TeamViewer, BMW & Silber: Wenn Eckdaten stabilisieren, Absatzzahlen enttäuschen und ein Edelmetall die Tech-Riesen überholt
Liebe Leserinnen und Leser,
51,8 Prozent – auf diesen Füllstand sind Deutschlands Gasspeicher inzwischen gesunken. Ein historisches Tief, das Energieexperten aufhorchen lässt, während gleichzeitig an den Börsen ganz andere Zahlen für Bewegung sorgen. TeamViewer meldet Umsatzzahlen am unteren Ende der Prognose, BMW kämpft mit einem schwachen China-Geschäft, und Silber – ja, Silber! – hat sich auf Platz drei der wertvollsten Assets der Welt geschoben. Zwischen Quartalszahlen, Absatzrückgängen und einer Rohstoff-Sensation zeigt sich heute: Manchmal sind es die leisen Verschiebungen, die den größten Lärm machen sollten.
TeamViewer: Keine Überraschung ist auch eine Nachricht
767 Millionen Euro Pro-forma-Umsatz für 2025 – TeamViewer hat die Zahlen geliefert, die das Management am unteren Ende der Prognosespanne erwartet hatte. Ein währungsbereinigtes Wachstum von rund fünf Prozent, die bereinigte EBITDA-Marge bleibt bei 44 Prozent. Klingt nach Routine, ist aber für die arg gebeutelte Aktie mehr wert als gedacht. Denn nach dem Absturz auf ein Rekordtief von 5,38 Euro im November brauchten Anleger vor allem eines: Gewissheit, dass es nicht noch schlimmer kommt.
Die bekamen sie heute. Das Enterprise-Geschäft lief stark, zwei Vertragsabschlüsse im Gesamtwert von rund zehn Millionen Euro stützten zusätzlich. Und der US-Zukauf 1E, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 für Kopfzerbrechen gesorgt hatte? Erstmals im vierten Quartal positiv. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von über fünf Prozent auf 6,05 Euro – ein Zeichen dafür, dass Stabilität in unsicheren Zeiten Gold wert ist. Oder besser gesagt: Silber wert.
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BMW: Wenn Europa und Mini China nicht ausgleichen können
2,46 Millionen Fahrzeuge hat BMW 2025 ausgeliefert – ein Plus von mickrigen 0,5 Prozent. Klingt nach Stagnation, ist aber angesichts der Lage in China fast schon ein Erfolg. Dort brachen die Verkäufe um 12,5 Prozent ein, im vierten Quartal sogar um 15,9 Prozent. Die Kernmarke BMW musste einen Rückgang von 1,4 Prozent hinnehmen, während die Tochter Mini mit einem satten Plus von 17,7 Prozent die Zahlen rettete.
Europa und die USA stützten: In Europa legte BMW um 7,3 Prozent zu, in den USA um 5 Prozent. Letzteres überrascht, denn die hohen Zölle auf Fahrzeugimporte aus Europa hätten eigentlich bremsen müssen. BMWs großes US-Werk in Spartanburg produziert jedoch etwa die Hälfte der dort verkauften Fahrzeuge – und die Belastungen durch Zölle gab der Konzern kaum an Kunden weiter. Gut für den Absatz, schlecht für die Margen. Auch bei den Elektroautos schwächelt das Wachstum: nur noch 3,6 Prozent Plus auf 442.072 Fahrzeuge, weit entfernt von den zweistelligen Raten früherer Jahre.
Analysten bleiben dennoch vorsichtig optimistisch. Jefferies sieht BMW im Jahr des Übergangs, mit Zollbelastungen im ersten Quartal, aber einem stärkeren Modellzyklus in der zweiten Jahreshälfte. Barclays ist skeptischer und stufte die Aktie auf "Underweight" ab – hohe Bewertungen bei schwachen Erwartungen. Die Aktie selbst zeigte sich unbeeindruckt und legte um 0,8 Prozent zu.
Silber: Der stille Aufsteiger, der alle überrascht
4,32 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung – damit hat Silber Platz drei der wertvollsten Assets der Welt erobert. Nur Gold mit 31,17 Billionen und Nvidia mit 4,51 Billionen liegen noch davor. Ein Plus von 174 Prozent im Jahr 2025 katapultierte das Edelmetall vor Tech-Giganten wie Apple, Alphabet und Microsoft. Wer hätte das gedacht?
Die Treiber sind vielfältig: Versorgungsengpässe, nachdem die USA Silber als kritischen Rohstoff einstufen und China mit aggressiver Nachfrage den Markt verengt. Dazu kommen Zinssenkungserwartungen in den USA und eine geringe Liquidität am Spotmarkt. Spekulationsmaßnahmen der Terminbörse CME in Chicago, die die Silber-Spekulation eindämmen sollten, befeuerten die Volatilität zusätzlich. Gold bleibt zwar mit Abstand die Nummer eins, aber Silber zeigt: Auch klassische Rohstoffe können in Zeiten von KI-Hype und Tech-Rallyes plötzlich die Bühne erobern.
Deutsche Industrie: Produktion steigt, Exporte schwächeln
Die deutsche Industrieproduktion legte im November überraschend den dritten Monat in Folge zu – um 0,8 Prozent insgesamt, getrieben von Autobranche und Maschinenbau. Ökonomen hatten eigentlich einen Rückgang erwartet. "Es geht langsam aufwärts mit der Konjunktur der deutschen Industrie", kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.
Doch die Freude ist getrübt: Die Exporte sanken im November um 2,5 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro. Besonders die USA bereiten Sorgen – die Ausfuhren dorthin brachen um 4,2 Prozent ein, im Vorjahresvergleich sogar um fast ein Viertel. Donald Trumps Zölle hinterlassen Spuren. Auch in die EU wurde weniger exportiert, während die Ausfuhren nach China um 3,4 Prozent zulegten. China übernimmt damit wieder die Rolle des wichtigsten Handelspartners – ein schwacher Trost für eine Exportwirtschaft, die ihren einstigen Wachstumsmotor USA verliert.
Autowerte in Europa: Optimismus trifft auf Skepsis
Jefferies blickt optimistisch auf 2026 und erwartet von Volkswagen und Stellantis verbesserte Prognosen. VW werde den Fokus auf Kostenkontrolle und die Software-Kooperation mit Tesla-Rivale Rivian legen. BMW und Mercedes stünden vor einem Übergangsjahr, könnten aber in der zweiten Jahreshälfte vom Modellzyklus profitieren. Barclays sieht das anders: Zölle, Emissionsvorschriften und der chinesische Markt würden 2026 weiter belasten. BMW und Porsche wurden auf "Underweight" abgestuft, Mercedes bekommt wegen des besseren Cashflows den Vorzug.
Die Börse folgte heute eher Jefferies: VW legte um 2,1 Prozent zu, Mercedes um 1,5 Prozent, Porsche um 1,9 Prozent. Der europäische Autosektor zählte zu den stärksten Branchen – ein Lichtblick in einem ansonsten durchwachsenen Marktumfeld.
Was die kommenden Tage bringen
Die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember stehen heute Nachmittag an – erwartet werden 73.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote soll leicht auf 4,5 Prozent sinken. Die Zahlen könnten entscheidend sein für die weitere Zinspolitik der Fed. Außerdem richtet sich der Blick auf das Oberste Gericht der USA, das sich zur Rechtmäßigkeit von Trumps Strafzöllen äußern könnte. Sollten die Richter die Zölle als unrechtmäßig einstufen, dürfte die Administration andere Wege suchen – ein Rückzieher ist nicht zu erwarten.
In Deutschland bleibt die Lage der Gasspeicher im Fokus. Mit einem Füllstand von unter 52 Prozent liegen die Speicher auf einem historischen Tief. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung zwar als gesichert an, doch bei einem langen, kalten Winter könnten Engpässe entstehen. Die LNG-Terminals an Nord- und Ostsee bieten zwar Flexibilität, doch die Abhängigkeit von Importen bleibt hoch.
Eines zeigt sich heute deutlich: Die Märkte bewegen sich zwischen Stabilisierung und Unsicherheit. TeamViewer liefert Gewissheit, BMW kämpft mit strukturellen Problemen, und Silber beweist, dass auch klassische Assets überraschen können. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die vorsichtigen Hoffnungsschimmer tragfähig sind – oder ob die Realität härter zuschlägt als erhofft.
Einen erfolgreichen Handelstag wünscht Ihnen
Andreas Sommer








