Rigetti startet holprig ins neue Jahr. Statt der erhofften nächsten Erfolgsstufe im Quantenrennen gibt es eine Verschiebung beim neuen Flaggschiff-Prozessor. Für eine Aktie, die nach einer extremen Rallye viel Zukunftsfantasie eingepreist hat, ist das ein spürbarer Dämpfer – und ein erster Test, wie viel Geduld der Markt wirklich mitbringt.

Neuer Prozessor kommt später

Auslöser des Kursrückgangs ist ein Update zur Produkt-Roadmap, das Rigetti am 9. Januar veröffentlicht hat. Das Unternehmen verschiebt die allgemeine Marktverfügbarkeit seines neuen 108-Qubit-Systems „Cepheus-1-108Q“ auf das Ende des ersten Quartals 2026. Viele Marktteilnehmer hatten mit einem früheren Start gerechnet – entsprechend sensibel fiel die Reaktion aus.

Inhaltlich stellt Rigetti klar: Qualität geht vor Geschwindigkeit. Das erklärte Ziel für die sogenannte 2-Qubit-Gate-Fidelity – ein Schlüsselmaß für die Genauigkeit von Quantenoperationen – liegt bei 99,5 Prozent. Aktuelle Tests des 108-Qubit-Systems kommen jedoch „nur“ auf 99,0 Prozent. Technisch ist das bereits ein hohes Niveau, doch CEO Subodh Kulkarni betont, dass man den angestrebten Wert von 99,5 Prozent stabil erreichen will, bevor das System breit ausgerollt wird.

Die Herausforderung liegt vor allem in der Skalierung. „Cepheus-1-108Q“ basiert auf einer modularen Architektur mit zwölf 9-Qubit-Chips. Auf kleineren Systemen funktioniert die Technologie sogar besser:
- das 9‑Qubit-System erreicht 99,7 Prozent
- das 36‑Qubit-System 99,6 Prozent Fidelity

Genau diese Präzision auf den großen 108‑Qubit-Prozessor zu übertragen erweist sich jedoch als komplexer als erwartet, insbesondere bei der Feinabstimmung der sogenannten tunable couplers, die die Qubits kontrolliert koppeln.

Am Markt kommt diese Botschaft gemischt an. Einerseits signalisiert der Fokus auf Qualität technologischen Anspruch. Andererseits bleibt für Investoren der unangenehme Fakt: Ein zentraler Meilenstein verschiebt sich – und damit rückt auch ein Teil der Ertragshoffnungen nach hinten.

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Überzogene Erwartungen treffen Realität

Die Verzögerung trifft auf ein Umfeld extrem hoher Erwartungen. Seit Oktober 2024 ist die Aktie um mehr als 3.200 Prozent gestiegen, die Marktkapitalisierung kletterte auf über 8,16 Milliarden US‑Dollar. Eine solche Bewertung setzt praktisch voraus, dass die Wachstumsstrategie ohne größere Rückschläge umgesetzt wird.

Gleichzeitig steckt die Kommerzialisierung noch in den Kinderschuhen. Im dritten Quartal 2025 erzielte Rigetti gerade einmal 1,95 Millionen US‑Dollar Umsatz. Die Lücke zwischen Milliardenbewertung und frühen Umsätzen ist groß – und macht den Titel empfindlich für jede Form von „Bad News“.

Auch auf der Gegenseite ist der Markt aktiv: Das Short Interest liegt derzeit bei rund 12,5 Prozent. Das zeigt, dass professionelle Leerverkäufer mit Rücksetzern rechnen. In einem Umfeld, das ohnehin an frühere Tech-Blasen erinnert, können operative Verzögerungen schnell zum Auslöser für Gewinnmitnahmen und gezielte Wetten auf fallende Kurse werden.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Kursreaktion zum Wochenschluss folgerichtig: Während der Nasdaq Composite am Freitag zulegte, verlor die Rigetti-Aktie gegen den Trend 2,10 Prozent und schloss bei 24,72 US‑Dollar. Nach der vorangegangenen Rallye bleibt der Titel damit zwar im Plus, steht kurzfristig aber klar unter Druck.

Q1 2026 als Bewährungsprobe

Der Blick der Anleger richtet sich nun fast vollständig auf die Umsetzung bis Ende März 2026. Das Management steht unter Zugzwang, den neuen Termin für die allgemeine Verfügbarkeit von „Cepheus-1-108Q“ einzuhalten. Eine weitere Verschiebung würde Fragen zur Skalierbarkeit der Technologie deutlich verstärken und könnte der Vertrauensbasis nachhaltig schaden.

Kurzfristig ist mit einer erhöhten Schwankungsbreite zu rechnen. Aus technischer Sicht ist entscheidend, ob der Bereich um 24 bis 25 US‑Dollar verteidigt werden kann, nachdem der Kurs bereits deutlich vom 52‑Wochen-Hoch um knapp die Hälfte zurückgekommen ist und aktuell rund 10 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt liegt.

Für die nächsten Monate lässt sich das Bild klar skizzieren: Gelingt es Rigetti, beim 108‑Qubit-Prozessor die angestrebte Fidelity von 99,5 Prozent zu erreichen und das System wie angekündigt bis Ende des ersten Quartals 2026 in den Markt zu bringen, stützt das die ambitionierte Bewertung. Bleibt der Durchbruch aus oder kommt es zu weiteren Verzögerungen, dürfte der Druck auf die Aktie deutlich zunehmen.

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