Nebius hat in Missouri grünes Licht für sein bislang größtes KI-Rechenzentrumsprojekt in den USA bekommen. Der Stadtrat von Independence stimmte einem Förderpaket zu – ein wichtiger Baustein für den schnellen Kapazitätsausbau, den das Unternehmen wegen hoher Nachfrage dringend braucht. An der Börse kam das klar positiv an. Doch kann Nebius die Milliardeninvestitionen auch wie geplant in zusätzliche Rechenleistung und am Ende in Umsatz ummünzen?

Grünes Licht für „Project Independence“

Der Stadtrat von Independence (Missouri) genehmigte am Mittwoch einen „Chapter 100“-Förderplan für den geplanten KI-Campus „Project Independence“. Nach Fertigstellung soll es der größte US-Standort von Nebius werden.

Geplant sind bis zu 1,2 Gigawatt Kapazität auf rund 400 Acres. In der Bauphase erwartet die Stadt etwa 1.200 Jobs, nach Abschluss rund 130 dauerhafte Hightech-Stellen. Nebius setzt auf ein geschlossenes Kühlsystem, um den Wasserverbrauch zu senken, sowie auf Lärmminderung. Über 20 Jahre sollen über sogenannte PILOT-Zahlungen (Payments in Lieu of Taxes) mehr als 650 Mio. US-Dollar an Stadt und lokale Schulbezirke fließen.

CEO Arkady Volozh sprach von einem Meilenstein und betonte, es sei das erste Projekt dieser Größenordnung, aber nicht das letzte. Die Entscheidung umfasst auch Steueranreize – ein relevanter Punkt, weil Nebius beim schnellen Wachstum weiterhin Geld verbrennt.

Kursreaktion: zweistellig im Plus

Die Aktie sprang nach der Nachricht intraday um bis zu 10,3% an. Am Vormittag lag sie noch rund 9,9% höher bei etwa 97,75 US-Dollar.

Die Spanne der vergangenen 52 Wochen reichte von 18,31 bis 141,10 US-Dollar – ein Hinweis darauf, wie stark die Bewertung im Sog des KI-Infrastrukturbooms schwankt.

Wachstum stark – Umsetzung bleibt das Nadelöhr

Im Februar meldete Nebius für das vierte Quartal 2025 einen bereinigten Verlust von 0,68 US-Dollar je Aktie und lag damit besser als die erwarteten 1,14 US-Dollar Verlust. Beim Umsatz verfehlte das Unternehmen jedoch die Schätzungen: 227,7 Mio. US-Dollar standen 246,04 Mio. US-Dollar Konsens gegenüber.

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Operativ bleibt das Wachstum auffällig: Der Quartalsumsatz stieg um 547% gegenüber dem Vorjahr und um 56% gegenüber dem Vorquartal. Der Kernbereich AI Cloud legte um mehr als 800% zu und machte etwa 94% des Konzernumsatzes aus. Nebius erklärte, die Nachfrage habe die Kapazität überstiegen; die Plattform sei im Quartal am Limit gelaufen.

Zum Jahresende erreichte der annualisierte Umsatz-Run-Rate 1,25 Mrd. US-Dollar. Das lag über der vorherigen Prognose von 0,9 bis 1,1 Mrd. US-Dollar und war mehr als doppelt so hoch wie im dritten Quartal. Auch die Profitabilität zog an: Die EBITDA-Marge im Kerngeschäft stieg auf 24%, zudem erzielte Nebius erstmals in einem Quartal ein positives bereinigtes EBITDA.

Auftragsbuch über 20 Mrd. Dollar – aber CapEx riesig

Ein Treiber für den Optimismus ist das bereits zugesagte Vertragsvolumen: Nebius hat einen Fünfjahresvertrag mit Meta über 3 Mrd. US-Dollar (unterzeichnet im November 2025) sowie einen separaten Fünfjahrespakt mit Microsoft im Wert von über 19 Mrd. US-Dollar. Zusammen ergibt das einen gebuchten Auftragsbestand von mehr als 20 Mrd. US-Dollar.

Die erste Lieferung an Microsoft wurde laut Unternehmen planmäßig im November 2025 abgeschlossen, weitere Tranchen sollen über 2026 folgen. Im Earnings Call sagte das Management außerdem, die Zahl der Verträge mit Laufzeiten von mehr als zwölf Monaten habe sich gegenüber dem dritten Quartal nahezu verdoppelt, der durchschnittliche Verkaufspreis sei um mehr als 50% gestiegen.

Für die Expansion sicherte sich Nebius zudem 700 Mio. US-Dollar Finanzierung von Nvidia und erhielt Zugang zu High-End-GPUs; als Rabatt wurden rund 20.000 US-Dollar pro Einheit genannt.

Für 2026 ist die Messlatte hoch: Nebius peilt 3,0 bis 3,4 Mrd. US-Dollar Umsatz an, ein ARR von 7 bis 9 Mrd. US-Dollar zum Jahresende sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 40%. Gleichzeitig sollen die Rechenzentrumsstandorte auf 16 steigen (von sieben in 2025) und die aktive Kapazität bis Ende 2026 auf 800 Megawatt bis 1 Gigawatt wachsen (von 170 Megawatt zum Vorjahresende).

Der Preis dafür ist enorm: Die geplanten Investitionen (CapEx) für 2026 liegen bei 16 bis 20 Mrd. US-Dollar. Nebius sagt, rund 60% der benötigten Mittel seien bereits gesichert. Zusätzlich erhielt das Unternehmen im vierten Quartal etwa 830 Mio. US-Dollar an Kundenanzahlungen, die den Ausbau finanzieren und die Abhängigkeit von externen Kapitalmärkten senken sollen.

Für das Missouri-Projekt ist die Stromanlieferung ab der zweiten Jahreshälfte 2026 vorgesehen; der vollständige Hochlauf des Campus kann sich bis 2029 ziehen. Parallel werden Europa-Pläne konkreter, etwa mit einem neuen Rechenzentrumsprojekt in Frankreich mit 240 Megawatt, das nach Fertigstellung zu den größten Standorten in Europa zählen soll.

Mit der Stadtratsfreigabe ist der Weg für den Bau des Gigawatt-Campus in Missouri frei – und damit für den nächsten Kapazitätssprung. Entscheidend bleibt, ob Nebius die geplanten Ausgaben von 16 bis 20 Mrd. US-Dollar in 2026 wie vorgesehen in zusätzliche Megawatt umsetzt und die bereits zugesagten Verträge (über 20 Mrd. US-Dollar) über die Liefertranche in 2026 und den Ramp bis 2029 planmäßig in Umsatz überführt.

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