Liebe Leserinnen und Leser,

80,95 Schweizer Franken – auf diesen Kurs kletterte die Nestlé-Aktie heute Vormittag, ein Plus von über drei Prozent. Der Grund: CEO Philipp Navratil präsentierte einen radikalen Umbauplan, der den Lebensmittelriesen verschlanken und wieder profitabler machen soll. Doch während in Vevey die Strategie-Präsentation läuft, kämpft Airbus in Toulouse mit handfesten Lieferproblemen bei Triebwerken – und in Neu-Delhi warnt OpenAI-Chef Sam Altman eindringlich vor den Gefahren einer unkontrollierten Superintelligenz. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – und doch zeigen sie alle, wie fragil selbst die mächtigsten Konzerne in Zeiten des Umbruchs sind.

Nestlé streicht 16.000 Jobs und konzentriert sich auf vier Säulen

Philipp Navratil macht ernst. Seit September 2025 führt der neue CEO den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern – und heute legte er dar, wie er Nestlé aus der Krise führen will. Die Diagnose ist klar: 2025 schrumpfte der Gewinn um 17 Prozent auf 9,03 Milliarden Franken, der Umsatz ging um zwei Prozent zurück. Inflation und veränderte Konsumgewohnheiten setzen dem Konzern zu. Verbraucher greifen vermehrt zu Eigenmarken, statt für Markenprodukte tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Antwort: radikale Fokussierung. Künftig will sich Nestlé auf vier Kernbereiche konzentrieren – Kaffee, Tierfutter, Ernährung & Gesundheit sowie Lebensmittel & Snacks. Die bisherigen Bereiche Nutrition und Health Science werden zu einer Einheit verschmolzen, die Zahl der Marken soll von über 400 deutlich sinken. Parallel dazu trennt sich der Konzern von Randgeschäften: Das Speiseeisgeschäft steht zum Verkauf, ebenso Marken für Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel im Massenmarkt. Das Wassergeschäft soll bis 2027 abgestoßen werden.

16.000 Stellen weltweit – fast sechs Prozent der Belegschaft – fallen in den nächsten zwei Jahren weg. Bis Ende 2027 sollen so jährliche Einsparungen von einer Milliarde Franken erzielt werden, 20 Prozent davon sind bereits erreicht. Das freigewordene Geld fließt in Marketing und Innovation – ein klares Signal, dass Nestlé nicht nur sparen, sondern auch investieren will. Analysten von RBC und Bernstein lobten die Zahlen als "erfreulich" und widersprachen den pessimistischen Prognosen der letzten Wochen. An der Börse kam die Botschaft gut an: Die Aktie legte deutlich zu und setzte ihre Erholung seit den Jahrestiefs im Januar fort.

Airbus kämpft mit Triebwerks-Engpässen – Aktie verliert sechs Prozent

Während Nestlé mit Zahlen überzeugte, enttäuschte Airbus trotz solider Quartalsergebnisse. Der Flugzeugbauer erfüllte zwar seine Prognose für 2025 und steigerte Umsatz und Ergebnis im vierten Quartal – doch der Ausblick für 2026 fiel deutlich schwächer aus als erwartet. Der Grund: Pratt & Whitney, einer der wichtigsten Triebwerkslieferanten, hat bisher keine feste Zusage für die von Airbus bestellten Triebwerke gemacht. Das bremst den geplanten Produktionshochlauf der A320-Modellreihe massiv aus.

Für Airbus ist das ein herber Rückschlag. Die A320-Familie ist das Rückgrat des Konzerns, die Nachfrage nach Mittelstreckenflugzeugen bleibt hoch. Doch ohne Triebwerke können die Maschinen nicht ausgeliefert werden – und ohne Auslieferungen fehlen Umsatz und Gewinn. Analysten bemängelten den "konservativ" formulierten, aber dennoch deutlich unter den Erwartungen liegenden Ausblick. Die Aktie rutschte daraufhin um mehr als sechs Prozent ab und gehörte zu den größten Verlierern im DAX.

Interessant ist der Kontrast zur Luftfahrtbranche insgesamt: Air France-KLM meldete einen Rekordgewinn und übertraf die Analystenerwartungen deutlich. Höhere Ticketpreise, gesunkene Treibstoffkosten und eine stärkere Fokussierung auf teurere Buchungsklassen zahlten sich aus. Die Aktie sprang um fast 13 Prozent nach oben und zog auch die Lufthansa-Papiere mit – ein Zeichen dafür, dass die großen Netzwerk-Airlines derzeit besser dastehen als Billigflieger. Ryanair, easyJet und Wizz Air verloren hingegen an Boden, da ihre Geschäftsmodelle stärker unter Preisdruck leiden.

OpenAI-Chef Altman: "Wir sind nur noch Jahre von Superintelligenz entfernt"

Von der Luftfahrt zur Künstlichen Intelligenz: Beim KI-Gipfel in Neu-Delhi schlug Sam Altman, CEO von OpenAI, heute Alarm. Sein Szenario klingt wie Science-Fiction, ist aber aus seiner Sicht durchaus realistisch: Bis Ende 2028 könnte ein größerer Teil der intellektuellen Kapazität der Welt innerhalb von Rechenzentren liegen als außerhalb. Eine Superintelligenz, die sich selbst weiterentwickelt und in immer schnelleren Schritten verbessert – mit unabsehbaren Folgen.

Altman warnte vor konkreten Gefahren: Superintelligenz in den Händen von Diktatoren, Missbrauch als Biowaffe zur Schaffung neuer Krankheitserreger, völlig neue Arten von Kriegen. Seine Forderung: eine weltweite Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). "Es ist offensichtlich, dass wir dringend Regeln und Sicherheitsmaßnahmen brauchen", sagte er. Gleichzeitig machte er klar, dass KI den Arbeitsmarkt grundlegend verändern werde – eine gesamtgesellschaftliche Debatte sei nötig, "bevor wir alle überrascht werden".

Parallel dazu rief UN-Generalsekretär António Guterres beim selben Gipfel zu einem globalen KI-Fonds für Entwicklungsländer auf. Drei Milliarden Dollar – weniger als ein Prozent des Jahresumsatzes großer Tech-Unternehmen – sollen sicherstellen, dass nicht nur reiche Nationen vom KI-Zeitalter profitieren. Grundlegende Kapazitäten wie Fähigkeiten, Daten und bezahlbare Rechenleistung müssten auch in wirtschaftlich schwächeren Ländern geschaffen werden, forderte Guterres.

Anzeige:

Passend zu den Debatten um OpenAI und KI-Regulierung – ein kostenloser Spezialreport stellt die 3 aussichtsreichsten KI‑Aktien vor und erklärt, wie Sie Ihr Depot gegen regulatorische Risiken positionieren können. Jetzt KI-Aktien-Report anfordern

Die Warnungen von Altman sind nicht neu, gewinnen aber an Brisanz, je schneller sich KI-Modelle entwickeln. Für Anleger stellt sich die Frage: Wie regulierungsresistent sind Investitionen in KI-Unternehmen? Sollten tatsächlich strenge internationale Regeln kommen, könnten Geschäftsmodelle von OpenAI, Microsoft oder Alphabet massiv unter Druck geraten. Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass KI längst nicht mehr nur ein Tech-Thema ist – sondern eine geopolitische und gesellschaftliche Herausforderung ersten Ranges.

Parallel dazu rief UN-Generalsekretär António Guterres beim selben Gipfel zu einem globalen KI-Fonds für Entwicklungsländer auf. Drei Milliarden Dollar – weniger als ein Prozent des Jahresumsatzes großer Tech-Unternehmen – sollen sicherstellen, dass nicht nur reiche Nationen vom KI-Zeitalter profitieren. Grundlegende Kapazitäten wie Fähigkeiten, Daten und bezahlbare Rechenleistung müssten auch in wirtschaftlich schwächeren Ländern geschaffen werden, forderte Guterres.

Die Warnungen von Altman sind nicht neu, gewinnen aber an Brisanz, je schneller sich KI-Modelle entwickeln. Für Anleger stellt sich die Frage: Wie regulierungsresistent sind Investitionen in KI-Unternehmen? Sollten tatsächlich strenge internationale Regeln kommen, könnten Geschäftsmodelle von OpenAI, Microsoft oder Alphabet massiv unter Druck geraten. Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass KI längst nicht mehr nur ein Tech-Thema ist – sondern eine geopolitische und gesellschaftliche Herausforderung ersten Ranges.

Bundeskartellamt warnt vor Marktmacht bei Stromerzeugern

Zurück nach Deutschland: Das Bundeskartellamt schlägt Alarm. Die Marktmacht der führenden Stromerzeuger RWE, Leag und EnBW hat laut einer aktuellen Untersuchung für den Zeitraum Mai 2024 bis April 2025 erheblich zugenommen. RWE liegt dabei deutlich über der Schwelle zur marktbeherrschenden Stellung, auch Leag überschreitet sie, während EnBW knapp darunter bleibt. Das Problem: Kraftwerksbetreiber können bereits bei niedrigen Marktanteilen die Marktpreise erheblich beeinflussen – und genau das passiert gerade.

Hintergrund ist der Kohleausstieg und das Auslaufen von Ausnahmeregelungen aus der Energiekrise 2022. Damals durften alte Kohlekraftwerke wieder Strom produzieren, um den Gasverbrauch zu begrenzen. Mit dem Ende dieser Regelung und weiteren Abschaltungen wurde das inländische Stromangebot spürbar knapper. Die Folge: höhere Preise, größere Abhängigkeit von wenigen Anbietern und stärkere Bedeutung von Stromimporten in Zeiten geringer Wind- und Solareinspeisung.

Behördenpräsident Andreas Mundt fordert, die angekündigten Ausschreibungen für den geförderten Neubau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten gezielt zu nutzen, um bestehende Marktmacht abzubauen. "Mehr Wettbewerb auf den Stromerzeugungsmärkten zahlt sich nachhaltig aus, insbesondere in Form von niedrigeren Preisen für die Verbraucherinnen und Verbraucher", erklärte er. Für RWE-Aktionäre ist die Warnung ambivalent: Einerseits bestätigt sie die starke Marktposition des Konzerns, andererseits drohen regulatorische Eingriffe, die die Profitabilität schmälern könnten.

DAX konsolidiert nach starkem Vortag – Fed-Protokoll bremst

An den Börsen selbst ging es heute etwas verhaltener zu. Der DAX gab zum Handelsstart um 0,32 Prozent nach und rutschte im weiteren Verlauf weiter ins Minus. Nach dem deutlichen Anstieg am Mittwoch, als das Barometer den höchsten Stand seit Mitte Januar erreichte, war eine Korrektur nicht überraschend. Das Rekordhoch aus diesem Jahr bei 25.507 Punkten bleibt in greifbarer Nähe – erst ein Rückfall unter 25.000 Punkte würde diese Perspektive vorerst wieder trüben.

Belastend wirkte das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve. Mehrere Mitglieder äußerten sich besorgt über die Risiken einer anhaltend hohen Inflation – einige deuteten sogar an, dass Zinserhöhungen wieder ins Spiel kommen könnten, sollte die Teuerung hartnäckig bleiben. Die Erwartungen an eine baldige Zinssenkung durch die Fed sind damit weiter nach hinten gerückt. Für spekulative Assets wie Kryptowährungen ist das Gift: Bitcoin fiel unter 67.000 Dollar, Ethereum verlor ebenfalls an Boden.

Unter den Einzelwerten stachen heute neben Nestlé und Airbus auch Infineon hervor: Der Halbleiterkonzern gab bekannt, die Verträge von CEO Jochen Hanebeck und CFO Sven Schneider bis 2032 verlängern zu wollen – fünf Jahre länger als ursprünglich geplant. Aufsichtsratschef Herbert Diess sprach von "sehr guten Händen" und lobte die Investitionen in technologische Stärke und Wettbewerbsfähigkeit. Die Aktie reagierte kaum, was zeigt, dass die Nachricht eher als Kontinuitätssignal denn als Überraschung gewertet wurde.

Was das für Sie bedeutet

Heute zeigt sich einmal mehr: Auch Giganten sind verwundbar. Nestlé muss sich neu erfinden, Airbus kämpft mit Lieferketten, OpenAI warnt vor den Gefahren der eigenen Technologie. Für Anleger heißt das: Wachsamkeit zahlt sich aus. Nestlés Umbau könnte gelingen – oder an der Umsetzung scheitern. Airbus' Triebwerks-Problem ist lösbar, kostet aber Zeit und Geld. Und die KI-Regulierung wird kommen, die Frage ist nur, wie streng sie ausfällt.

In den kommenden Tagen dürfte die Berichtssaison weiter für Bewegung sorgen. Morgen stehen wichtige US-Inflationsdaten an – der PCE-Preisindex, die bevorzugte Messgröße der Fed. Sollte die Inflation hartnäckig bleiben, könnte das die Zinshoffnungen weiter dämpfen. Bis dahin bleibt die Devise: Diversifikation, Geduld und ein kühler Kopf.

Beste Grüße und einen erfolgreichen Handelstag,

Andreas Sommer