Rolls-Royce hat sich in wenigen Jahren vom Sorgenkind zum Börsenliebling der Londoner Blue Chips entwickelt. Unter CEO Tufan Erginbilgiç ist der Kurs regelrecht durchgestartet, doch mit der Rally wachsen auch die Zweifel an der Bewertung. Spannend wird nun, ob das operative Geschäft mit den hohen Erwartungen Schritt halten kann.

Vom Tief zur Vervielfachung

Seit Erginbilgiç im Januar 2023 das Ruder übernommen hat, hat sich die Aktie fast verhundertfacht – konkret nahezu vervierzehnfacht. Damit liegt Rolls-Royce in dieser Phase selbst vor Highflyern wie Nvidia, was die Gesamtperformance angeht. Wer seit den Pandemie-Tiefs dabeigeblieben ist, erlebt eine der eindrucksvollsten Erholungen, die der FTSE 100 in den vergangenen Jahren gesehen hat.

Auch 2026 hält die Dynamik an: Auf Wochensicht liegt der Titel leicht im Minus, doch auf 30-Tage-Sicht steht ein Plus von knapp 18 Prozent. Im Zwölfmonatsvergleich hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, der Abstand zum 52‑Wochen-Tief beträgt rund 118 Prozent – die Aktie notiert damit deutlich über ihren 50-, 100- und 200‑Tage-Durchschnitten.

Die Treiber des Turnarounds

Der Kurssprung ist nicht aus dem Nichts gekommen. Erginbilgiç hat Rolls-Royce tiefgreifend umgebaut und mehrere Stellschrauben gleichzeitig gedreht:

  • Vertragsstruktur: Verlustbringende Lieferverträge mit Airlines wurden neu verhandelt und in profitable Vereinbarungen umgewandelt. Das stabilisiert die Margen im zivilen Triebwerksgeschäft.
  • Führungsteam: Die Managementebene wurde neu aufgestellt, unter anderem mit der Verpflichtung von CFO Helen McCabe von BP. Das signalisiert einen klaren Fokus auf finanzielle Steuerung und Kapitaldisziplin.
  • Kostenbasis: Mittlere Managementebenen wurden deutlich ausgedünnt. Die schlankere Struktur erhöht die operative Hebelwirkung, sobald Umsätze wachsen.
  • Technik und Zuverlässigkeit: Investitionen in die Haltbarkeit der Triebwerke verbessern die Zuverlässigkeit und stützen das margenstarke Aftermarket-Geschäft (Wartung, Ersatzteile, Service).

Im Februar 2025 konnte Rolls-Royce die Wirkung dieses Programms untermauern: Das Unternehmen kündigte an, die ursprünglich für 2027 gesetzten Ziele beim operativen Gewinn bereits 2025 zu erreichen. Die Prognose für das operative Ergebnis wurde auf 3,1 bis 3,2 Milliarden Pfund angehoben, der freie Cashflow sollte bei 3,0 bis 3,1 Milliarden Pfund liegen. Für viele Investoren war das der Beleg, dass der Umbau nicht nur auf Präsentationsfolien stattfindet, sondern tatsächlich durch die Zahlen läuft.

Bewertung gerät unter Druck

Mit der Kursrally ist die Bewertung allerdings in Regionen vorgestoßen, die selbst optimistische Anleger nachdenklich machen. Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2026 wird Rolls-Royce aktuell mit dem rund 39- bis 40‑fachen des prognostizierten Jahresergebnisses gehandelt. Zum Vergleich: Im Zehnjahresschnitt lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis eher um die 15.

Auch von Analystenseite kommen erste Bremssignale: Morningstar beziffert den fairen Wert der Aktie auf 11,20 Pfund. Verglichen mit dem aktuellen Kursniveau deutet das nur begrenztes Aufwärtspotenzial hin – die jüngste Rally scheint aus dieser Sicht ein gutes Stück der künftigen Fortschritte vorweggenommen zu haben.

Wachstumstreiber für die nächsten Jahre

Trotz Bewertungsdiskussionen: Operativ stehen mehrere Wachstumsthemen im Raum, die die hohe Erwartungshaltung zumindest teilweise rechtfertigen könnten.

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Power Systems und Rechenzentren

Die Sparte Power Systems rückt zunehmend in den Fokus. Sie profitiert vom globalen Ausbau von Rechenzentren und der rasant steigenden Nachfrage nach gesicherter Energieversorgung im Zuge des KI‑Booms. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Auftragseingang für datenzentrumsbezogene Produkte im Jahresvergleich um 85 Prozent.

UBS-Analyst Ian Douglas-Pennant reagierte darauf mit einer Anhebung seines Kursziels auf 1.625 Pence. Grundlage ist eine optimistischere Annahme für das Wachstum der Stromerzeugungssparte: Bis 2028 rechnet er mit einem Umsatzplus von 26 Prozent. Diese Perspektive verleiht dem Segment das Potenzial, sich zu einem zentralen Ergebnistreiber zu entwickeln.

Small Modular Reactors (SMR)

Noch spekulativer, aber strategisch hoch relevant ist das SMR‑Programm (Small Modular Reactors). Diese kompakten Kernreaktoren gelten als mögliche Ergänzung für die Energiewende, da sie in Serie gefertigt und flexibler eingesetzt werden können als klassische Großkraftwerke.

Im November 2025 hat die britische Regierung 2,5 Milliarden Pfund zugesagt, um drei SMR‑Standorte auf Anglesey zu entwickeln. Parallel wurde Rolls-Royce als bevorzugter Lieferant für SMR‑Technologie in der Tschechischen Republik ausgewählt. Beides sind wichtige Signale: Sie erhöhen die Sichtbarkeit des Programms und könnten bei erfolgreicher Umsetzung einen langfristigen, planbaren Cashflow-Strom eröffnen.

Rückkehr in den Schmalrumpfmarkt

Ein weiteres strategisches Projekt ist der geplante Wiedereinstieg in den Markt für Schmalrumpf-Flugzeuge. Hier setzt Rolls-Royce auf seine UltraFan-Technologie. Die Bedeutung dieses Segments ist enorm: Rund 85 Prozent der weltweiten Verkehrsflugzeugverkäufe entfallen auf diese Klasse.

Gelingt die Rückkehr, würde Rolls-Royce sich einen Anteil an einem der größten und dynamischsten Märkte der Luftfahrt sichern. Berichte über Gespräche mit Pratt & Whitney als potenziellem Partner unterstreichen, dass das Unternehmen dieses Vorhaben nicht aus eigener Kraft stemmen muss. Konkrete Vereinbarungen wären ein wichtiger Meilenstein, um die Pläne in belastbare Zahlen zu übersetzen.

Blick nach vorn: Zahlen, Buyback und Geopolitik

Kurzfristig richtet sich der Fokus auf die anstehenden Jahreszahlen, die am 26. Februar 2026 veröffentlicht werden sollen. Dann wird sich zeigen, ob Rolls-Royce die hohen Erwartungen beim operativen Gewinn und beim freien Cashflow bestätigen oder sogar übertreffen kann. Ebenfalls im Blick: Das im Dezember 2025 gestartete Aktienrückkaufprogramm, das die Kursentwicklung zusätzlich stützen kann und ein Signal für das Vertrauen des Managements in die eigene Bilanz darstellt.

Wesentliche Kennziffern für die kommenden Berichte:

  • Entwicklung der Flugstunden im zivilen Geschäft und der zugehörigen Aftermarket-Umsätze
  • Auftragseingang in der Sparte Power Systems, insbesondere aus dem Rechenzentrumsbereich
  • Fortschritte bei Genehmigungen und Kundenverträgen im SMR‑Geschäft
  • Konkrete Neuigkeiten zu möglichen Partnerschaften im Schmalrumpf-Triebwerksmarkt

Als stabilisierender Faktor wirkt die Verteidigungssparte, die rund ein Viertel des bereinigten Umsatzes beiträgt. In einem Umfeld erhöhter geopolitischer Spannungen sorgt sie für eine gewisse Grundauslastung, auch wenn das Wachstum hier zuletzt eher moderat ausfiel. Insgesamt hängt die weitere Kursentwicklung nun maßgeblich davon ab, ob die kommenden Zahlen und Projektfortschritte das aktuell hohe Bewertungsniveau untermauern können und ob die angekündigten Wachstumstreiber in den nächsten Quartalen sichtbar in den Kennzahlen ankommen.

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