Rheinmetall Aktie: Geschickter Strategiewechsel!
Rheinmetall schärft zum Jahreswechsel sein Profil: Der Konzern zieht sich konsequent aus dem zivilen Geschäft zurück, baut den Verteidigungsbereich aus und sichert sich zugleich milliardenschwere Aufträge. Im Zentrum steht ein Großdeal mit der Bundeswehr, flankiert von einer deutlichen Prognoseanhebung für 2025. Wie robust ist dieses neue Setup?
Am Freitag schloss die Aktie bei 1.587,50 Euro, nach einem Wochenminus von über 13 Prozent – trotz eines Kursanstiegs von rund 163 Prozent auf Jahressicht. Der Titel bleibt damit hoch bewertet, aber klar vom 52‑Wochen-Hoch bei 1.995 Euro entfernt.
Puma-Auftrag als Eckpfeiler
Kurz vor Jahresende hat Rheinmetall gemeinsam mit KNDS Deutschland einen der größten Bundeswehr-Aufträge der vergangenen Jahre erhalten. Die Bundeswehr bestellt 200 zusätzliche Puma-Schützenpanzer, woraus für Rheinmetall ein Auftragsanteil von 2,1 Milliarden Euro resultiert. Die Auslieferung der ersten Fahrzeuge ist für Mitte 2028 vorgesehen.
Der Vertrag ist eine Erweiterung eines bestehenden Rahmenvertrags aus dem Jahr 2023. Damals wurden zunächst 50 Fahrzeuge beauftragt. Für Mitte 2026 ist bereits die nächste Anpassung geplant: Der sogenannte S2-Bauzustand soll zusätzliche Fähigkeiten – etwa im Bereich Drohnenabwehr – integrieren und den Puma technologisch weiter aufrüsten.
Der Großauftrag stärkt die Visibilität der künftigen Umsätze und unterstreicht die Stellung des Konzerns als zentraler Ausrüster der Bundeswehr in schweren Landplattformen.
Zivilsparte wird abgestoßen
Parallel stellt das Management die Konzernstruktur neu auf. Im Dezember 2025 wurde der Verkaufsprozess für die zivile Sparte Power Systems offiziell gestartet. Damit bündelt Rheinmetall seine Ressourcen künftig vollständig auf das Verteidigungsgeschäft.
Die Eckpunkte des Verkaufsprozesses:
- Verhandlungen mit zwei Bietern sind im Gange
- Vertragsabschluss wird im ersten Quartal 2026 angestrebt
- Einmalige Wertminderung von 350 Millionen Euro verbucht
- Keine Auswirkungen auf Liquidität oder operatives Ergebnis
Die bereits laufende Umwidmung einzelner Zivilstandorte für Verteidigungsanwendungen wird fortgesetzt. Strategisch entsteht damit ein fokussierter Rüstungskonzern, der operative Komplexität abbaut und die Kapitalallokation stärker auf Verteidigungsprogramme ausrichtet.
Prognose 2025 deutlich angehoben
Mit dem strategischen Umbau verknüpft Rheinmetall eine spürbare Anhebung der Jahresprognose 2025. Für das fortgeführte Geschäft – also ohne Power Systems – werden seit dem vierten Quartal neue Zielkorridore ausgewiesen:
- Umsatzwachstum: 30–35 % (zuvor 25–30 %)
- Operative Marge: 18,5–19,0 % (zuvor 15,5 %)
- Free Cash Flow: Klar über der bislang unterstellten Cash-Conversion-Rate von 40 %
Die höheren Margenerwartungen spiegeln den Fokus auf das margenstärkere Verteidigungsgeschäft und eine gut gefüllte Auftragslage wider. Gleichzeitig unterstreicht die avisierte Cash-Verbesserung, dass nicht nur Wachstum, sondern auch Mittelrückfluss an Priorität gewinnt.
Auftragsflut zum Jahresende 2025
Nach Verzögerungen im Zuge der Bundestagswahl im Februar 2025 und der anschließenden Regierungsbildung unter Kanzler Merz im Mai 2025 hat die Vergabe neuer Rüstungsaufträge im vierten Quartal deutlich Fahrt aufgenommen. CEO Armin Papperger stellt für das erste Halbjahr 2026 weitere Großaufträge in Aussicht. Besonders im Munitionsbereich steht ein Vertragsabschluss im zweistelligen Milliardenbereich bevor.
Die jüngsten Deals zeigen die Breite der Nachfrage:
- HERO Loitering Munitions: Mehrere hundert Systeme für NATO-Kunden, Auftragswert im niedrigen dreistelligen Millionenbereich (November 2025)
- Panzermunition: Rahmenauftrag über mehrere hundert Millionen Euro für 120mm-Munition an die Bundeswehr (Dezember 2025)
- Laser-Light-Module: Großauftrag über mehrere hundert Millionen Euro für die Bundeswehr – der größte Auftrag in der Geschichte von Rheinmetall Soldier Electronics (Dezember 2025)
- RCH155 Radhaubitze: Lieferung von Waffensystemen und Elektronik für 84 Systeme im Rahmen eines 1,2‑Milliarden-Euro-Auftrags (Dezember 2025)
Diese Vertragswelle untermauert die Rolle des Konzerns als wichtiger Partner westlicher Streitkräfte – von Munition über Sensorik bis hin zu Artilleriesystemen.
Marktumfeld und Bewertung
Trotz der jüngsten Korrektur liegt der Kurs nur knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von rund 1.602 Euro und etwa 6 Prozent unter dem 200‑Tage-Durchschnitt. Der 14‑Tage-RSI von 83,7 signalisiert allerdings ein technisch überkauftes Niveau. Gleichzeitig markiert die Volatilität von knapp 77 Prozent (annualisiert, 30 Tage) ein deutlich bewegtes Handelsumfeld.
Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, der Abstand zum 52‑Wochen-Tief beträgt gut 163 Prozent. Fundamental stützt die Kombination aus gesteigerter Prognose, hoher Auftragsdichte und klarer Ausrichtung auf Verteidigung diese Entwicklung – Kursschwankungen bleiben bei dieser Ausgangslage aber naheliegend.
Neuer Wettbewerber KNDS
Mit KNDS drängt 2026 ein weiterer großer europäischer Rüstungskonzern an die Börse. Der Hersteller des Leopard 2 plant ein Dual-Listing in Frankfurt und Paris. Hintergrund ist das stark gewachsene Investoreninteresse an Rüstungswerten seit Beginn des Ukraine-Kriegs; die Marktkapitalisierung der Branche hat sich in Europa deutlich erhöht.
KNDS will dieses Umfeld nutzen, um Wachstum und Projekte im Land- und Artilleriebereich zu finanzieren. Für Rheinmetall bedeutet das mittelfristig einen sichtbarer werdenden Wettbewerber im Kapitalmarkt, gleichzeitig könnte ein börsennotierter Peer zusätzliche Vergleichsmaßstäbe für Bewertung und Margen liefern.
Fazit: Klarer Kurs, hohes Tempo
Rheinmetall geht mit einem klaren Profil ins Jahr 2026: Der Konzern wird zum reinen Verteidigungsplayer, gestützt von einem dicken Auftragsbuch und einer spürbar angehobenen Prognose. Der Puma-Großauftrag, mehrere Munitions- und Elektronikdeals im dreistelligen Millionenbereich und die Aussicht auf weitere Milliardenverträge geben dem Wachstum Rückenwind.
Kurzfristig trifft dieses dynamische Fundament auf eine stark gelaufene, technisch überkaufte Aktie. Entscheidend für die nächsten Monate wird sein, dass der Konzern die ambitionierten Wachstums- und Margenziele aus der neuen Prognose erfüllt und die angekündigten Großaufträge im ersten Halbjahr 2026 tatsächlich in unterschriebene Verträge überführt.
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