Wall Street setzt weiter auf Microsoft, gleichzeitig rückt ein milliardenschwerer Rechtsstreit mit Elon Musk näher. Vor den Quartalszahlen Ende Januar treffen hohe Gewinnerwartungen auf juristische Unsicherheit rund um die KI-Partnerschaft mit OpenAI. Wie stark belastet diese Kombination die Investmentstory?

Analysten bleiben zuversichtlich

Seit Jahresbeginn hat die Microsoft-Aktie rund 4 % nachgegeben. Die Einschätzungen der großen Investmentbanken bleiben dennoch deutlich positiv. Mehrere Häuser sehen zweistellige Kurspotenziale gegenüber dem aktuellen Niveau um 460 US-Dollar.

Wichtige Kursziele im Überblick:

  • Goldman Sachs: 655 US-Dollar (Buy-Rating)
  • Morgan Stanley: 650 US-Dollar (Overweight)
  • Wedbush: 625 US-Dollar (Outperform)
  • Barclays: 610 US-Dollar (Overweight)
  • J.P. Morgan: 575 US-Dollar (Buy)

Der Median der Kursziele liegt bei rund 630 US-Dollar und entspricht damit einem theoretischen Aufwärtspotenzial von mehr als 30 % gegenüber dem aktuellen Kurs.

Musk-Klage als Unsicherheitsfaktor

Für zusätzliche Nervosität sorgt eine neue Klage von Elon Musk gegen OpenAI und Microsoft. Musk fordert laut Gerichtsdokumenten Schadenersatz in einer Spanne von 79 bis 134 Milliarden US-Dollar. Davon sollen 13,3 bis 25,1 Milliarden US-Dollar explizit auf Microsoft entfallen. Er begründet dies mit angeblich „unrechtmäßigen Gewinnen“ aus seiner frühen Unterstützung von OpenAI.

Kern der Klage ist der Vorwurf, OpenAI habe mit der Umstrukturierung hin zu einer gewinnorientierten Einheit seinen ursprünglichen Non-Profit-Auftrag verletzt. Ein Geschworenenprozess vor einem Gericht in Oakland, Kalifornien, soll im April 2026 beginnen. OpenAI bezeichnet die Klage als „haltlos“ und Teil eines „anhaltenden Musters von Schikanen“.

Microsoft und OpenAI versuchen, den von Musk benannten Schadenersatzexperten C. Paul Wazzan aus dem Verfahren herauszuhalten. In einem Antrag an das Gericht argumentieren sie, seine Berechnungen seien „frei erfunden“ und „nicht verifizierbar“. Zudem kritisieren sie, seine Methodik blende die Leistungen der Entwickler von ChatGPT aus und setze deren Beitrag faktisch auf „null“.

KI und Cloud als Wachstumstreiber

Trotz der rechtlichen Risiken sehen Investmentbanken die langfristige KI-Story bei Microsoft als intakt. Goldman Sachs hält das Marktpotenzial für unterschätzt und verweist vor allem auf die breite Nutzung der Copilot-Produkte.

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Ausgewählte Kennzahlen:

  • Copilot kommt auf 100 Millionen monatlich aktive Nutzer in Unternehmens- und Privatkundensegmenten.
  • Über 90 % der Fortune-500-Unternehmen setzen die Technologie ein.
  • GitHub Copilot erreichte bis Ende 2025 rund 26 Millionen Nutzer.

Wedbush-Analyst Dan Ives rechnet damit, dass Copilot zusammen mit Azure bis zum Geschäftsjahr 2026 zusätzliche Umsätze von rund 25 Milliarden US-Dollar bringen könnte. Goldman Sachs skizziert in einem positiven Szenario einen Gewinn je Aktie von über 35 US-Dollar im Geschäftsjahr 2030, was einem EPS-Wachstum von mehr als 20 % entspräche.

Azure hat im Geschäftsjahr 2025 bereits mehr als 75 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt. Über die Foundry-APIs wurden 500 Billionen Tokens verarbeitet – ein siebenfacher Anstieg. Diese Zahlen unterstreichen, wie stark das Cloud-Geschäft mit KI-Anwendungen verflochten ist.

Ausbau der Rechenzentren

Parallel dazu treibt Microsoft den Ausbau seiner Infrastruktur voran. Unter dem Label „Community-First AI Infrastructure“ will der Konzern Rechenzentren in den USA mit einem Fokus auf „verantwortungsvolle“ Entwicklung errichten.

Konkrete Projekte:

  • Neue Region East US 3 im Großraum Atlanta, geplanter Start Anfang 2027.
  • Zusätzliche Availability Zones in North Central US bis Ende 2026.
  • Erweiterungen in West Central US für Anfang 2027.

Ein Rechenzentrumsprojekt auf einem 237 Acre großen Gelände in Michigan sorgt bei einigen Investoren für Fragen zu den langfristigen Energiekosten der Infrastruktur.

Bewertung und anstehende Zahlen

Der nächste entscheidende Termin ist der Quartalsbericht für das zweite Geschäftsquartal 2026 am 28. Januar. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hatte Microsoft sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis je Aktie die Erwartungen übertroffen – um 3,03 % beziehungsweise 12,73 %. Dennoch verlor die Aktie seit der Veröffentlichung dieser Zahlen rund 15 %, vor allem wegen Bedenken zu den hohen Investitionen in KI-Infrastruktur.

Aktuell wird der Titel mit dem rund 28-Fachen der erwarteten bereinigten Gewinne gehandelt. Das liegt etwa 12 % unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Bei einer Marktkapitalisierung von 3,4 Billionen US-Dollar und einer 52-Wochen-Spanne von 344,79 bis 555,45 US-Dollar bewegt sich der Kurs damit näher am unteren Ende als an den Höchstständen vom Juli 2025.

Für die kommenden Wochen dürfte sich viel daran entscheiden, ob Microsoft mit den Q2-Zahlen sowohl die hohen KI-Erwartungen der Analysten bestätigt als auch die Sorgen um steigende Infrastrukturkosten relativieren kann.

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