Renk, Merck & DHL: Wenn Rekorde die Börse kalt lassen
Liebe Leserinnen und Leser,
Rekordumsatz, volles Auftragsbuch, Prognose erfüllt – und trotzdem fällt die Aktie. Was nach einem Widerspruch klingt, ist am deutschen Aktienmarkt heute Realität. Während der Rüstungszulieferer Renk mit Bestmarken aufwartet, reagieren Anleger verhalten bis enttäuscht. Gleichzeitig kämpft der DAX weiter mit den Nachwehen des Iran-Kriegs, der die Energiepreise erneut nach oben treibt und die Nervosität an den Märkten hochhält. Drei Unternehmen stehen heute exemplarisch für die Zerrissenheit der Märkte – und zeigen, warum selbst gute Nachrichten derzeit nicht ausreichen.
Während deutsche Traditionskonzerne mit volatilen Kursen kämpfen, identifizieren Experten bereits die Gewinner der nächsten Jahre. Dieser kostenlose Report enthüllt drei deutsche Qualitätsaktien aus Schlüsselindustrien, die jetzt vor dem Durchbruch stehen könnten. Kaufalarm: 3 deutsche Konzerne am perfekten Einstiegspunkt
Renk: Rekorde ohne Begeisterung
Der Augsburger Getriebehersteller Renk hat 2025 abgeliefert: Der Umsatz kletterte um knapp ein Fünftel auf 1,37 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 21,7 Prozent auf 230 Millionen Euro zu. Die Marge verbesserte sich auf 16,9 Prozent, der Auftragsbestand erreichte mit 6,68 Milliarden Euro ein Allzeithoch. Und die Dividende? Steigt um 38 Prozent auf 0,58 Euro je Aktie.
Doch die Börse zuckt mit den Schultern. Die Renk-Aktie verlor zeitweise über vier Prozent, konnte das Minus später zwar halbieren, blieb aber im negativen Terrain. Der Grund: Der Ausblick für 2026 enttäuschte die Erwartungen. Analysten von Jefferies bemängelten, dass die Prognose am Mittelpunkt der sehr weit gefassten Zielspannen sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis etwas schwächer ausfalle als gedacht. JPMorgan verwies darauf, dass das Schlussquartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Und Berenberg hob hervor, dass Auftragsverzögerungen den freien Mittelzufluss belasten.
Für das laufende Jahr rechnet Renk mit einem Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Die Analystenschätzungen liegen bereits in der oberen Hälfte dieser Spanne – was bedeutet: Viel Luft nach oben bleibt nicht. Kein Wunder also, dass Anleger trotz Rekordauftragsbestand und Rüstungsboom skeptisch bleiben.
Merck: Verhaltener Ausblick trübt die Stimmung
Auch beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck dominiert die Vorsicht. Das Unternehmen erreichte seine Prognose für 2025, doch der Ausblick für 2026 fiel verhalten aus. Merck rechnet mit einem Umsatz zwischen 20,0 und 21,1 Milliarden Euro – was einem organischen Wachstum von rund minus ein bis plus zwei Prozent entspricht. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 5,5 und 6,0 Milliarden Euro liegen, was organisch einem Rückgang von vier Prozent bis zu einem Anstieg von einem Prozent gleichkommt.
Die Begründung: negative Wechselkurseffekte. Doch für Anleger klingt das nach Ausrede. Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel zeitweise sechs Prozent und notierte auch im Xetra-Handel deutlich im Minus. Analysten hatten zwar mit einem schwierigen Jahr gerechnet, doch die Bandbreite der Prognose und die Betonung von Währungsrisiken nähren Zweifel, ob Merck die eigenen Ziele erreichen kann.
DHL: Gewinnziel erreicht, Ausblick enttäuscht
Der Logistikriese DHL hat sein Gewinnziel für 2025 übertroffen – trotz eines leicht schwächeren vierten Quartals. Das operative Ergebnis (EBIT) stieg um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz wegen negativer Währungseffekte und rückläufiger Transportvolumina auf Routen in die USA um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro sank. Die EBIT-Marge kletterte um 40 Basispunkte auf 7,4 Prozent.
Doch auch hier dominiert die Vorsicht: Für 2026 stellt DHL lediglich ein EBIT von über 6,2 Milliarden Euro in Aussicht – ein verhaltener Ausblick, der die Aktie als größten DAX-Verlierer zeitweise um über fünf Prozent absacken ließ. Die Dividende soll zwar um fünf Cent auf 1,90 Euro steigen, doch das reicht Anlegern nicht, um die Unsicherheit über die weitere Geschäftsentwicklung zu kompensieren.
Die aktuelle Verunsicherung am deutschen Markt zeigt, wie wichtig eine krisenfeste Investmentstrategie zum Schutz vor Börsenturbulenzen ist. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, welche Anlageklasse in stürmischen Zeiten echte Stabilität in Ihr Depot bringt. Sicherer Hafen 2.0: Was institutionelle Anleger längst wissen
DAX zwischen Erholung und Rückschlag
Der DAX selbst startete mit einem Minus von 0,25 Prozent auf 24.145 Punkte in den Donnerstag. Nach einer kurzen Erholung am Vortag, die den Leitindex über die 24.000-Punkte-Marke zurückbefördert hatte, droht nun ein Rückschlag. Der Iran-Krieg zieht immer weitere Kreise: In der Nacht flogen die USA und Israel weitere Angriffe im Iran, Teheran griff erneut kurdische Gruppen im benachbarten Irak an, und das israelische Militär bombardierte weiter Ziele im Libanon. Eine Explosion an einem Tanker im Persischen Golf befeuerte die Sorgen um die Handelsschifffahrt neu – und trieb die Ölpreise wieder nach oben.
Laut Marktbeobachter Stephen Innes von SPI Asset Management liegt das Problem nicht im getroffenen Tanker selbst, sondern in der Erkenntnis, dass die Kriegshandlungen neben Militäranlagen nun offenbar auch den globalen Handel ins Visier nehmen. Die Folge: Anleger wechseln in den USA aus dem Bärenlager an die Seitenlinie, während deutsche Privatanleger verstärkt auf fallende Kurse setzen. Laut der wöchentlichen Sentiment-Umfrage der Deutschen Börse stieg der Bärenanteil um 14 Punkte auf 40 Prozent, während der Anteil der Neutralen um diese 14 Punkte auf nur noch 10 Prozent fiel.
Bundesbank mit erneutem Milliardenverlust
Auch die Bundesbank bleibt unter Druck: Sie hat 2025 einen Verlust von rund 8,6 Milliarden Euro gemacht – der zweithöchste Fehlbetrag in ihrer Geschichte. Verglichen mit dem Rekordminus von mehr als 19 Milliarden Euro im Jahr 2024 hat sich der Verlust zwar mehr als halbiert, doch eine Gewinnüberweisung an den Bund fällt im sechsten Jahr in Folge aus. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte, die Belastungen seien vorübergehend und künftige Jahresüberschüsse würden genutzt, um den aufgelaufenen Bilanzverlust von 27,8 Milliarden Euro abzubauen.
Die Ursache liegt in der Zinspolitik: Höhere Zinsen an den Finanzmärkten führten zu steigenden Zinsausgaben für Gelder, die Geschäftsbanken bei der Bundesbank parken. Gleichzeitig werfen viele Wertpapiere mit langer Laufzeit, die die Euro-Notenbanken im Rahmen ihrer Geldpolitik kauften, vergleichsweise niedrige Zinsen ab. Auch die EZB steht mit einem Minus von 1,25 Milliarden Euro für 2025 tief in den roten Zahlen.
Indexwechsel ohne DAX-Aufstieg für Lufthansa
In der zweiten und dritten deutschen Börsenreihe stehen zahlreiche Wechsel an: In den MDAX steigen der Motorenbauer Deutz, der Stahlkonzern Salzgitter und der Optikspezialist Jenoptik aus dem SDAX auf. Absteigen müssen dafür TeamViewer, Fielmann und Carl Zeiss Meditec. Die Fluggesellschaft Lufthansa, die mehr als 30 Jahre lang DAX-Mitglied war, hat die Rückkehr in den Leitindex erneut verpasst. Die Änderungen treten am 23. März in Kraft.
Heute zeigt sich: Selbst Rekorde reichen nicht, wenn der Ausblick enttäuscht. Renk, Merck und DHL liefern solide Zahlen ab – doch die Börse schaut nach vorn. Und dort dominieren Unsicherheit, Währungsrisiken und geopolitische Spannungen. Für Anleger bleibt die Devise: Vorsicht statt Euphorie.
Bis morgen – und bleiben Sie wachsam.
Ihr Andreas Sommer








