Robinhood Aktie: Bewährungsprobe
Robinhood geht nach einer außergewöhnlichen Rallye ins neue Jahr – doch nun rückt die Frage in den Vordergrund, ob das Wachstum mit der Bewertung Schritt halten kann. Nach knapp 200 % Kursplus in den vergangenen zwölf Monaten ist der Spielraum für Enttäuschungen deutlich kleiner geworden. Besonders brisant: Ein wesentlicher Teil des Booms hängt an hochvolatilen Krypto-Umsätzen.
Termin im Februar rückt in den Fokus
Das Unternehmen hat angekündigt, seine Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 am 10. Februar nach US-Börsenschluss zu veröffentlichen. Im Anschluss wollen CEO Vlad Tenev und der neue Finanzchef Shiv Verma die Ergebnisse in einer Videokonferenz erläutern – ein wichtiger Auftritt, weil Verma den CFO-Posten frisch übernimmt.
Die Veröffentlichung markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Umbruchjahres. 2025 wurde Robinhood im September in den S&P 500 aufgenommen, die Marktkapitalisierung stieg auf rund 105 Milliarden US-Dollar. Parallel kletterten die Plattform-Vermögenswerte auf 333 Milliarden Dollar, ein Plus von 119 % im Jahresvergleich. Die Zahl der finanzierten Kunden legte auf 26,8 Millionen zu, etwa 10 % mehr als ein Jahr zuvor.
Am Markt ist die Aktie nach dem Höhenflug weiter ambitioniert bewertet: Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 115,21 US-Dollar. Damit notiert der Titel knapp 13 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber deutlich über den gleitenden Durchschnitten. Der 14‑Tage-RSI von 76 signalisiert kurzfristig einen überkauften Bereich.
Bewertung deutlich über historischen Niveaus
Der zentrale Streitpunkt für Analysten ist die Bewertung. Auf Basis der aktuellen Kurse liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei etwa 25,5 – mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert von 11,2 seit dem Börsengang 2021.
Auch bei den Gewinnkennzahlen ist die Aktie anspruchsvoll bepreist: Das laufende KGV liegt bei rund 50, das erwartete KGV ebenfalls im Bereich von 51. Um lediglich auf den historischen Durchschnitt des Kurs-Umsatz-Verhältnisses zurückzufallen, müsste der Kurs rechnerisch um etwa 55 % nachgeben. Für Momentum-Investoren ist das ein deutlicher Hinweis darauf, wie viel Wachstum aktuell bereits eingepreist ist.
Die Konsensschätzungen an der Wall Street gehen für das Gesamtjahr 2025 von Erlösen um 4,5 Milliarden US-Dollar aus. Im dritten Quartal 2025 erzielte Robinhood Transaktionsumsätze von 730 Millionen Dollar – ein Plus von 129 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
Krypto-Erlöse als Risikoquelle
Besonders auffällig ist die Rolle der Kryptowährungen. Im dritten Quartal 2025 schnellten die Krypto-Umsätze um 339 % gegenüber dem Vorjahr auf 268 Millionen Dollar nach oben und machten damit mehr als ein Drittel der gesamten Transaktionsumsätze aus.
Diese Dynamik hat allerdings ihren Preis: Die Historie zeigt extreme Schwankungen. Zwischen dem vierten Quartal 2024 und dem zweiten Quartal 2025 brachen die Krypto-Erträge zeitweise um mehr als die Hälfte ein. Während der vorangegangenen Kryptophase fiel der Umsatz von seinem Hoch im zweiten Quartal 2021 bis zum zweiten Quartal 2022 sogar um 75 %. Da große Digitalwährungen in den vergangenen Monaten wieder Schwäche zeigten, bleibt die Entwicklung der Krypto-Erträge im Schlussquartal 2025 eine der größten Unbekannten vor den Zahlen.
Prognosemärkte und neue Produkte
Die im August 2025 vereinbarte Partnerschaft mit Kalshi, um Prognosemärkte auf die Plattform zu bringen, hatte zunächst für Fantasie gesorgt. Nutzer können seitdem etwa auf Sportereignisse, Wahlen oder Zinsentscheidungen setzen.
Finanziell ist der Beitrag bislang überschaubar. Auf Basis der Daten aus dem dritten Quartal 2025 werden die Prognosemärkte auf rund 115 Millionen Dollar annualisierten Umsatz geschätzt – rund 2,5 % der erwarteten Gesamterlöse. Angesichts einer Unternehmensbewertung von 105 Milliarden Dollar wirkt dieser Baustein eher ergänzend als strukturell verändernd.
Parallel baut Robinhood sein Abo-Geschäft aus. Die Zahl der Gold-Abonnenten stieg im dritten Quartal 2025 auf 3,9 Millionen, ein Zuwachs von 77 % im Jahresvergleich. Das Jahresabo für 50 Dollar bietet unter anderem einen 3%-Match auf Rentenbeiträge und verzinste Guthaben.
Plattformwachstum und Internationalisierung
Die Plattformkennzahlen zeigen, dass das Unternehmen nicht nur über den Kurs gewachsen ist:
- Durchschnittserlös pro Nutzer (ARPU): 191 Dollar, plus 82 % im Jahresvergleich
- Gold-Durchdringung: über 14 % der Kundenbasis
- Robinhood Strategies: Vermögen über 1 Milliarde Dollar
- Rentenvermögen (Retirement AUC): 24,2 Milliarden Dollar, plus 144 % im Jahresvergleich
Mit der Übernahme der Krypto-Börse Bitstamp stärkt Robinhood zudem das institutionelle Geschäft mit digitalen Assets. International expandiert die Plattform weiter: In Großbritannien und der EU zählt das Unternehmen inzwischen fast 700.000 finanzierte Kunden.
Profitabilität gewinnt an Kontur
Auf Ergebnisebene zeigt sich, dass die Wachstumsstrategie zunehmend profitabel wird. Im dritten Quartal 2025 erreichte das bereinigte EBITDA 742 Millionen Dollar, ein Anstieg von 177 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt im mittleren 50‑Prozent-Bereich, was für ein wachstumsstarkes Fintech beachtlich ist. Sinkende aktienbasierte Vergütungen unterstützen dabei die Margenentwicklung.
Auch bei den Zuflüssen sieht es robust aus: Die Nettoeinlagen lagen im dritten Quartal 2025 bei 20,4 Milliarden Dollar und entsprachen damit einer annualisierten Wachstumsrate von 29 % bezogen auf die gesamten Plattformvermögen des zweiten Quartals. Auf Zwölfmonatsbasis summierten sich die Nettozuflüsse auf 68,3 Milliarden Dollar.
Februar-Zahlen als Nagelprobe
Mit der Veröffentlichung am 10. Februar entscheidet sich, ob die fundamentale Entwicklung die derzeitige Prämienbewertung rechtfertigen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Punkte: die Belastbarkeit der Krypto-Erträge nach der jüngsten Marktschwäche, die Wachstumskurve der Prognosemärkte und das Management-Ausblick auf 2026.
Rund 76 % der Analysten stufen die Aktie aktuell mit Kaufempfehlung ein, zugleich nehmen Bewertungsbedenken zu. Für Robinhood wird der Termin im Februar damit zu einer Nagelprobe, ob das Unternehmen sein erstes volles Jahr im S&P 500 mit einem belastbaren Wachstumspfad untermauern kann.
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