Kurz vor der Vorlage der Jahreszahlen steigt die Spannung rund um SAP merklich. Negative Analystenkommentare, schwache Signale aus der Branche und eine offene Rechtsstreitigkeit treffen auf hohe Erwartungen an das Cloud- und KI-Geschäft. Die zentrale Frage: Reicht das Zahlenwerk am Donnerstag, um das angeschlagene Vertrauen kurzfristig zu stabilisieren?

Die Fakten im Überblick

  • Aktueller Kurs: 195,54 Euro (Schlusskurs Dienstag)
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (280,40 Euro): rund -30 %
  • Change 12 Monate: -25,49 %
  • 52‑Wochen-Tief: 189,84 Euro – aktuell nur gut 3 % darüber
  • Deutlich unter 50‑, 100‑ und 200‑Tage-Durchschnitt
  • RSI (14 Tage) mit 51,8 im neutralen Bereich

Der Rutsch unter die Marke von 200 Euro am Dienstag und das Schlussniveau bei 195,54 Euro unterstreichen den belasteten kurzfristigen Trend. Rein technisch signalisiert der deutliche Abstand zu den gleitenden Durchschnitten einen angeschlagenen Kursverlauf, auch wenn der RSI noch keine Überverkauft-Situation anzeigt.

Analysten drehen den Daumen nach unten

Im Vorfeld der Bilanzpräsentation am 29. Januar haben mehrere Research-Häuser ihre Einschätzung für SAP nachgeschärft – und zwar überwiegend nach unten.

Besonders kritisch positioniert sich Santander. Analyst Carlos Trevino bestätigte sein „Underperform“-Votum und senkte das Kursziel von 192 auf 187 Euro. Damit liegt seine Zielmarke sogar unter dem aktuellen Kursniveau und deutet aus seiner Sicht weiteres Abwärtspotenzial an.

Baader Europe ging noch einen Schritt weiter: Die Bank stufte die Aktie von „Add“ gleich um zwei Stufen auf „Reduce“ herab. Parallel wurde das Kursziel von 219 auf 211 Euro gesenkt. Begründet wird die vorsichtigere Haltung mit einer zunehmenden Skepsis, wie schnell sich KI-Funktionen in bare Münze verwandeln lassen.

Im Kern hinterfragen die Analysten, ob SAP seine hohen Erwartungen an den KI-Assistenten „Joule“ kurzfristig in zusätzliche Erlöse und Margen übersetzen kann. Diese Zweifel treffen auf eine Bewertung, die in den vergangenen Jahren stark von KI- und Cloud-Fantasie geprägt war.

Belastung aus Großbritannien: Sage dämpft KI-Euphorie

Druck kommt zusätzlich von der Konkurrenz. Der britische Softwareanbieter Sage Group, stark im Segment mittelständischer Kunden, hat jüngst enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt. Die Folge: Die Aktie von Sage verlor in London rund 4,4 Prozent.

Ausschlaggebend waren weniger nur die Zahlen selbst als vielmehr die begleitenden Aussagen des Managements. Sage stellte klar, dass die Monetarisierung von KI-Funktionen sich noch in einem „sehr frühen Stadium“ befinde. Genau diese Nüchternheit sorgt bei SAP-Anlegern für Ernüchterung.

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Denn ein Teil der Bewertung von SAP basiert auf der Erwartung, dass KI-Features wie „Joule“ zeitnah zusätzliche Zahlungsbereitschaft bei Kunden auslösen und die Profitabilität steigern. Wenn Kunden aber zögern, für neue KI-Funktionen Aufschläge zu akzeptieren, könnten ambitionierte Margenziele für 2026 zunehmend ambitioniert wirken.

Der Kursrückgang bei SAP ist damit nicht nur eine unternehmensspezifische Reaktion, sondern spiegelt auch eine breitere Skepsis im Technologiesektor hinsichtlich der kurzfristigen Ertragskraft von KI-Anwendungen wider.

Juristische Risiken im Hintergrund

Parallel zur Marktdiskussion läuft in den USA ein Rechtsstreit, der das Umfeld zusätzlich verkompliziert. Im November 2025 hat der Wettbewerber o9 Solutions Klage gegen SAP und drei frühere o9-Führungskräfte eingereicht, die zum DAX-Konzern gewechselt sind.

Der Vorwurf: Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen. Laut Klageschrift sollen die Manager vor ihrem Wechsel zehntausende vertrauliche Dateien heruntergeladen haben, um SAP einen unlauteren Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Ob und in welchem Umfang sich daraus finanzielle oder operative Risiken ergeben, ist offen, doch die Auseinandersetzung schafft ein zusätzliches Unsicherheitselement für das Managementumfeld.

Positive Aspekte wie eine jüngste Spitzenplatzierung im „Gartner Magic Quadrant“ geraten angesichts dieser Gemengelage in den Hintergrund. Am Markt dominieren momentan die Risiken.

Entscheidende Zahlen am Donnerstag

Der Blick richtet sich nun klar auf die Bilanzvorlage am Donnerstag, den 29. Januar 2026. SAP veröffentlicht dann die finalen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 – und muss Erwartungen erfüllen, die trotz der Kurskorrektur nicht niedrig sind.

Die Konsensschätzungen der Analysten für das vierte Quartal:

  • Gewinn je Aktie: im Schnitt 1,51 Euro (nach 1,37 Euro im Vorjahr)
  • Umsatz: rund 9,75 Milliarden Euro

Im Fokus steht neben den reinen Zahlen vor allem der Ausblick: Entscheidend wird sein, wie SAP das weitere Cloud-Wachstum und die Profitabilität im KI-Umfeld für das laufende Geschäftsjahr einordnet. Jede spürbar negative Abweichung von den Erwartungen – insbesondere bei der Dynamik im Cloud-Geschäft und den Margenplänen für 2026 – dürfte die aktuell ohnehin hohe Volatilität verstärken.

Aus charttechnischer Sicht sind die Vorzeichen klar: Der Kurs liegt rund 30 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch und deutlich unter den mittelfristigen Durchschnitten. Gelingt es SAP am Donnerstag, mit belastbaren Zahlen und einem überzeugenden Ausblick die Skepsis rund um KI-Monetarisierung und juristische Risiken zumindest teilweise zu entkräften, wäre eine spürbare Gegenbewegung möglich. Bleibt die Bilanz hingegen hinter den Erwartungen zurück oder fällt der Ausblick verhalten aus, könnten die jüngsten Tiefststände im Bereich von knapp 190 Euro zügig erneut getestet werden.

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