Orsted erlebt kurz vor Weihnachten einen deutlichen Rückschlag in den USA und gleichzeitig einen spürbaren Fortschritt bei der Kapitalstrategie in Asien. Ein unerwarteter 90-tägiger Baustopp für zentrale US-Offshore-Projekte löst starke Kursverluste aus, während ein Teilverkauf in Taiwan Milliarden in die Kasse bringt. Wie stark kann der positive Effekt aus Asien die Belastungen in den USA abfedern?

Gemischte Nachrichtenlage

Gestern schloss die Aktie in Kopenhagen bei 117,20 DKK, ein Tagesverlust von 12,67 %. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf rund 65 %. Auslöser ist eine Verfügung der US-Behörden, die Arbeiten an mehreren Offshore-Windprojekten vorübergehend stoppt.

Fast untergegangen ist dabei eine positive Meldung: Heute früh meldete Orsted den erfolgreichen Teilverkauf eines taiwanesischen Offshore-Windparks mit einem Mittelzufluss von rund 5 Mrd. DKK.

Wesentliche Punkte im Überblick:

  • 90-tägige Aussetzung von Leasing-Verträgen für US-Offshore-Projekte
  • Betroffen: Revolution Wind und Sunrise Wind an der US-Ostküste
  • Geschätzter Verzögerungsschaden bei Revolution Wind: bis zu 325 Mio. USD
  • Taiwan-Deal bringt ca. 5 Mrd. DKK und stützt das Farm-down-Programm
  • Aktie gestern über 12 % im Minus, Jahresverlust rund 65 %

US-Stopp belastet zentrale Projekte

Das US-Innenministerium und das Verteidigungsministerium haben am 23. Dezember die Leasing-Verträge für fünf große Offshore-Windprojekte für 90 Tage ausgesetzt. Zur Begründung nennen die Behörden nationale Sicherheitsbedenken, unter anderem mögliche Radarstörungen und Risiken durch Drohnenschwärme.

Für Orsted sind insbesondere zwei Projekte betroffen:

  • Revolution Wind (Rhode Island/Connecticut)
  • Sunrise Wind (New York)

Besonders kritisch ist die Lage bei Revolution Wind. Das Projekt soll laut Berichten bereits zu über 80 % fertiggestellt sein und im Januar 2026 in Betrieb gehen. Experten schätzen die Kosten des Baustopps auf etwa 25 Mio. USD pro Woche. Zieht sich die Suspendierung über die vollen 90 Tage, ergibt sich ein Verzögerungsschaden von rund 325 Mio. USD.

Neben Orsted sind auch Projekte von Dominion Energy und Equinor von der Maßnahme betroffen. Aufgrund der starken US-Exponierung trifft der Schritt den dänischen Konzern jedoch besonders deutlich.

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Taiwan-Transaktion stärkt Bilanz

Dem politischen Rückschlag in den USA steht ein strategisch wichtiger Schritt in Asien gegenüber. Orsted verkauft 55 % seiner Anteile am taiwanesischen Offshore-Windpark Greater Changhua 2 an Cathay Life Insurance.

Die Eckdaten des Deals:

  • Volumen: rund 5 Mrd. DKK (etwa 670 Mio. EUR)
  • Umfang: umfasst den in Betrieb befindlichen Teil 2a (295 MW) sowie den im Bau befindlichen Teil 2b (337 MW)
  • Zeitplan: Inbetriebnahme von Teil 2b ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen

Mit dieser Transaktion steigen die Erlöse aus dem Farm-down-Programm im laufenden Jahr auf etwa 33 Mrd. DKK. Das Ziel, bis 2026 insgesamt mehr als 35 Mrd. DKK zu erzielen, rückt damit in unmittelbare Nähe. Der Deal unterstreicht, dass der asiatische Offshore-Markt, etwa mit neuen Großaufträgen in Südkorea, weiter als Wachstumstreiber fungiert.

Bewertung und Marktumfeld

Der Rückgang auf 117,20 DKK markiert einen neuen Tiefpunkt in einer bereits schwachen Phase. Marktbeobachter werten den US-Baustopp als erheblichen Eingriff in die Planbarkeit von Projekten im amerikanischen Markt. Dass Maßnahmen auch Projekte treffen, die kurz vor der Fertigstellung stehen, belastet das Vertrauen in die regulatorische Verlässlichkeit.

Dennoch bleiben einige Häuser konstruktiv. Morningstar sieht den fairen Wert trotz der jüngsten Entwicklungen bei 170 DKK. In einem negativen Szenario mit vollständigem Abbruch der US-Projekte könnte dieser Wert nach Einschätzung der Analysten auf 146 DKK sinken – und würde damit weiterhin klar über dem aktuellen Kursniveau liegen. AlphaValue/Baader Europe hat die Aktie am 23. Dezember auf „Buy“ hochgestuft und signalisiert damit, dass die starke Kursreaktion aus dieser Perspektive als überzogen gilt.

Im Sektor gab es ebenfalls Verluste, wenn auch deutlich moderater: Vestas lag bei rund -2,7 %, Dominion Energy bei -3,7 %. Orsted reagierte wegen der hohen Abhängigkeit von den US-Offshore-Projekten deutlich sensibler. Parallel zeigt der Blick nach Asien mit laufender Projektpipeline, etwa in Südkorea und Taiwan, eine weiterhin robuste Nachfragebasis für Offshore-Windkapazitäten.

Ausblick auf 2026

Die kommenden Monate werden maßgeblich davon bestimmt, wie die US-Behörden ihre 90-tägige Suspendierung ausgestalten. Entscheidend ist, ob technische Lösungen akzeptiert werden und die Projekte wie geplant fortgeführt werden können oder ob sich der Stillstand verlängert und in einzelne Projektabbrüche mündet.

Wichtige Faktoren für die nächsten Monate:

  • Ergebnis und Zeitplan der laufenden US-Überprüfung der Offshore-Leases
  • Konkrete Kostenentwicklung des Baustopps, insbesondere bei Revolution Wind
  • Fortschritt bei der Umsetzung des Farm-down-Programms und weiterer Asset-Verkäufe

Orsted steht damit vor der Aufgabe, die finanziellen Auswirkungen der Verzögerungen in den USA zu managen, während die Mittelzuflüsse aus Taiwan und anderen Veräußerungen die Bilanz spürbar entlasten und zusätzlichen Spielraum für die weitere Projektentwicklung eröffnen.

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