Oracle steckt mitten in einer teuren Infrastruktur-Offensive. Während der Markt über die Folgen der massiven Investitionen diskutiert, nutzen große Adressen die Schwächephase für Zukäufe. Die zentrale Frage: Wie gut passt die aggressive Ausbau-Strategie zu den aktuellen Belastungen bei Cashflow und Bewertung?

Große Investoren greifen zu – mit wenigen Ausnahmen

Zu Jahresbeginn zeigen neue Meldungen deutliche Verschiebungen in institutionellen Portfolios. Besonders deutlich aufgestockt hat das Pensionssystem des US-Bundesstaats Virginia: Die Virginia Retirement Systems erhöhten ihre Beteiligung im dritten Quartal um 36,4 % auf 212.900 Aktien im Wert von rund 59,9 Millionen US‑Dollar.

Noch offensiver agierte Segment Wealth Management LLC. Das Haus schraubte seine Position um 216,5 % nach oben und hält nun 9.195 Aktien. Generate Investment Management Ltd baute seinen Bestand um 20,8 % aus, Diversified Trust Co erhöhte um 26,9 %.

Ganz einheitlich ist das Bild allerdings nicht. Calamos Advisors LLC reduzierte seinen Bestand leicht um 2,1 % und trennte sich von 13.731 Aktien, hält aber weiterhin ein Paket im Wert von mehr als 181 Millionen US‑Dollar. Great Diamond Partners LLC kürzte sein Engagement um 11,6 %. Insgesamt dominieren damit Zukäufe, doch es gibt klar auch vorsichtige Stimmen im Asset-Management-Lager.

CapEx-Offensive belastet Cashflow

Der Konflikt zwischen robusten Käufen großer Investoren und dem gedrückten Kursverlauf hat vor allem einen Ursprung: Oracles extrem ambitionierte Investitionspläne. Nach den Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, die im Dezember 2025 vorgelegt wurden, hob das Management die CapEx-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 50 Milliarden US‑Dollar an.

Der Schwerpunkt der Ausgaben liegt auf dem Ausbau KI-fähiger Infrastruktur und Rechenzentren. Diese Offensive hinterlässt deutliche Spuren im Zahlenwerk: Die ausgewiesenen freien Cashflows liegen aktuell im negativen Bereich, zwischen minus 10 und minus 13 Milliarden US‑Dollar. Zusätzlich werden Abhängigkeiten von ausgewählten KI-Partnern wie OpenAI von Marktbeobachtern, etwa Monachil Capital Partners, als Risikofaktor hervorgehoben.

Die Folge: Der Markt ringt darum, wie stark kurzfristige Cashflow-Belastungen und steigende Verschuldung die Bilanz strapazieren – und ob die Investitionen langfristig den erhofften Ertrag bringen.

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Fundamentale Entwicklung und Analystensicht

Operativ liefert Oracle trotz der hohen Ausgaben Wachstum. Im jüngsten Quartal (Q2 GJ 2026) übertraf der Konzern die Erwartungen klar: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,26 US‑Dollar, deutlich über dem Konsens von 1,64 US‑Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 14,2 % auf 16,06 Milliarden US‑Dollar.

Auf Analystenseite überwiegt trotz der Kurskorrektur ein positiver Grundton. Das aktuelle Konsensrating liegt bei „Moderate Buy“. Das durchschnittliche Kursziel von 307,72 US‑Dollar signalisiert ausgehend vom derzeitigen Kursniveau ein Aufwärtspotenzial von mehr als 50 %. Zacks Research hat seine Schätzungen ebenfalls angepasst und die Prognose für den Gewinn je Aktie im dritten Quartal 2027 auf 1,63 US‑Dollar angehoben.

Einige zentrale Kennzahlen unterstreichen das Bild eines wachstumsstarken, aber hoch bewerteten Titels:

  • Marktkapitalisierung: rund 560,1 Mrd. US‑Dollar
  • KGV: 36,63
  • Quartalsdividende: 0,50 US‑Dollar (2,00 US‑Dollar p.a., Rendite knapp 1 %)
  • Insideraktivität: 146.346 Aktien in den letzten 90 Tagen verkauft (rund 39,1 Mio. US‑Dollar)

Auffällig ist dabei der deutliche Insiderverkauf, der einen Kontrapunkt zu den Käufen institutioneller Anleger setzt.

Technische Lage und Marktrisiko

Technisch hat die Aktie in den vergangenen Monaten deutlich Boden verloren und notiert klar unter ihrem 52‑Wochen-Hoch. Gestern schloss der Titel bei 194,91 US‑Dollar und liegt damit rund 30 % unter dem Hoch, während er sich noch deutlich über dem Jahrestief bewegt.

Zusätzlichen Druck brachte Mitte Dezember der Ausstieg von Blue Owl Capital aus einer geplanten 10‑Milliarden‑Finanzierung für ein Rechenzentrum in Michigan. Am Kreditmarkt zeigt sich die Skepsis ebenfalls: Credit Default Swaps auf Oracle handeln zuletzt auf erhöhten Niveaus, was eine gestiegene Risiko­wahrnehmung im Hinblick auf die Verschuldung während des Infrastruktur­ausbaus widerspiegelt.

Damit stehen sich aktuell zwei Lager gegenüber: Ein Aktienmarkt, der mit Abschlägen auf die enormen Investitionssummen und den negativen freien Cashflow reagiert, und große Pensions- und Vermögensverwalter, die die Korrektur offenbar als überzogen ansehen.

Fazit: Langfristige Wette auf Infrastruktur

Oracle setzt mit der angehobenen CapEx-Planung von 50 Milliarden US‑Dollar klar auf den langfristigen Bedarf an KI‑fähiger Infrastruktur und Rechenzentrumsleistungen. Kurzfristig drücken negative freie Cashflows, erhöhte Finanzierungskosten und die Skepsis am Anleihemarkt auf Bewertung und Kurs. Gleichzeitig signalisieren die deutlichen Zukäufe großer Institutionen und ein hohes durchschnittliches Analystenkursziel, dass ein Teil des Marktes die aktuelle Schwäche als Chance interpretiert. Die nächsten Quartale werden vor allem darüber entscheiden, ob Umsatz- und Ergebnisdynamik schnell genug anziehen, um die hohe Investitionslast zu tragen und den Strategiewechsel zu rechtfertigen.

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