Der Luxemburger Medienriese RTL Group hat die Märkte am 18. November mit einer drastischen Gewinnwarnung erschüttert. Statt der erwarteten 780 Millionen Euro soll das bereinigte EBITA 2025 nur noch 650 Millionen Euro erreichen – ein Einbruch von knapp 17 Prozent. Verantwortlich: Der anhaltende Absturz der TV-Werbeeinnahmen in Deutschland und Frankreich. Kann RTL die Kurve noch kriegen, oder bricht das Geschäftsmodell gerade zusammen?

Deutsche und französische Werbemärkte im freien Fall

CEO Thomas Rabe brachte es auf den Punkt: „Die deutschen und französischen TV-Werbemärkte haben im zweiten Halbjahr nicht die erwartete Dynamik entwickelt." Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den ersten neun Monaten 2025 brachen die TV-Werbeerlöse um 7,4 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro ein. Deutschland verzeichnete einen Rückgang von 9 bis 10 Prozent, Frankreich sogar 11 Prozent.

Der Konzern musste neben der EBITA-Prognose auch seine Umsatzerwartung von 6,45 Milliarden auf nur noch 6,0 bis 6,1 Milliarden Euro kapps. Der Gesamtumsatz in den ersten neun Monaten sank um 2,2 Prozent auf 4,12 Milliarden Euro. Das klassische Fernsehgeschäft – einst die Cash-Cow von RTL – kämpft mit strukturellen Problemen, die sich nicht mehr wegdiskutieren lassen.

Streaming und Digital: Die Rettungsanker

Doch es gibt Lichtblicke. Während die traditionellen Werbeeinnahmen wegbrechen, explodiert das Digitalgeschäft geradezu: Die digitalen Werbeerlöse schossen um 31,7 Prozent auf 345 Millionen Euro nach oben, allein im dritten Quartal sogar um beeindruckende 40,2 Prozent. Damit kompensierte RTL immerhin rund 70 Prozent des TV-Werbeverlusts.

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Noch dynamischer entwickelt sich das Streaming-Geschäft:

  • Umsatz kletterte um 26,6 Prozent auf 351 Millionen Euro
  • Zahlende Abonnenten stiegen von 6,47 Millionen auf 7,59 Millionen (plus 17,4 Prozent)
  • Bis Jahresende peilt RTL die Marke von 8 Millionen Abos an
  • Verluste im Streaming-Bereich sollen 2025 von 137 Millionen auf rund 50 Millionen Euro mehr als halbiert werden

Ab 2026 will RTL mit dem Streaming erstmals Gewinne schreiben – eine entscheidende Wegmarke für die Glaubwürdigkeit der Digitalstrategie.

Führungswechsel in turbulenten Zeiten

Mitten in der Krise vollzieht RTL einen weitreichenden Umbau an der Spitze. Ab Mai 2026 übernimmt Clément Schwebig, derzeit bei Warner Bros. Discovery tätig, den CEO-Posten von Thomas Rabe. Elmar Heggen, seit über 25 Jahren im Konzern und zuletzt stellvertretender CEO sowie COO, scheidet Ende 2025 aus dem operativen Geschäft aus und wechselt in den Aufsichtsrat.

Die neue, verschlankte Führungsstruktur besteht künftig nur noch aus CEO Schwebig und CFO Björn Bauer – ein klares Signal für mehr Effizienz und schnellere Entscheidungen. Schwebig bringt internationale Erfahrung im Streaming- und Content-Geschäft mit, genau die Kompetenzen, die RTL jetzt braucht.

Hoffnung Sky und die Milliarden-Frage

Trotz der Gewinnwarnung hält RTL an seinem mittelfristigen EBITA-Ziel von einer Milliarde Euro fest. Die Rechnung dahinter: Die geplante Übernahme von Sky Deutschland soll Synergien von 250 Millionen Euro bringen. Die EU-Kommission muss dem Deal allerdings erst in der ersten Jahreshälfte 2026 zustimmen.

Finanziell steht RTL solide da. Die Nettoverschuldung lag Ende September bei nur 71 Millionen Euro, verglichen mit 492 Millionen Ende 2024 – ermöglicht durch den Verkauf von RTL Nederland für 1,1 Milliarden Euro. Parallel kauft der Konzern weiterhin eigene Aktien zurück: Im September erwarb RTL 3,17 Millionen Aktien zu je 37,85 Euro, im November startete ein weiteres Rückkaufprogramm über bis zu 834.000 Papiere.

Die Frage bleibt: Reichen Streaming-Wachstum, digitale Werbeerlöse und die erhoffte Sky-Übernahme aus, um den Einbruch im traditionellen TV-Geschäft auszugleichen? Die nächsten Quartale werden zeigen, ob RTL den Turnaround schafft – oder ob die Transformation zu langsam geht.

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