Microsoft dürfte aufgeatmet haben, als Google seine Wettbewerbsbeschwerde in der EU zurückzog – doch die Erleichterung könnte trügerisch sein. Denn der Rückzieher kommt aus einem einfachen Grund: Die Europäische Kommission hat die Sache selbst in die Hand genommen und ermittelt nun direkt gegen Microsofts Cloud-Geschäft Azure. Aus einem Streit zwischen Konzernen wurde ein handfestes Regierungsverfahren. Paradox: Die Aktie stieg am Freitag trotzdem um 1,3 Prozent auf 492 Dollar. Haben Anleger die Brisanz unterschätzt – oder trauen sie Microsoft zu, auch diesen Kampf zu gewinnen?

Google zieht sich zurück – weil Brüssel übernimmt

Google hatte Ende 2024 bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Microsoft eingereicht. Der Vorwurf: Restrictive Lizenzpraktiken würden Kunden faktisch in Azure einsperren. Wer seine Workloads auf Microsofts Cloud-Plattform betreibt, muss bei einem Wechsel zu Google Cloud oder AWS mit enormen Kosten und technischen Hürden rechnen. Nun erklärt Google, die eigene Beschwerde sei überflüssig geworden – die Kommission untersuche die „problematischen Praktiken" offiziell. Mit anderen Worten: Brüssel hat die Anklagebank übernommen.

Das ist kein Freispruch für Microsoft, sondern eine Eskalation. Die EU-Kommission kann empfindliche Geldstrafen verhängen und strukturelle Änderungen erzwingen – Möglichkeiten, die Google als Wettbewerber nie hatte. Anleger reagierten dennoch positiv: Die Aktie kletterte im Tagesverlauf stetig und schloss nahe dem Tageshoch. Offenbar wird die Beilegung des öffentlichen Streits mit Google höher bewertet als die drohende Regulierung aus Brüssel.

Azure im Fadenkreuz – schon wieder

Für Microsoft ist die Situation nicht neu. 2024 einigte sich der Konzern mit dem europäischen Cloud-Anbieterverband CISPE, zahlte eine Vergleichssumme und justierte seine Lizenzpolitik. Google weigerte sich damals, diesem Vergleich beizutreten, und beharrte darauf, dass die grundlegenden wettbewerbsverzerrenden Strukturen fortbestehen. Die EU-Kommission scheint diese Einschätzung nun zu teilen.

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Das Timing ist heikel: Azure ist Microsofts Wachstumstreiber, eng verzahnt mit den KI-Diensten rund um „Copilot" und OpenAI. Konkurrenten wie AWS führen zwar den Markt an, doch Azure holt rasant auf – unter anderem durch die Integration mit Office 365 und Windows. Genau diese Bündelung steht im Zentrum der Kritik: Microsoft nutze seine Dominanz in Produktivitätssoftware, um Unternehmenskunden systematisch Richtung Azure zu lenken.

Altbekanntes Muster: Microsoft und Kartellbehörden

Microsoft kennt diese Melodie. Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre musste der Konzern einen jahrelangen Kartellprozess in den USA und Europa durchstehen – Thema damals: die Bündelung des Internet Explorers mit Windows. Die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 492 Dollar pro Aktie spiegelt jedoch das Vertrauen wider, dass Microsoft auch diesmal glimpflich davonkommt oder zumindest sein KI-getriebenes Wachstum fortsetzen kann.

Wesentliche Faktoren:
* Die EU-Untersuchung könnte Monate oder Jahre dauern – kurzfristig bleibt die Unsicherheit bestehen
* Analysten setzen weiterhin auf Azures Umsatzwachstum und die Monetarisierung von Copilot
* Eventuelle Strafzahlungen oder Lizenzänderungen könnten Cloud-Margen belasten
* Nächster Katalysator: Quartalszahlen, die zeigen, ob Microsoft präventiv flexiblere Konditionen anbietet

Ruhe vor dem Sturm?

Der Kursanstieg am Freitag mag auf den ersten Blick seltsam wirken. Doch Investoren dürften davon ausgehen, dass Microsoft genug finanzielle und juristische Feuerkraft besitzt, um die Auseinandersetzung zu steuern. Die zentrale Frage lautet: Kann der Konzern seine marktbeherrschende Stellung in der Cloud verteidigen, ohne dabei das europäische Geschäft zu gefährden – oder droht ein kostspieliger Kompromiss, der Azure-Kunden künftig leichter zur Konkurrenz abwandern lässt? Die Antwort darauf wird Brüssel liefern.

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