Shell steht heute im Zentrum zweier geopolitischer Energiekrisen gleichzeitig. Der Konzern hat Force Majeure auf Flüssiggas-Lieferungen aus Katar erklärt – und verhandelt parallel über einen historischen Wiedereinstieg in Venezuelas Ölindustrie. Selten war das Nachrichtenumfeld für einen einzelnen Energiekonzern so vielschichtig.

Der LNG-Schock aus Katar

Drohnenangriffe auf die Industrieanlagen in Ras Laffan und Mesaieed haben die katarische LNG-Produktion zum Stillstand gebracht. QatarEnergy erklärte daraufhin selbst Force Majeure – und die Unterbrechung pflanzt sich nun durch die globale Lieferkette fort.

Shell, als weltgrößter LNG-Händler besonders exponiert, hat seine Abnehmer informiert, dass vertraglich vereinbarte Lieferungen ab April nicht mehr garantiert werden können. Analysten schätzen, dass der Konzern rund 6,8 Millionen Tonnen LNG pro Jahr aus Katar bezieht und an Versorger sowie Industriekunden in Europa und Asien weiterverkauft. Laut Schiffsverfolgungsdaten von Kpler gab es zuletzt fünf aufeinanderfolgende Tage ohne einen einzigen LNG-Frachter aus Katar – die längste Unterbrechung seit 2008.

Katars Energieminister Saad al-Kaabi räumte gegenüber der Financial Times ein, dass eine Rückkehr zur Normalversorgung selbst bei sofortigem Kriegsende „Wochen bis Monate" dauern könnte. Neben Shell hat auch TotalEnergies entsprechende Warnungen an seine Kunden verschickt. Asiatische Abnehmer stehen nun vor der Aufgabe, rund ein Fünftel ihrer vertraglich gesicherten LNG-Versorgung kurzfristig zu ersetzen.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Shell?

Venezuelas Ölfelder als Gegenpol

Während im Nahen Osten Versorgungsrouten wegbrechen, öffnet sich in Südamerika eine neue. Shell hat bei einem Besuch von US-Innenminister Doug Burgum in Caracas vorläufige Öl- und Gasvereinbarungen mit der venezolanischen Regierung unterzeichnet. Konkret geht es um die Entwicklung der Felder Carito und Pirital in der Region Monagas Norte – Felder, die leichtes und mittelschweres Rohöl sowie Erdgas fördern.

Der Schritt ist Teil einer breiteren Öffnung: Venezuelas Nationalversammlung hat im Januar das Ölgesetz grundlegend reformiert. Ausländische Unternehmen dürfen nun auch als Minderheitspartner des staatlichen Konzerns PDVSA eigenständig produzieren, exportieren und verkaufen. US-Präsident Donald Trump hat die Initiative als Teil eines 100-Milliarden-Dollar-Programms zum Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie beschrieben. Eine Überprüfung bestehender Verträge durch das venezolanische Ölministerium soll noch bis Ende März abgeschlossen sein.

Starke Kursentwicklung, klarer Ausblick

Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 17 Prozent zugelegt und erreichte heute ein neues 52-Wochen-Hoch. Rückenwind liefern die gestiegenen Energiepreise infolge der Spannungen im Nahen Osten, einschließlich der Blockade der Straße von Hormus. ABN Amro warnt bereits, dass ein anhaltender Angebotsschock bei LNG und Öl die Inflation in der Eurozone auf über sechs Prozent treiben könnte.

Am 7. Mai legt Shell seine nächsten Quartalszahlen vor. Dann dürfte das Management konkrete Angaben machen, wie stark die Katar-Ausfälle das zweite Quartal belasten – und wie weit die Venezuela-Vereinbarungen bis dahin gediehen sind.

Shell-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Shell-Analyse vom 11. März liefert die Antwort:

Die neusten Shell-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Shell-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Shell: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...