Siemens Energy, Gerresheimer & Commerzbank: Wenn Rekordaufträge auf Bilanzverschiebungen treffen
Liebe Leserinnen und Leser,
drei Unternehmen, drei Quartalszahlen, drei völlig unterschiedliche Reaktionen – und doch zeigt sich in allen dasselbe Muster: Die Märkte belohnen Klarheit und bestrafen Unsicherheit gnadenlos. Während Siemens Energy mit Rekordaufträgen die Anleger begeistert und die Aktie auf neue Höchststände katapultiert, stürzt Gerresheimer nach einer erneuten Bilanzverschiebung ins Bodenlose. Dazwischen: Die Commerzbank, die solide Zahlen liefert, aber an den hohen Erwartungen im Übernahmekampf mit der Unicredit scheitert. Was diese drei Geschichten über den aktuellen Zustand der deutschen Wirtschaft verraten – und warum gerade jetzt Transparenz zur wertvollsten Währung an der Börse wird.
Siemens Energy: Wenn KI-Rechenzentren zum Goldesel werden
Der Energietechnikkonzern liefert ab – und wie. Mit einem Auftragseingang von 17,6 Milliarden Euro im ersten Geschäftsquartal übertraf Siemens Energy selbst optimistische Analystenschätzungen deutlich. Das entspricht einem Plus von gut einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Besonders beeindruckend: Das Gasturbinengeschäft steigerte seinen Auftragseingang um mehr als 80 Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Der Grund? Der weltweite Hunger nach Strom für KI-Rechenzentren und die Elektrifizierung von Industrie und Verkehr.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der bereinigte operative Gewinn verdreifachte sich nahezu auf 1,16 Milliarden Euro, die Marge kletterte von 5,4 auf 12 Prozent – deutlich über dem Jahresziel von 9 bis 11 Prozent. Selbst die kriselnde Windkrafttochter Siemens Gamesa reduzierte ihre Verluste spürbar. Konzernchef Christian Bruch reserviert bereits Kapazitäten für 2029 und 2030, so groß ist die Nachfrage. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von zeitweise über sechs Prozent und markierte ein neues Rekordhoch bei über 160 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits mehr als 30 Prozent zugelegt – Spitzenreiter im DAX.
Was hier passiert, ist mehr als nur ein gutes Quartal. Siemens Energy profitiert von einem Megatrend, der gerade erst Fahrt aufnimmt: dem massiven Ausbau der Energieinfrastruktur für die digitale Ökonomie. Während Tech-Konzerne Milliarden in KI-Rechenzentren pumpen, brauchen diese verlässliche Stromversorgung – und genau da kommt Siemens Energy ins Spiel. Der Auftragsbestand von 146 Milliarden Euro entspricht mehr als dem 15-Fachen des Jahresumsatzes. Diese Sichtbarkeit ist Gold wert.
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Gerresheimer: Der Weg von schlecht zu noch schlimmer
Während Siemens Energy glänzt, erlebt Gerresheimer einen Albtraum. Die Aktie des Pharmaverpackungsherstellers brach am Mittwoch um mehr als 30 Prozent ein – der tiefste Stand seit der Finanzkrise 2009. Der Grund: Die ursprünglich für den 26. Februar geplante Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025 wird erneut verschoben. Einzelne Mitarbeiter sollen gegen interne Richtlinien und internationale Bilanzierungsstandards verstoßen haben, vor allem bei der Erfassung von Umsatzerlösen und der Bewertung von Vorräten.
Die Dimensionen sind beträchtlich. Für das Geschäftsjahr 2024 geht Gerresheimer nun von einem zusätzlichen Korrekturbedarf von rund 17 Millionen Euro beim Umsatz und 19 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA aus. Zusammen mit bereits angekündigten Korrekturen summiert sich das auf 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim operativen Ergebnis. Für 2025 rechnet das Unternehmen zudem mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge wird nun nur noch bei 16,5 bis 17,5 Prozent erwartet statt der zuvor anvisierten 18,5 bis 19 Prozent.
JPMorgan-Analyst David Adlington bringt es auf den Punkt: Der Weg führe „von schlecht über schlimmer zu noch schlimmer". Das Vertrauen der Anleger ist massiv beschädigt. Bereits 2025 war der Kurs von rund 80 Euro im Februar auf unter 30 Euro abgestürzt, nachdem Übernahmegespräche gescheitert waren und die Finanzaufsicht BaFin eine Prüfung eingeleitet hatte. Der aktuelle Absturz dürfte den seit November laufenden Bodenbildungsversuch beenden. Gerresheimer versucht nun, mit dem Verkauf der US-Tochter Centor finanziellen Spielraum zu schaffen – ein Zeichen, wie ernst die Lage ist.
Commerzbank: Solide Zahlen, aber nicht solide genug
Die Commerzbank lieferte eigentlich einen respektablen Jahresabschluss ab. Der Nettogewinn 2025 betrug 2,63 Milliarden Euro, nur knapp unter dem Rekordwert von 2024. Bereinigt um Restrukturierungskosten von 562 Millionen Euro hätte die Bank sogar ein neues Rekordhoch von 3 Milliarden Euro erreicht. Die Dividende steigt kräftig von 0,65 auf 1,10 Euro je Aktie, zudem startet ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über bis zu 540 Millionen Euro. Zusammen mit den bereits ausgeschütteten Geldern fließen damit 2,7 Milliarden Euro an die Aktionäre – mehr als der Jahresgewinn.
Für 2026 hebt die Bank ihre Prognose an: Der Nettogewinn soll über die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro steigen, der Nettozinsüberschuss wird von 8,4 auf 8,5 Milliarden Euro angehoben. Bis 2028 peilt Vorstandschefin Bettina Orlopp weiterhin 4,2 Milliarden Euro Gewinn an. Doch die Aktie reagierte mit Kursverlusten von zeitweise über drei Prozent. Warum? Analysten hatten im Schnitt noch mehr erwartet – und im Hintergrund schwebt weiter die Übernahmegefahr durch die Unicredit.
Die italienische Großbank hält bereits gut 26 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere drei Prozent. Ab 30 Prozent müsste Unicredit-Chef Andrea Orcel ein Übernahmeangebot vorlegen. Doch der hohe Aktienkurs schreckt ihn bislang ab. Die Commerzbank versucht mit ihrer großzügigen Ausschüttungspolitik, die Aktionäre bei der Stange zu halten und eine Übernahme zu verteuern. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt offen. Der Bund, der noch rund 12 Prozent hält, lehnt einen Verkauf ab – doch politische Positionen können sich ändern.
DAX wartet auf US-Arbeitsmarktdaten
Der deutsche Leitindex tut sich weiterhin schwer mit der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten. Am Mittwochmorgen notierte er knapp darunter bei rund 24.950 Zählern. Die Anleger warten auf den nachgeholten US-Arbeitsmarktbericht für Januar, der am Nachmittag veröffentlicht wird. Nach einigen enttäuschenden Berichten wird eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erwartet – etwa 70.000 neu geschaffene Stellen und eine konstante Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent.
Die Daten könnten Einfluss auf die Zinspolitik der US-Notenbank Fed haben, auch wenn die Bedeutung möglicherweise überschätzt wird. Wichtiger dürfte mittelfristig die Frage werden, wie sich der designierte Fed-Chef Kevin Warsh positioniert und ob er dem Druck von US-Präsident Donald Trump nach Zinssenkungen nachgibt. Diese Unsicherheit hält viele Anleger in der Warteschleife.
Was Anleger jetzt wissen sollten
Die heutigen Unternehmensmeldungen zeigen exemplarisch, worauf es in diesem Marktumfeld ankommt: Transparenz, Verlässlichkeit und klare Wachstumsperspektiven. Siemens Energy profitiert von einem strukturellen Megatrend und liefert Quartal für Quartal ab – die Börse honoriert das mit einem Bewertungsaufschlag. Gerresheimer hingegen kämpft mit Vertrauensverlust und interner Unordnung – die Strafe folgt sofort und brutal. Die Commerzbank bewegt sich im Spannungsfeld zwischen solider operativer Performance und strategischer Unsicherheit.
Für die kommenden Tage stehen weitere wichtige Termine an: Am Freitag folgen die US-Inflationsdaten, am Donnerstag trifft sich die EU-Spitze zu einem informellen Gipfel über die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Die Wirtschaftsinitiative „Made for Germany" dringt dabei auf Bürokratieabbau und tiefe Reformen – Forderungen, die angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China und den USA immer drängender werden.
Bis morgen – und bleiben Sie kritisch,
Andreas Sommer








