Microsoft startet mit Rückenwind ins Jahr 2026. Nach soliden, aber im Vergleich zum S&P 500 leicht schwächeren Kursgewinnen rückt nun weniger die Vergangenheit als die Perspektive ins Zentrum: Kann der Softwarekonzern seine enorme KI-Infrastruktur so monetarisieren, dass das aktuelle Bewertungsniveau gerechtfertigt bleibt? Die Antwort hängt vor allem an Azure, der OpenAI-Partnerschaft und der Umsetzung der KI-Strategie im Kerngeschäft.

Bewertung und Analystenstimmung

An der Wall Street gilt der Titel derzeit vielen als attraktiver KI-Wert mit Bewertungsrabatt im historischen Vergleich. Die Aktie wird unter ihrem Fünfjahresdurchschnitt beim Forward-KGV von 32 gehandelt, obwohl die operativen Kennzahlen klar nach oben zeigen.

Mehrere Analysten haben ihre Kursziele für Ende 2026 deutlich nach oben gezogen. Ein auf Seeking Alpha veröffentlichter Ansatz sieht den fairen Wert bei 595 US‑Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 22 % entspricht. Im breiten Konsens liegt das durchschnittliche Kursziel sogar bei 631,03 US‑Dollar, bei einem Rating-Spektrum, das insgesamt einem „Moderate Buy“ entspricht.

Auffällige Einzelstimmen:

  • Arete Research erhöhte das Kursziel auf 730 US‑Dollar
  • Evercore ISI setzte 640 US‑Dollar an
  • Wedbush bestätigt „Outperform“ mit Ziel 625 US‑Dollar
  • Raymond James senkte zwar sein Ziel auf 600 US‑Dollar, blieb aber ebenfalls bei „Outperform“

Trotz leichter Differenzen im Detail überwiegt damit klar ein optimistischer Blick auf den weiteren Kursverlauf.

Starke Zahlen zum Start ins Fiskaljahr

Fundamentale Grundlage dieses Optimismus sind die Zahlen des ersten Fiskalquartals 2026 (per 30. September 2025). Microsoft legte bei allen zentralen Kennziffern spürbar zu und übertraf die Erwartungen.

Wesentliche Daten:

  • Umsatz: 77,67 Mrd. US‑Dollar (+18 % gegenüber Vorjahr)
  • Gewinn je Aktie (EPS): 4,13 US‑Dollar (deutlich über dem Konsens von 3,65 US‑Dollar)
  • Operatives Ergebnis: 38 Mrd. US‑Dollar (+24 %)
  • Nettomarge: 35,71 %
  • Eigenkapitalrendite (ROE): 32,45 %

Besonders wichtig für die mittelfristige Perspektive ist der Blick auf wiederkehrende und bereits vertraglich gesicherte Umsätze. Der Cloud-Bereich brachte 49,1 Mrd. US‑Dollar ein, ein Plus von 26 %. Die sogenannten „Remaining Performance Obligations“ im kommerziellen Geschäft, also vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze, schossen um 51 % auf 392 Mrd. US‑Dollar nach oben. Das deutet auf anhaltend kräftiges Wachstum in den kommenden Jahren hin.

Azure, OpenAI und der KI-Schub

Wachstumstreiber Nummer eins bleibt der Bereich „Intelligent Cloud“. Azure und andere Cloud-Dienste steigerten ihre Erlöse um 40 % im Jahresvergleich. Laut CEO Satya Nadella stammt ein wesentlicher Teil der Dynamik aus KI-Workloads, die sich quer über alle Kundensegmente ziehen.

Zentral ist dabei die Zusammenarbeit mit OpenAI. Das Unternehmen hat laut Nadella zusätzliche Azure-Dienstleistungen im Umfang von 250 Mrd. US‑Dollar vertraglich vereinbart. Microsoft verfügt hier über exklusive Rechte an geistigem Eigentum und API-Zugängen, die zunächst bis 2030 gesichert sind. Eine separate Vereinbarung dehnt die Exklusivität für Modelle und Produkt-IP sogar bis 2032 aus. Das verschafft Microsoft in der Infrastruktur für generative KI einen strukturellen Vorteil gegenüber Wettbewerbern.

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Um diese Rolle abzusichern, dreht der Konzern massiv an der Investitionsschraube. Die Investitionen in Sachanlagen erreichten im Quartal fast 35 Mrd. US‑Dollar, ein Plus von 74 % gegenüber dem Vorjahr. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem Ausbau von Rechenzentren und KI-spezifischer Infrastruktur.

Für die nächsten Quartale gibt das Management ambitionierte Ziele aus: Der Bereich Intelligent Cloud soll im kommenden Quartal um 25 % wachsen, die Sparte „Productivity & Business Processes“ (unter anderem Office und verwandte Anwendungen) um 15 %.

Wachstumshebel 2026

Neben der Infrastruktur nennt Microsoft mehrere konkrete Katalysatoren für 2026:

  • Copilot-Monetarisierung: Der KI-Assistent wird schrittweise über Microsoft 365 und verschiedene Business-Anwendungen ausgerollt und als Zusatzfunktion monetarisiert.
  • Azure AI Foundry: Eine neue Plattform, mit der Unternehmenskunden eigene KI-Anwendungen und -Agenten entwickeln und betreiben können.
  • Vertiefte OpenAI-Partnerschaft: Erweiterte Rechte an Modellen und Produkten bis 2032 sollen sicherstellen, dass neue KI-Generationen direkt in die Microsoft-Plattform einfließen.
  • Breite Unternehmensbasis: Bereits über 80.000 Unternehmenskunden nutzen entsprechende Angebote, darunter 80 % der Unternehmen im Fortune‑500‑Index.

Diese Kombination aus technischer Plattform, exklusiven Modellen und starker Verankerung im Unternehmenskundengeschäft gilt vielen Marktteilnehmern als Kernelement der Investmentstory.

Institutionelle Unterstützung und Kursbild

Auch die Eigentümerstruktur stützt das positive Bild. Institutionelle Investoren halten mehr als 71 % der ausstehenden Aktien. Im dritten Quartal haben große Adressen ihre Positionen teils kräftig ausgebaut: Vanguard kommt auf 705 Mio. Aktien im Wert von über 350 Mrd. US‑Dollar, State Street hält 299 Mio. Papiere, dazu kommen Zukäufe unter anderem von UBS. Über 90 % der Analysten, die den Wert begleiten, vergeben Ratings im Bereich „Buy“ oder „Strong Buy“.

Am Markt spiegelt sich das in einem stabilen Aufwärtstrend wider. Die Aktie notiert aktuell bei 483,62 US‑Dollar und damit nahe an ihrem 52‑Wochen-Hoch, gleichzeitig aber deutlich über den gleitenden Durchschnitten – ein Hinweis auf eine bereits gelaufene, aber weiterhin intakte Aufwärtsbewegung.

Risiken: Konkurrenz, Regulierung und Bewertung

Trotz der starken fundamentalen Entwicklung bleiben Risiken, die Anleger nicht ausblenden können. In den vergangenen 90 Tagen summierten sich Insiderverkäufe auf 27,6 Mio. US‑Dollar. Unter den Verkäufern waren auch CEO Judson Althoff und Präsident Bradford Smith. Das ist für sich genommen noch kein Alarmsignal, zeigt aber, dass das Management Teile seiner Bestände zu aktuellen Kursen realisiert.

Auf der Wettbewerbsseite steigt der Druck. Neue, gut finanzierte Wettbewerber wie xAI drängen in den Markt für generative KI und entsprechende Infrastrukturangebote. Je stärker sich dieses Segment öffnet, desto wichtiger wird es für Microsoft, technologische Vorsprünge und Plattformvorteile zu halten.

Hinzu kommt regulatorischer Gegenwind. Sowohl die US‑Wettbewerbsbehörde FTC als auch die EU-Kommission schauen sich Praktiken rund um Produktbündelung und Cloud-Lizenzierung genauer an. Mögliche Auflagen könnten die Gestaltung von Angeboten einschränken oder zusätzliche Kosten verursachen.

Schließlich ist auch die Bewertung ein Thema. Mit einem aktuellen KGV von 34,40 liegt die Aktie über ihrem historischen Durchschnitt von 31. Einige Investoren sehen hier bereits eine „Prämie“, die nur durch nachhaltigen KI-Erfolg und anhaltend zweistellige Wachstumsraten gerechtfertigt werden kann.

Fazit: Premium-Titel mit KI-Bewährungsprobe

Unterm Strich geht Microsoft mit einem kräftigen Fundament, einer dominanten Cloud-Plattform und einer tief verankerten KI-Strategie ins Jahr 2026. Die Kombination aus hohem Wachstum im Cloud-Segment, exklusiven OpenAI-Rechten und einer breiten Unternehmensbasis liefert nachvollziehbare Argumente für eine Bewertungsprämie. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird jedoch sein, wie schnell und umfangreich sich KI-Funktionen wie Copilot und Azure AI Foundry in messbare Erlöse und Gewinne übersetzen – davon hängt ab, ob die Aktie wieder in Richtung ihres Allzeithochs aus dem Juli 2025 durchstarten kann.

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