Redcare Pharmacy Aktie: Ernüchternde Entwicklung?
Redcare Pharmacy legt beeindruckende Wachstumszahlen vor, doch der Markt bleibt skeptisch. Während das verschreibungspflichtige Geschäft dank E-Rezept in Deutschland klar aufdreht, schwächelt ausgerechnet das margenstarke Nicht-Rezept-Segment im wichtigen Weihnachts- und Erkältungsquartal. Entscheidend ist nun, ob das Unternehmen die Balance zwischen Wachstum und Wettbewerb im Online-Apothekenmarkt halten kann.
Umsatz wächst – Erwartungen verfehlt
Redcare hatte am 7. Januar vorläufige Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vorgelegt. Auf den ersten Blick sind die Daten stark:
- Der Konzernumsatz stieg im Q4 2025 um 18 % auf 794 Mio. Euro (Vorjahr: 675 Mio. Euro).
- Im Gesamtjahr 2025 legten die Erlöse um 24 % auf 2,9 Mrd. Euro zu (2024: 2,4 Mrd. Euro).
Damit traf das Unternehmen seine Zielsetzung von „mehr als 25 % Umsatzwachstum“ im Wesentlichen, die im Oktober 2025 bekräftigt worden war.
Dennoch blieb der Q4-Umsatz rund 3 % unter den Markterwartungen von etwa 821 Mio. Euro. Genau dieser kleine, aber spürbare Abstand zum Konsens löste die negative Kursreaktion aus, zumal die Schwäche klar auf einen Kernbereich zurückzuführen ist.
Positiv: Die Kundenzahl wächst weiter. Die Zahl der aktiven Kunden stieg binnen Jahresfrist um 1,4 Mio. auf 13,9 Mio. Der Net Promoter Score, ein Maß für Kundenzufriedenheit und Weiterempfehlungsbereitschaft, verbesserte sich im Q4 auf 74 nach 72 im Vorquartal.
E-Rezept treibt das Rx-Geschäft
Klarer Lichtblick ist das verschreibungspflichtige Segment (Rx) in Deutschland. Hier zahlt sich die strategische Fokussierung auf das E-Rezept aus.
- Rx-Umsätze in Deutschland legten im Gesamtjahr 2025 um 98 % auf 503 Mio. Euro zu und übertrafen damit die unterjährige Prognose von „über 500 Mio. Euro“.
- Im Q4 allein stiegen die deutschen Rx-Umsätze um 60 % auf 155 Mio. Euro.
Diese Dynamik spiegelt die zunehmende Verbreitung des elektronischen Rezepts in Deutschland wider. Sie bestätigt zugleich, dass Redcare in diesem Segment gut positioniert ist.
Auch im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) zeigt sich die Stärke des Rezeptgeschäfts:
- Rx-Umsätze im DACH-Gebiet stiegen im Q4 um 34 % auf 311 Mio. Euro.
- Im Gesamtjahr erreichten sie 1 Mrd. Euro.
Damit bleibt der Rx-Bereich der zentrale Wachstumsmotor – und dürfte mittelfristig auch für eine höhere Profitabilität wichtig werden.
Non-Rx schwächelt im Saisonhoch
Deutlich kritischer fällt der Blick auf das nicht-verschreibungspflichtige Geschäft (Non-Rx) aus. Ausgerechnet in der typischen Hochsaison mit Erkältungs- und Grippewelle blieb die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.
- Non-Rx-Umsätze stiegen im Q4 nur um 9 % auf 483 Mio. Euro.
- Der Markt hatte hier mit Wachstumsraten im hohen Zehnerprozentbereich gerechnet.
Besonders im DACH-Raum war die Dynamik verhalten:
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- Non-Rx-Umsätze im DACH stiegen im Q4 um lediglich 5,8 % auf 344 Mio. Euro.
Etwas besser sah es im internationalen Geschäft (Belgien, Italien, Frankreich, Niederlande) aus:
- Hier wuchs der Non-Rx-Umsatz im Q4 um 17,9 % auf 138 Mio. Euro.
In Summe signalisiert das Non-Rx-Segment jedoch eine deutliche Abkühlung – und das in einem Quartal, das typischerweise von Saison-Effekten profitiert. Genau das sorgt bei Investoren für Enttäuschung, da Non-Rx-Produkte tendenziell attraktivere Margen bieten und ein wichtiger Hebel für die Ergebnisentwicklung sind.
Analysten reagieren – Kursziele runter, Kaufempfehlung bleibt
Die gemischten Zahlen blieben auf Analystenseite nicht ohne Folgen. mwb research senkte sein Kursziel von 144 auf 120 Euro, hielt aber an der Einschätzung „Buy“ fest. Begründet wurde der Schritt vor allem mit zunehmendem Wettbewerbsdruck im Non-Rx-Geschäft.
Ein wesentlicher Faktor: Die Drogeriekette dm ist seit Mitte Dezember 2025 im Online-Versand für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente aktiv. Dieser neue Player verschärft den Kampf um Marktanteile im lukrativen Non-Rx-Segment – insbesondere im deutschen Markt.
Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,43 Mrd. Euro. Die Aktie hatte nach der Zahlenvorlage zunächst deutlich nachgegeben; aktuell schloss das Papier am Freitag bei 66,45 Euro – rund 52 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 138,40 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich der Rückgang damit auf knapp die Hälfte des Börsenwerts, trotz eines Plus von knapp 6 % in den vergangenen 30 Tagen.
Wettbewerb und Margen im Fokus
Das schwächere Non-Rx-Wachstum wirft die Frage auf, wie sich die Wettbewerbslandschaft im europäischen Online-Apothekenmarkt weiterentwickelt. Redcare investiert parallel massiv in Effizienz:
- Ausbau der Logistikautomatisierung im Standort Pilsen
- Modernisierung und Automatisierung am Hauptstandort Sevenum
Analysten erwarten, dass diese Maßnahmen mittelfristig die Kostenbasis verbessern und damit die Profitabilität stützen. Die Zielspanne für die bereinigte EBITDA-Marge 2025 von 2 % bis 2,5 % wurde trotz der aktuellen Entwicklungen nicht geändert.
Wichtige Kennzahlen zur Profitabilität legt Redcare allerdings erst mit dem vollständigen Jahresabschluss vor. Der Geschäftsbericht mit den finalen Ergebnissen soll am 4. März 2026 veröffentlicht werden.
Ausblick: Wachstum ja, aber mit Gegenwind
Unterm Strich wächst Redcare weiterhin kräftig, vor allem dank des E-Rezepts im deutschen und DACH-Rx-Geschäft. Gleichzeitig macht die Verlangsamung im Non-Rx-Bereich deutlich, dass die Margenstory mehr Zeit brauchen könnte als bislang erhofft – zumal neue Wettbewerber wie dm Druck auf Preise und Marktanteile ausüben.
Bis zur Vorlage der vollständigen Jahreszahlen Anfang März steht im Mittelpunkt, ob Redcare die eigenen Margenziele bestätigen kann und welche Signale das Management zur weiteren Entwicklung im Non-Rx-Segment sendet. Genau daran dürfte sich entscheiden, ob der Markt die kräftige Korrektur der Aktie im vergangenen Jahr eher als Übertreibung oder als neue Realität für die Bewertung einordnet.
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