Oracle setzt im Cloud- und KI-Geschäft auf Angriff – und liefert nun mit dem TikTok-Deal ein prominentes Beispiel dafür. Während der Konzern Milliarden in neue Rechenzentren steckt, ist die Aktie zuletzt deutlich unter Druck geraten. Entscheidend ist nun: Reicht das neue Großmandat, um die Sorgen über Kosten, Schulden und Cashflow zu dämpfen?

TikTok-Deal als strategischer Meilenstein

Am Freitag hat Oracle bestätigt, dass das Unternehmen eine zentrale Rolle in der neu geschaffenen US-Gesellschaft von TikTok übernimmt. Die lang verhandelte Struktur für die US-Aktivitäten der Plattform wurde finalisiert.

Oracle gehört dabei zu den Kerninvestoren der mehrheitlich US-eigenen Einheit – gemeinsam mit dem Investmentvehikel von Michael Dell, der Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake und Abu Dhabis MGX. Noch wichtiger als das Kapital ist aber die operative Rolle:

  • Alle US-Nutzerdaten von TikTok sollen in der Oracle-Cloud liegen.
  • Oracle wird „Trusted Security Partner“ und überwacht auch den sensiblen Empfehlungsalgorithmus.

Für die Cloud-Sparte OCI ist das ein Prestigeerfolg. TikTok bringt enorme Datenmengen und eine hohe, langfristige Auslastung der Infrastruktur – genau das, wofür Oracle seine Kapazitäten massiv ausbaut.

Kursdruck trotz Großauftrag

Trotz dieses strategischen Erfolgs steht die Aktie unter spürbarem Verkaufsdruck. Der Titel beendete die Woche bei 165,90 Euro und liegt damit rund 13 % unter dem Niveau vor sieben Tagen. Seit dem Herbst 2025 summiert sich das Minus laut einer Analyse vom 24. Januar auf etwa 37 %.

Mehrere Faktoren belasten das Sentiment:

  • Vorsichtige Aussagen zu den Q2-Zahlen hatten die Erwartungen gedämpft.
  • Die anfängliche Begeisterung der Anleger für Oracles KI-Strategie hat nachgelassen.
  • Analysten reagierten mit gesenkten Kurszielen.
  • Zudem wurde bekannt, dass Mitsubishi UFJ Trust & Banking im dritten Quartal 2025 seine Position reduziert hat.

In der Folge ist die Bewertung deutlich zurückgekommen. Der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 280,70 Euro beträgt aktuell rund 41 %, während der Kurs immer noch klar über dem Tief von 111,42 Euro liegt.

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KI-Ausbau frisst Cashflow

Parallel zum TikTok-Abschluss rückt eine andere Zahl in den Vordergrund: Oracle plant für das Geschäftsjahr 2026 Investitionen von rund 50 Milliarden US-Dollar in KI-Rechenzentren. Diese Dimension sorgt für Nervosität.

Um das Programm zu finanzieren, bereitet der Konzern eine große Anleihe-Emission vor. Die Folge:

  • Der operative Cashflow, eigentlich eine Stärke von Oracle, wird stark in Sachinvestitionen gebunden.
  • Die Verschuldung dürfte deutlich ansteigen.
  • Der freie Cashflow könnte vorübergehend spürbar unter Druck geraten.

Marktbeobachter sehen darin einen klassischen Zielkonflikt: Oracle versucht, sich mit massiven Vorleistungen im KI- und Cloud-Rennen zu positionieren, gleichzeitig verschlechtern sich aus Sicht vieler Investoren kurzfristig die Finanzkennzahlen. Genau dieser Spagat hat laut der Analyse vom 24. Januar bereits zu einem kräftigen Rückgang des Bewertungsmultiples geführt.

Bedeutung des Deals für die Strategie

Vor diesem Hintergrund ist der TikTok-Vertrag mehr als nur ein weiterer Kunde. Er liefert einen praktischen Beweis dafür, dass Oracles massiver Infrastrukturausbau tatsächlich große, kritische Workloads anzieht.

Die Partnerschaft

  • stützt die Argumentation des Managements, dass sich hohe Vorabinvestitionen in Cloud-Kapazitäten auszahlen können,
  • verschafft OCI ein prominentes Referenzprojekt im Wettbewerb mit Hyperscalern wie AWS und Azure,
  • und untermauert die Positionierung von Oracle als Anbieter für sicherheitskritische Daten- und KI-Anwendungen.

Kurzfristig ändert das jedoch nichts daran, dass der Markt die hohen KI-Ausgaben und die geplante Schuldenaufnahme stärker gewichtet als den strategischen Zugewinn. Die jüngste Kursentwicklung zeigt, dass viele Anleger zunächst Klarheit über Ertrag, Margenpfad und Cashflow sehen wollen.

Nächster Wendepunkt: Q3-Zahlen im März

Der nächste konkrete Test folgt mit den Ergebnissen für das dritte Geschäftsquartal, die um den 9. März 2026 erwartet werden. Dann dürfte das Management erstmals ausführlicher zur erwarteten Umsatzwirkung der TikTok-Partnerschaft Stellung nehmen und den Zeitplan für die KI-Investitionen weiter präzisieren.

Besonders im Fokus stehen werden Details zur geplanten Schuldenfinanzierung, zur Belastung von Bilanz und Zinsaufwand sowie zum Verlauf des freien Cashflows. Davon hängt wesentlich ab, ob der Markt Oracles aktuelle Phase als vorübergehenden Investitionszyklus akzeptiert – oder die Bewertungsabschläge weiter zunimmt.

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