Paramount, Bitcoin & Lufthansa: Wenn 110 Milliarden Dollar Deals auf iranische Raketen treffen
Liebe Leserinnen und Leser,
110 Milliarden Dollar – so viel zahlt Paramount für Warner Bros. Discovery. Bitcoin fällt unter 64.000 Dollar. Und über dem Nahen Osten schließen sich die Lufträume. Drei Schlagzeilen, die auf den ersten Blick nichts verbinden. Doch wer genauer hinsieht, erkennt das Muster: Märkte reagieren nicht nur auf Quartalszahlen und Fusionen, sondern zunehmend auf geopolitische Schockwellen. Während Hollywood seine Zukunft neu ordnet, sortieren sich auch Anleger zwischen Risiko und Sicherheit – und die Grenzen verschwimmen.
Hollywood-Gigant entsteht: Paramount schluckt Warner Bros. Discovery
Der Deal ist durch. Paramount Skydance übernimmt Warner Bros. Discovery für 110 Milliarden Dollar Unternehmenswert – 81 Milliarden in bar für die ausstehenden Aktien, 31 Dollar pro Stück. Netflix hatte bis Donnerstag Zeit, das Gebot zu überbieten, zog sich aber zurück. Die Begründung: Finanziell nicht mehr attraktiv. Stattdessen kündigte der Streaming-Riese ein Aktienrückkaufprogramm an – und die Aktie sprang am Freitag um knapp 14 Prozent nach oben.
Was bedeutet das konkret? Paramount, bisher einer der kleineren Player in Hollywood, wächst mit einem Schlag zu einem Schwergewicht heran. Warner bringt das DC-Universum mit Superman und Batman, die Harry-Potter-Franchise und ein starkes Streaming-Geschäft auf HBO-Basis mit. Paramount verspricht Synergien von über 6 Milliarden Dollar durch Technologie-Integration und Kosteneinsparungen. Doch der Preis ist hoch: Eine Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar an Netflix übernimmt Paramount, sollte der Deal scheitern. Und scheitern könnte er noch – Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta warnt bereits vor kartellrechtlichen Prüfungen.
Für deutsche Anleger interessant: Die Finanzierung steht. 47 Milliarden Dollar Eigenkapital kommen von der Ellison-Familie und RedBird Capital, 54 Milliarden Dollar Fremdkapital stellen Bank of America, Citigroup und Apollo bereit. Der Deal soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden – sofern Aktionäre und Wettbewerbshüter zustimmen. Ein Risiko bleibt: Die Nähe der Ellisons zu Donald Trump könnte CNN, das oft kritisch über den Präsidenten berichtet, unter politischen Druck setzen.
Bitcoin unter 64.000 Dollar: Geopolitik schlägt Fundamentaldaten
Während in Hollywood Milliarden fließen, verliert Bitcoin an Boden. Am Samstag fiel die Kryptowährung unter 64.000 Dollar, nachdem Israel und die USA Ziele im Iran angriffen. Der fünfte Monat in Folge mit Verlusten – ein klares Signal: Bitcoin wird zunehmend wie ein Risiko-Asset gehandelt, nicht mehr als sicherer Hafen.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Februar verlor Bitcoin etwa 17 Prozent, seit dem Allzeithoch von 125.000 Dollar im Oktober 2025 sind es zeitweise fast 50 Prozent gewesen. Ethereum rutschte um 8,4 Prozent auf 1.863 Dollar, Solana verliert im Monat rund 23 Prozent. Selbst Stablecoins wie Tether und USD Coin, die eigentlich Stabilität versprechen, kommen nicht aus der Defensive. Der Grund: Anleger fliehen aus spekulativen Assets – und Bitcoin zählt dazu.
Interessant wird es bei Gold. Während Bitcoin abstürzt, könnte das gelbe Metall profitieren. Die asiatischen Märkte öffnen am Sonntagabend – dann zeigt sich, ob Investoren massiv in den klassischen Krisengewinner umschichten. Analysten erwarten einen Gap-up beim Gold-Preis, möglicherweise sogar neue Rekorde. Die Logik dahinter: Was bei Bitcoin als „Satoshis Geschenk an die Gläubigen" (Michael Saylor) gilt – nämlich Volatilität –, wird in Krisenzeiten zur Belastung. Gold dagegen bleibt berechenbar.
Lufträume geschlossen: Airline-Aktien unter Druck
Israel, Iran, Irak, Jordanien – die Lufträume sind dicht. Nach den Angriffen von Israel und den USA auf iranische Ziele suspendieren Lufthansa, Wizz Air, Air France und Iberia ihre Flüge in die Region. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate schließen ihren Luftraum „teilweise und temporär". Für Airlines bedeutet das: längere Flugrouten, höherer Treibstoffverbrauch, Stornierungen.
Die Auswirkungen sind konkret: Qatar Airways ließ mehrere Flüge über Kuwait und Saudi-Arabien kreisen, bevor sie nach Doha zurückkehrten. Russland stoppte alle Flüge nach Iran und Israel. KLM zog die Aussetzung der Tel-Aviv-Verbindung vor, Virgin Atlantic meidet den irakischen Luftraum komplett. Das Problem: Mit russischem und ukrainischem Luftraum bereits gesperrt, wird der Nahe Osten zur kritischen Transitzone zwischen Europa und Asien. Jede weitere Eskalation verteuert den Flugverkehr massiv.
Für deutsche Anleger mit Lufthansa-Aktien im Depot heißt das: kurzfristige Belastungen sind wahrscheinlich. Die Aktie könnte am Montag unter Druck geraten, besonders wenn sich die Lage nicht entspannt. Langfristig bleibt die Frage: Wie oft können Airlines solche Schocks wegstecken, bevor die Profitabilität dauerhaft leidet?
Nvidia setzt auf Groq-Technologie: Der nächste Schritt im KI-Rennen
Während Märkte wackeln, plant Nvidia den nächsten Zug. Auf der GTC-Konferenz im März will der Chip-Gigant einen dedizierten Inferenz-Prozessor vorstellen – basierend auf Groq-Architektur. Das Ziel: den „Bottleneck" beim AI-Decoding lösen. Bisher dominiert Nvidia mit über 90 Prozent Marktanteil bei GPUs für KI-Training. Doch Kunden wollen nicht nur Modelle bauen, sondern effizient betreiben. Genau hier setzt Nvidia an.
OpenAI wird Lead-Kunde für den neuen Prozessor – ein wichtiger Coup. Sam Altmans Firma hatte zuletzt mit Amazon und Cerebras geliebäugelt, kehrt nun aber zu Nvidia zurück. Der Grund: ein 30-Milliarden-Dollar-Investment von Nvidia in „dedizierte Inferenz-Kapazität". Doch die Konkurrenz schläft nicht. Anthropic setzt weiter auf Amazons Trainium- und Googles TPU-Chips. Und Meta nutzt neuerdings Nvidias CPUs für Ad-Targeting-Agenten – ein Zeichen, dass Nvidia über reine GPUs hinausdenkt.
Für deutsche Tech-Investoren bedeutet das: Nvidia diversifiziert geschickt, um seine Dominanz zu sichern. Die Aktie könnte von der Ankündigung profitieren, wenn die Märkte sich beruhigen. Doch ein Risiko bleibt: Falls Amazon oder Google ihre eigenen Chips schneller skalieren, könnte Nvidias Vorsprung schrumpfen.
Stablecoins als Staatsfinanzierer? Treasury-Auktionen im Fokus
Eine überraschende Entwicklung am Rande: Stablecoin-Emittenten könnten bald zu den größten Käufern von US-Staatsanleihen werden. Standard Chartered prognostiziert, dass die Stablecoin-Marktkapitalisierung bis Ende 2028 auf 2 Billionen Dollar steigt – und bis zu 1 Billion Dollar frische Nachfrage nach T-Bills generiert. Kombiniert mit Fed-Maßnahmen könnten 2,2 Billionen Dollar an neuer Nachfrage entstehen.
Das Problem: Das US-Finanzministerium plant nur 1,3 Billionen Dollar neue T-Bills. Analysten warnen, dass T-Bills „zu knapp" werden könnten. Die Lösung? Finanzminister Scott Bessent könnte den Anteil von T-Bills am Gesamtschuldenportfolio erhöhen – von derzeit 21,7 auf 24,2 Prozent. Das würde ausreichen, um alle 30-jährigen Staatsanleihen-Auktionen für drei Jahre auszusetzen.
Für Anleger bedeutet das: Die Zinskurve könnte sich „bull flattening" entwickeln – kurze Laufzeiten bleiben stabil, lange Laufzeiten fallen. Wer in Anleihen investiert, sollte diese Dynamik im Auge behalten. Und wer in Krypto aktiv ist, sieht hier einen weiteren Beweis: Digitale Assets beeinflussen zunehmend traditionelle Finanzmärkte.
Ausblick: Zwischen Bilanzsaison und Eskalation
Die kommende Woche bringt weitere Quartalszahlen: Am 2. März berichten Plug Power und BigBear.ai, am 3. März folgt CrowdStrike, am 4. März Broadcom. Besonders Broadcom dürfte spannend werden – der Chip-Designer profitiert ebenfalls vom KI-Boom, steht aber im Schatten von Nvidia. Parallel bleibt die Lage im Nahen Osten volatil. Israel erwartet einen iranischen Gegenschlag, die Lufträume bleiben vorerst geschlossen.
Für deutsche Anleger heißt das: Montag wird unruhig. Wer in Airlines, Rüstungsaktien oder Krypto investiert ist, sollte Volatilität einplanen. Wer langfristig denkt, findet möglicherweise Einstiegschancen – aber nur, wenn die geopolitische Lage sich nicht weiter verschärft. Und eine Erkenntnis bleibt: In Zeiten wie diesen zählt nicht nur, was Unternehmen verdienen, sondern auch, wo auf der Welt gerade Raketen fliegen.
Bis Montag – und bleiben Sie wachsam,
Andreas Sommer








