses erzielte erstmals eine zweistellige Profitabilität
- Dividende stabil: Der Vorstand schlägt 1,90 Euro je Aktie vor
- Aktienrückkauf: Das angekündigte Programm startet im März
- Joint Venture Coretura: Mit der Volvo Group wurde eine gemeinsame Plattform für softwarebasierte Nutzfahrzeuge lanciert
Für 2026 gibt sich das Management betont zuversichtlich. Die Auftragseingänge im ersten Quartal bauen auf den ersten Erholungssignalen aus dem vierten Quartal auf — insbesondere beim Freightliner Cascadia. Die Produktion könnte erhöht werden. Die Aktie notiert bei 41,24 Euro knapp unter ihrem 50-Tage-Schnitt und gut 9 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Deutsche Bank erhöhte das Kursziel auf 49 Euro, während Bernstein an seiner Verkaufsempfehlung festhält.
Deutz: MDAX-Rückkehr und strategischer Neustart
Am 23. März kehrte Deutz in den MDAX zurück — ein technischer Katalysator, da indexnachbildende Fonds die Aktie automatisch kaufen müssen. Nur einen Tag später, am 26. März, folgt die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025. Beide Ereignisse fallen in eine Phase intensiver Restrukturierung.
Seit Jahresbeginn gliedert sich das Unternehmen in fünf Geschäftsbereiche: Defense, Energy, Engines, NewTech und Service. Der traditionelle Fokus auf Verbrennungsmotoren weicht einem breiteren Ansatz. Nach der Übernahme der Sobek-Gruppe und einer Beteiligung an ARX Robotics ging Deutz im Februar eine Kooperation mit TYTAN Technologies im Bereich Drohnenabwehr ein. Die Energiesparte peilt bis 2030 einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro an — Notstromsysteme für Rechenzentren durch die integrierte Frerk Aggregatebau sollen das Wachstum treiben.
Die Neunmonatszahlen zeigten ein solides Bild: Auftragseingang plus 11,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, Umsatz plus 14,9 Prozent. Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 5,0 Prozent. BlackRock und Goldman Sachs stockten ihre Beteiligungen auf 3,07 beziehungsweise 4,14 Prozent auf. CEO Sebastian Schulte und CFO Oliver Neu kauften persönlich Aktien zu.
Allerdings hat die Aktie seit ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,46 Euro im Februar rund 26 Prozent eingebüßt und notiert bei 9,21 Euro. Warburg Research hob das Kursziel auf 12,90 Euro an und verweist auf erste Anzeichen einer Auftragserholung.
Zwischen KI-Wetten und zyklischem Gegenwind
Der 26. März wird zum Stresstest für gleich zwei der fünf Unternehmen: Deutz und BYD legen ihre Jahreszahlen vor. Für Tesla verschiebt sich die Debatte zunehmend von Fahrzeugverkäufen hin zur Machbarkeit der Terafab-Vision — mit frühestens 2028 als realistischem Produktionsstart. XPengs Glaubwürdigkeitsprüfung folgt im zweiten Quartal, wenn die Robotaxi-Pilotprogramme anlaufen und sich zeigt, ob die Margen ohne Subventionen halten.
Das verbindende Thema des Sektors: ein fundamentaler Spagat zwischen langfristigen Technologiewetten — Chips, Robotaxis, Drohnenabwehr, saubere Nutzfahrzeuge — und dem kurzfristigen Druck durch nachlassende Nachfrage, Zollrisiken und schrumpfende Margen. Ob die KI-Narrative die Bewertungen tragen können, während das klassische Autogeschäft zyklischen Gegenwind spürt, wird die zentrale Frage für den Rest des Jahres 2026.
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