Liebe Leserinnen und Leser,

505,74 Milliarden Taiwan-Dollar Quartalsgewinn – diese Zahl von TSMC ließ heute europäische Halbleiterwerte jubeln, während sich gleichzeitig eine tektonische Verschiebung in der Cloud-Landschaft vollzieht. Amazon startet seine AWS European Sovereign Cloud, Microsoft kauft Rekordmengen an Boden-CO₂-Zertifikaten, und NVIDIA erhält von Analysten grünes Licht trotz Zollrisiken. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemein haben – doch zusammen zeichnen sie das Bild einer Technologiebranche, die zwischen KI-Euphorie, geopolitischen Zwängen und Nachhaltigkeitsdruck navigieren muss.

TSMCs Rekordquartal treibt europäische Chipwerte – doch der Engpass bleibt

Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter hat geliefert: Im vierten Quartal 2025 kletterte TSMCs Nettogewinn um 35 Prozent auf umgerechnet 16 Milliarden US-Dollar und übertraf damit selbst optimistische Analystenschätzungen deutlich. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 62,3 Prozent, getrieben von Kostenoptimierungen und hoher Auslastung. Für das laufende erste Quartal 2026 stellt TSMC Umsätze zwischen 34,6 und 35,8 Milliarden Dollar in Aussicht – ein Plus von bis zu 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Botschaft von CEO C.C. Wei war eindeutig: „KI ist real und wächst in unser tägliches Leben hinein." Der Engpass liege nicht bei Strom oder Rechenzentrumskapazitäten, sondern bei TSMCs Waferproduktion selbst. Um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen, plant das Unternehmen für 2026 Investitionen von 52 bis 56 Milliarden Dollar – ein gewaltiger Sprung gegenüber den 40,9 Milliarden von 2025. Rund 70 bis 80 Prozent fließen in fortschrittliche Prozesstechnologien, allen voran die 2-Nanometer-Fertigung, die im vierten Quartal 2025 anlief und bereits 2026 schnell hochgefahren werden soll.

Für europäische Anleger bedeutet das: ASML, der niederländische Ausrüster, schoss vorbörslich um über 5 Prozent nach oben und markierte ein frisches Rekordhoch. Die kanadische Bank RBC nahm die Bewertung der ASML-Aktie mit „Outperform" und einem Kursziel von 1.550 US-Dollar auf – die Dynamik bei Wafer-Fab-Equipment sei robust, Lithografiesysteme befänden sich in einem säkularen Wachstumstrend. Auch deutsche Chipwerte wie Infineon und Aixtron profitierten von der positiven Stimmung. Doch ein Detail sollte nicht übersehen werden: TSMC warnte, dass die anfängliche Hochlaufphase der 2-Nanometer-Technologie die Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 um 2 bis 3 Prozentpunkte belasten wird – ein Hinweis darauf, dass selbst Marktführer mit steigenden Komplexitätskosten kämpfen.

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NVIDIA zwischen Analystenlob und Trumps Zollpolitik

Während TSMC die Lieferketten unter Druck setzt, gerät NVIDIA von einer anderen Seite unter Beobachtung: US-Präsident Donald Trump unterzeichnete diese Woche zwei Dekrete, die unter anderem 25-prozentige Zölle auf bestimmte KI-Chips vorsehen, darunter NVIDIAs H200 und AMDs MI325X, sofern diese in die USA importiert und dann in Drittländer re-exportiert werden. Die Maßnahme zielt auf sogenanntes „Transshipping" ab und soll verhindern, dass Chips über Umwege nach China gelangen.

Trotz dieser regulatorischen Unsicherheit bleibt die Stimmung bei Analysten bemerkenswert zuversichtlich. RBC nahm die NVIDIA-Aktie mit „Outperform" und einem Kursziel von 240 US-Dollar in die Coverage auf. Analyst Srini Pajjuri argumentierte, die Sorgen vor nachlassenden KI-Investitionen seien überzogen – KI breite sich weiter aus, und NVIDIA verfüge über KI-Dominanz bei attraktiver Bewertung. Im vorbörslichen NASDAQ-Handel legte die Aktie daraufhin um 1,36 Prozent zu.

Für deutsche Anleger, die NVIDIA im Depot haben, ist das eine zweischneidige Nachricht: Einerseits bestätigt die Analystensicht die strukturelle Stärke des Geschäftsmodells. Andererseits zeigt die Zollpolitik, dass geopolitische Risiken nicht nur theoretischer Natur sind. Wer in den kommenden Monaten auf NVIDIA setzt, sollte die Entwicklungen rund um Exportkontrollen und Handelsbeziehungen mit China genau verfolgen.

Amazons European Sovereign Cloud – Europas Antwort auf Datensouveränität

Während die Chipindustrie um Kapazitäten ringt, vollzieht sich in der Cloud-Infrastruktur eine strategische Neuausrichtung: Amazon Web Services (AWS) hat heute die allgemeine Verfügbarkeit der AWS European Sovereign Cloud verkündet – eine vollständig in der EU angesiedelte, physisch und logisch von anderen AWS-Regionen getrennte Cloud-Umgebung. Erste Rechenzentren entstehen in Brandenburg, weitere Standorte in Deutschland und anderen EU-Ländern sind geplant. Amazon will mehr als 7,8 Milliarden Euro investieren und durchschnittlich 2.800 Vollzeitarbeitsplätze pro Jahr schaffen.

Das Besondere: Die European Sovereign Cloud wird ausschließlich von EU-Bürgern betrieben und überwacht, alle Daten und Metadaten bleiben innerhalb der EU, und im Extremfall – etwa bei einer Unterbrechung der Internetverbindung zwischen Europa und den USA – kann die Cloud autonom weiterlaufen. Damit adressiert AWS die wachsenden Bedenken europäischer Regierungen und Unternehmen hinsichtlich des US Cloud Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten gewährt, selbst wenn diese im Ausland gespeichert sind.

Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant: Erstens zeigt sie, dass die Diskussion um digitale Souveränität in Europa von der Theorie in die Praxis übergeht. Zweitens positioniert sich Amazon damit gegen Wettbewerber wie Microsoft und Google, die ebenfalls europäische Datenzentren betreiben, aber nicht dieselbe organisatorische Trennung bieten. Drittens eröffnet die Sovereign Cloud neue Geschäftsmöglichkeiten für europäische IT-Dienstleister und Technologieanbieter – SAP etwa kündigte an, seine Sovereign-Cloud-Fähigkeiten auf der AWS European Sovereign Cloud verfügbar zu machen.

Die Ironie der Lage: Während Europa versucht, sich technologisch unabhängiger zu machen, bleibt die Abhängigkeit von US-Hyperscalern bestehen – nur eben in einer rechtlich und operativ abgeschirmten Form. Ob diese Strategie langfristig trägt, wird sich zeigen, wenn die ersten großen Kunden ihre sensiblen Workloads migrieren.

Microsoft, Silber und der Kampf um Grönland – Randnotizen mit Gewicht

Abseits der großen Tech-Narrative gab es heute weitere bemerkenswerte Entwicklungen: Microsoft hat mit Indigo Carbon einen 12-Jahres-Vertrag über 2,85 Millionen Boden-CO₂-Zertifikate abgeschlossen – einer der größten Deals dieser Art weltweit. Der Softwarekonzern will bis 2030 „carbon negative" werden, also mehr CO₂ aus der Atmosphäre entfernen, als er emittiert. Für Anleger, die ESG-Kriterien ernst nehmen, ist das ein Signal, dass Microsoft seine Klimaziele nicht nur auf dem Papier verfolgt, sondern mit erheblichen Investitionen untermauert.

Der Silberpreis gab heute nach einem Höhenflug über 90 Dollar je Feinunze um knapp 4 Prozent nach – eine Korrektur nach der jüngsten Rally, die durch geopolitische Unsicherheiten und Spekulationen auf US-Militäraktionen im Iran befeuert worden war. Trump signalisierte inzwischen Deeskalation mit der Bemerkung, das „Töten im Iran hört auf", was die Risikoprämie bei Edelmetallen und Öl sinken ließ. Brent-Rohöl fiel um über 3 Prozent.

Und dann ist da noch Grönland: Nach einem ergebnislosen Krisengespräch im Weißen Haus zwischen dänischen, grönländischen und US-Vertretern bleibt Trumps Forderung nach Kontrolle über die Arktisinsel bestehen. Deutschland schickt 13 Bundeswehrsoldaten zur Erkundung nach Nuuk, Frankreich und andere europäische Länder ziehen nach. Für Rüstungsaktien wie Rheinmetall, HENSOLDT und RENK bedeutet das zwar erhöhte geopolitische Aufmerksamkeit, doch die Kurse reagierten verhalten – Rheinmetall verlor zeitweise 0,11 Prozent, HENSOLDT 1,6 Prozent. Offenbar preisen Anleger keine unmittelbare Eskalation ein.

Was das für Ihr Depot bedeutet

Die heutige Nachrichtenlage zeigt: Die KI-Rallye ist strukturell intakt, aber die Rahmenbedingungen werden komplexer. TSMCs Rekordquartal und die optimistischen Prognosen stützen die These, dass die Nachfrage nach Hochleistungschips ungebrochen ist. Wer in europäische Halbleiterwerte wie ASML oder Infineon investiert ist, dürfte sich bestätigt fühlen – allerdings sollten steigende Kapitalkosten und geopolitische Risiken nicht ignoriert werden.

Amazons Vorstoß in die europäische Cloud-Souveränität könnte mittelfristig die Wettbewerbsdynamik verschieben. Anleger, die auf europäische Tech-Champions wie SAP setzen, sollten beobachten, wie schnell sich die Sovereign Cloud etabliert und ob sie tatsächlich sensible Workloads anzieht.

Und schließlich: Die Kombination aus Trumps Zollpolitik, geopolitischen Spannungen um Grönland und volatilen Rohstoffmärkten erinnert daran, dass Diversifikation nicht nur über Anlageklassen, sondern auch über Regionen und Sektoren hinweg sinnvoll bleibt. Wer ausschließlich auf US-Tech setzt, trägt Konzentrationsrisiken, die sich in unruhigen Zeiten schnell materialisieren können.

Bis morgen – und bleiben Sie investiert, aber wachsam.

Herzliche Grüße
Andreas Sommer