Nestlé zieht beim internen Umbau die Zügel an. Ein neues Bonussystem soll Spitzenleistung stärker belohnen – und schwache Performance spürbar treffen. Doch warum koppelt CEO Philipp Navratil variable Vergütung jetzt ausgerechnet an das mengenbasierte Wachstum (RIG)?

Mehr Stufen, härtere Spreizung

Am 25. Februar führte Nestlé ein überarbeitetes Bonussystem ein. Statt drei gibt es künftig sechs Leistungsstufen. Wer „exemplary“ erreicht, kann bis zu 150 % des Bonusziels bekommen (zuvor 130 %). Am unteren Ende („unsatisfactory“) liegt die Auszahlung bei 0 % bis 50 % des Zielbonus.

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Das Unternehmen begründet den Schritt damit, Leistungsbewertung, Entwicklungsplanung und Feedback zu vereinfachen. Unterm Strich ist die Botschaft klar: Leistung soll präziser gemessen werden – und sich deutlicher auszahlen.

RIG als „Gatekeeper“ für Boni

Kern der Reform ist die stärkere Verknüpfung der Boni mit dem Real Internal Growth (RIG), also dem volumetrischen Umsatzwachstum. Navratil hatte bei der Zahlenvorlage der vergangenen Woche angekündigt, einen Mindest-RIG-Wert als „Gatekeeper“ in die Bonusberechnung einzubauen. Außerdem sind die Boni funktionaler Führungskräfte nun an die Gesamtleistung des Konzerns gekoppelt, um alle Teams an denselben Kennzahlen auszurichten.

Der Hintergrund: 2025 lag der RIG bei 0,8 %. Genau hier will Nestlé unter der neuen Führung sichtbar zulegen.

Zahlen, Umbau – und ein Rückruf als Dämpfer

Die Bonusreform kommt nur wenige Tage nach den Jahreszahlen (19. Februar). Für 2025 meldete Nestlé 3,5 % organisches Wachstum (RIG 0,8 %, Preiseffekt 2,8 %), eine UTOP-Marge von 16,1 %, Free Cash Flow von CHF 9,2 Mrd. und eine vorgeschlagene Dividende von CHF 3,10 je Aktie. Im vierten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum auf 4,0 %.

Für 2026 stellt Nestlé 3 % bis 4 % organisches Wachstum, eine verbesserte UTOP-Marge und Free Cash Flow über CHF 9 Mrd. in Aussicht. Eingepreist ist dabei ein negativer Effekt von rund 20 Basispunkten durch den Säuglingsnahrungsrückruf.

Parallel schärft der Konzern den Portfoliofokus auf Coffee, Petcare, Nutrition sowie Food & Snacks. Nutrition und Nestlé Health Science werden zusammengeführt; Anna Mohl scheidet zum 28. Februar 2026 aus dem Vorstand aus. Zudem laufen Verhandlungen über den Verkauf des verbliebenen Eiscreme-Geschäfts an Froneri, und für das Wassergeschäft wurde ein formaler Verkaufsprozess gestartet – mit dem Ziel einer Entkonsolidierung bis 2027. Ergänzend setzt Navratil auf Effizienz: Ein angekündigter Abbau von 16.000 Stellen steht im Raum, während „Fuel for Growth“ 2025 CHF 1,1 Mrd. Einsparungen brachte.

Am Markt zeigt sich zuletzt eher ein kontrolliertes Bild: Die Aktie schloss heute bei 90,43 € (Tag: -0,51 %), liegt aber über 30 Tage gerechnet 14,25 % im Plus.

Zum 28. Februar (Ausscheiden von Anna Mohl) dürfte der organisatorische Umbau in eine neue Phase gehen – operativ bleibt kurzfristig vor allem der angekündigte Q1-Effekt von rund CHF 200 Mio. aus Rücksendungen und Bestandsengpässen im Zuge des Rückrufs der wichtigste konkrete Belastungsfaktor.

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