Novo Nordisk bremst die Erwartungen für 2026 – und das ausgerechnet auf einer der wichtigsten Branchenkonferenzen des Jahres. CEO Mike Doustdar spricht offen von Gegenwind im Auslandsgeschäft und einem möglichen „Rückzugsjahr“. Gleichzeitig stellt er milliardenschwere Zukäufe in Aussicht, um die starke Position im Adipositasmarkt zu sichern. Wie passt diese Mischung aus Warnung und Angriff zusammen?

Gegenwind im Auslandsgeschäft

Auf der J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco nutzte Doustdar die Bühne, um die Messlatte für das laufende Geschäftsjahr neu zu setzen. International rechnet Novo Nordisk 2026 mit spürbaren Belastungen. Der Vorstandschef sprach von „Gegenwind“ und einer möglichen Phase des „Pullback“.

Hintergrund sind vor allem zwei Faktoren:
- Der Verlust von Vermarktungsexklusivität in mehreren wichtigen Märkten
- Der verschärfte Wettbewerb, insbesondere durch Eli Lilly

Gerade in Regionen, in denen Novo Nordisk lange dominante Marktanteile hielt, holt Eli Lilly nun deutlich auf. Hinzu kommen regulatorische und preisliche Herausforderungen, sobald Exklusivitäten auslaufen und Generika oder Konkurrenzpräparate stärker auf den Markt drängen. Das Management stellt sich daher ausdrücklich auf ein schwierigeres internationales Umfeld ein.

Aggressive M&A-Pläne

Trotz der vorsichtigen Töne beim operativen Ausblick rückt Doustdar die Kapitalallokation klar in den Angriffsmodus. Nachdem Novo Nordisk Ende 2025 im Bieterwettstreit um das Adipositas-Start-up Metsera Pfizer unterlegen war, soll die Deal-Pipeline nun deutlich offensiver angegangen werden.

Der CEO spricht davon, „groß zu gehen“:
- Potenzielle Dealgröße: 20 bis 40 Milliarden US-Dollar
- Fokus: Ergänzende Assets im Adipositas- und Stoffwechselbereich
- Anspruch: Deutlich erkennbarer Mehrwert gegenüber bestehenden Produkten

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Damit sendet das Unternehmen das Signal, dass organisches Wachstum allein nicht mehr ausreichen könnte, um die hohen Erwartungen an die Marktführerschaft im Adipositassegment dauerhaft zu erfüllen. Künftige Übernahmen dürften daher im Zentrum der Analysten- und Anlegeraufmerksamkeit stehen – zumal der Hinweis auf eine solche Größenordnung auf eine mögliche Transaktion bereits 2026 hindeutet.

Produktseite: Offensive mit Wegovy

Operativ versucht Novo Nordisk, die Wettbewerbsposition auch über Produktinnovationen zu stärken. Im Zentrum steht dabei Wegovy:

  • Die neu zugelassene orale Wegovy-Tablette ist seit diesem Monat offiziell in den USA auf dem Markt.
  • Die Distribution wurde erweitert, unter anderem über Amazon Pharmacy, um den Zugang für Patienten zu erleichtern.
  • In Großbritannien hat die Arzneimittelbehörde MHRA eine höhere 7,2-mg-Dosis der Wegovy-Injektion genehmigt. Diese Option soll Patienten helfen, die mit niedrigeren Dosierungen ihre Gewichtsziele nicht erreichen.

Diese Schritte zielen darauf ab, die Nachfrage besser abzudecken und das Profil von Wegovy gegenüber Konkurrenzprodukten und vor allem gegenüber sogenannten „compounded“ GLP‑1-Versionen zu schärfen. In den USA wird geschätzt, dass bereits rund 1,5 Millionen Menschen solche individuell hergestellten GLP‑1-Präparate nutzen – ein klarer Hinweis darauf, wie umkämpft selbst ein vermeintliches Duopol geworden ist.

Marktumfeld und Bewertung

Die aktuellen Aussagen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Nach einem herausfordernden Jahr 2025 mit einem Kursrückgang von rund 30 % – getrieben vor allem von Bewertungszweifeln und Lieferengpässen – hatte 2026 zunächst eine Erholungsphase angedeutet. Vor den jüngsten Kommentaren lag die Aktie seit Jahresbeginn wieder deutlich im Plus.

Aus Bewertungs- und Marktsicht prallen mehrere Entwicklungen aufeinander:

  • Langfristig stützt der von Novo Nordisk veröffentlichte Bericht „Obesity Trap“ die These eines strukturell wachsenden Adipositasmarktes. Er betont die komplexen gesellschaftlichen und biologischen Ursachen, die eine anhaltend hohe Nachfrage erwarten lassen.
  • Kurzfristig sorgt der explizite Hinweis auf ein „schwieriges Jahr“ im internationalen Geschäft für Zurückhaltung.
  • Der zunehmende Druck durch Eli Lilly und die Verbreitung von GLP‑1-Compounds zeigen, dass der Markt deutlich kompetitiver wird als in den frühen 2020er Jahren.
  • Die Ankündigung potenzieller Mega-M&A-Deals verdeutlicht, dass das Management bereit ist, massiv Kapital einzusetzen, um Wachstum und technologische Führung abzusichern.

An der Börse führte diese Gemengelage heute zu einem eher verhaltenen Bild: Die Aktie notiert mit rund 51,29 Euro praktisch unverändert zum Vortag, hat sich aber in den vergangenen 30 Tagen um knapp 20 % erholt, während sie auf Sicht von zwölf Monaten immer noch deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch liegt.

Ausblick: Zahlen, Wegovy-Dynamik und M&A-Fantasie

Der Blick richtet sich nun auf den nächsten Quartalsbericht, in dem das Management die international erwarteten Belastungen konkret in seine Finanzguidance für 2026 übersetzen dürfte. Dabei werden Anleger vor allem drei Punkte im Auge behalten:

  • Die Anlaufdynamik der oralen Wegovy-Tablette in den USA, inklusive des Effekts der Amazon-Pharmacy-Partnerschaft
  • Die Frage, ob höhere Dosierungen und breiterer Zugang den Einfluss von compounded GLP‑1-Präparaten spürbar dämpfen können
  • Konkrete Signale zu größeren Übernahmen im Bereich Adipositas und Stoffwechselerkrankungen

Aus technischer Sicht versucht die Aktie nach der Korrektur 2025 einen tragfähigen Boden auszubilden. Ob dieser hält, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie überzeugend Novo Nordisk den Spagat zwischen kurzfristigen internationalen Bremsspuren und der strategischen Offensive bei Produkten und möglichen Großakquisitionen in den kommenden Monaten mit Zahlen und Taten unterlegt.

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