Nordex Aktie: Spannender Spagat
Nordex startet mit enormem Rückenwind ins Börsenjahr 2026 – und zugleich mit einem heiklen technischen Zwischenfall. Auf der einen Seite steht eine außergewöhnlich starke Auftragswoche von rund 1,4 Gigawatt. Auf der anderen Seite wirft eine Havarie in Nordrhein-Westfalen Fragen zur Technik auf. Wie stabil ist dieser Spagat zwischen operativem Boom und Sicherheitsbedenken?
Auftragsflut zum Jahresauftakt
Das zentrale Thema aus Anlegersicht ist die deutliche Belebung des Neugeschäfts. In der ersten Januarwoche hat Nordex eine Reihe großer Bestellungen für seine neue Turbinengeneration N175/6.X gemeldet.
Besonders hervorzuheben ist ein Großauftrag aus Kanada:
- rund 508 MW für einen Windpark in Kanada
- Lieferung von 73 Anlagen, darunter erstmals die N175 für diesen Markt
Dazu kommen mehrere europäische Projekte:
- ca. 414 MW für Frankreich, Belgien und Portugal
- 246 MW in Spanien, inklusive eines Projekts mit dem unabhängigen Stromproduzenten Nadara
- 224 MW in Deutschland aus einem Rahmenabruf des Projektentwicklers UKA für neun Windparks
In Summe ergibt sich ein Auftragseingang von rund 1.400 MW innerhalb weniger Tage. Diese Dynamik hat die Aktie Mitte der Woche auf ein neues 10-Jahres-Hoch von knapp über 33 Euro geführt. Am Freitag schloss der Titel bei 32,30 Euro – nur rund 3 % unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 33,32 Euro und deutlich über dem 52‑Wochen‑Tief von 10,90 Euro.
Die mittelfristige Kursentwicklung unterstreicht den Stimmungsumschwung: Auf Sicht von zwölf Monaten liegt das Plus bei knapp 186 %, allein in den vergangenen 30 Tagen legte die Aktie rund 13 % zu.
Bedburg-Havarie belastet das Sentiment
Der positive Nachrichtenfluss wird jedoch von einem Zwischenfall im Windpark Bedburg A44n in Nordrhein-Westfalen überlagert. Am Mittwoch, 7. Januar, knickte dort ein Rotorblatt einer Nordex-Anlage ab. Weil Trümmerteile auf die nahegelegene Autobahn A44 zu stürzen drohten, wurde der Abschnitt zeitweise gesperrt.
Als Vorsichtsmaßnahme sind inzwischen vier weitere baugleiche Anlagen in dem Windpark stillgelegt worden. Brisant aus Sicht des Marktes: Nach Berichten war die betroffene Anlage vom Betreiber RWE noch nicht offiziell abgenommen worden, sodass die technische Verantwortung vorerst vor allem bei Nordex liegt.
Im Raum stehen zwei mögliche Ursachenrichtungen:
- ein isolierter Montage- oder Installationsfehler
- ein systematisches Problem des betroffenen Blatttyps
Welche Variante zutrifft, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Eine zügige und transparente Aufklärung ist entscheidend, um das Vertrauen in die Technologie zu sichern und größere Reputationsschäden zu vermeiden. Die hohe 30‑Tage‑Volatilität von gut 67 % zeigt, wie sensibel der Markt bereits jetzt auf neue Informationen reagiert.
Analysten honorieren die operative Stärke
Trotz der Havarie überwiegt bei den analysierenden Häusern derzeit die positive Sicht auf das Geschäftsmodell und die jüngsten Auftragseingänge.
- Deutsche Bank Research hat das Kursziel auf 34 Euro angehoben und bleibt bei einer Kaufempfehlung.
- MWB Research setzt mit einem Kursziel von 36 Euro noch etwas höher an, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung.
Im Mittelpunkt der positiven Einschätzungen stehen:
- der erfolgreiche Markteintritt der Delta4000-Serie in Nordamerika
- die starke Nachfrage nach der N175/6.X
- eine verbesserte Preissetzungsmacht in einem zunehmend professionellen Windenergiemarkt
Damit stützen die Analysten den Eindruck, dass die jüngste Kursrally nicht ausschließlich von Hoffnung, sondern auch von realen Auftragspaketen getragen ist. Charttechnisch wirkt der Aufwärtstrend ebenfalls intakt: Der Schlusskurs vom Freitag liegt rund 14 % über dem 50‑Tage‑Durchschnitt und fast 46 % über dem 200‑Tage‑Durchschnitt. Gleichzeitig signalisiert ein RSI von 32,0, dass kurzfristig keine extrem überkaufte Situation vorliegt.
Ausblick: Zwei Themen dominieren
Für die neue Handelswoche ab Montag, 12. Januar, zeichnen sich zwei zentrale Treiber ab:
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Aufklärung der Havarie in Bedburg
Jede konkrete Meldung zur Ursache des Rotorblattschadens dürfte den Kurs rasch bewegen. Eine Einordnung als lokaler Montagefehler würde die jüngsten Sicherheitsbedenken klar entschärfen. Sollten sich hingegen strukturelle Probleme andeuten, wären zusätzliche Prüf- und Nachrüstprogramme denkbar – mit entsprechenden Auswirkungen auf Stimmung und Marge. -
Charttechnische Schlüsselzone
Kurzfristig ist die Unterstützungszone zwischen 31,50 und 32,00 Euro wichtig. Hält dieser Bereich, bleibt der Ausbruch über das Jahreshoch um 33 Euro ein realistisches technisches Szenario. Ein Bruch nach unten könnte dagegen Gewinnmitnahmen verstärken und den starken Lauf der vergangenen Monate erst einmal ausbremsen.
Unterm Strich steht Nordex aktuell zwischen zwei Polen: Die Auftragsbücher füllen sich so schnell wie lange nicht, gleichzeitig verlangt die Havarie nach einer klaren technischen Antwort. Wie überzeugend das Unternehmen diese liefert, wird maßgeblich bestimmen, ob die Aktie den Ausbruch über das 10‑Jahres‑Hoch in den kommenden Wochen nachhaltig bestätigen kann.
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