Microsoft startet in eine ungewöhnlich wichtige Woche. Am Mittwoch legt der Konzern seine Zahlen für das zweite Quartal des Fiskaljahres 2026 vor – mitten in einer Phase, in der die Aktie nach einer deutlichen Korrektur und hoher KI-Euphorie neu bewertet wird. Im Zentrum steht eine Frage: Reicht das Wachstum im Cloud- und KI-Geschäft aus, um den jüngsten Rücksetzer zu rechtfertigen oder sogar zu drehen?

Azure und KI als Taktgeber

Die kommenden Quartalszahlen drehen sich im Kern um Azure. Das Management hat für das laufende Quartal ein Umsatzwachstum von 37 % in der Cloud-Sparte in Aussicht gestellt, nach 40 % im vorherigen Quartal. Es wäre also eine leichte Verlangsamung – aber weiterhin auf hohem Niveau.

Wesentliche Erwartungen für den Mittwoch:

  • Ergebnis je Aktie (EPS): 3,88–3,91 US-Dollar (Konsens), rund 20 % Wachstum im Jahresvergleich
  • Konzernumsatz: 80,23–80,3 Milliarden US-Dollar, etwa 15 % Plus zum Vorjahr
  • Intelligent Cloud Umsatz: ca. 32,41 Milliarden US-Dollar erwartet, ein Zuwachs von 26,9 %
  • Commercial Remaining Performance Obligations (RPO): zuletzt knapp 400 Milliarden US-Dollar, also ein sehr hoher Auftrags- und Verbindlichkeitsbestand

Die Nachfrage nach Azure, insbesondere für KI-Workloads, übersteigt laut jüngsten Unternehmensangaben weiterhin das verfügbare Angebot. Der kommerzielle Auftragsbestand ist stark gewachsen – vor allem durch langfristige Azure-Zusagen großer KI-Player. Genau hier entscheidet sich, ob die Wachstumsstory trägt.

Analysten: Kursziele runter, Grundhaltung positiv

Kurz vor den Zahlen haben mehrere Häuser ihre Kursziele gesenkt, die grundsätzliche Einstufung aber beibehalten. UBS reduzierte das Ziel von 650 auf 600 US-Dollar, Cantor Fitzgerald von 639 auf 590 US-Dollar – beide bleiben bei „Buy“.

Diese Anpassungen spiegeln vor allem die Sorge wider, dass Softwarebewertungen insgesamt unter Druck stehen, weniger spezifische Microsoft-Probleme. Mizuho-Analyst Gregg Moskowitz senkte sein Ziel von 640 auf 620 US-Dollar. Hintergrund: Channel-Checks deuten auf ein „langsamer als üblich“ wachsendes IT-Budget hin, trotz starker KI-Nachfrage.

Auf der anderen Seite steht ein weiterhin konstruktiver Bullen-Case. Jefferies-Analyst Brent Thill hält an einem Kursziel von 675 US-Dollar fest. Er verweist darauf, dass die Aktie seit den Q1-Zahlen um 18 % zurückgekommen ist, obwohl Microsoft sich 250 Milliarden US-Dollar an OpenAI-Verpflichtungen und 30 Milliarden US-Dollar an Anthropic-Azure-Verträgen gesichert hat. Parallel dazu hat sich das Bewertungsmultiple um 23 % verringert, weil viele Investoren in Richtung Halbleiterwerte umgeschichtet haben.

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In Summe bleiben 32 von 34 Analysten mit „Buy“ dabei, zwei empfehlen „Halten“. Das durchschnittliche Kursziel von 626,14 US-Dollar signalisiert aus Sicht des Konsenses weiter deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau.

Bewertung: Rabatt zum Fünfjahresschnitt

Der jüngste Rückgang hat auch die Bewertung spürbar verändert. Die Aktie wird aktuell mit rund dem 28,5-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – zuvor lag das KGV vor der Korrektur im Oktober über 32. Im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt von 31,5 ergibt sich damit ein Bewertungsabschlag.

Auf Basis der vergangenen Gewinne liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 32. Das ist weiterhin ein Aufschlag auf den Gesamtmarkt. Befürworter argumentieren jedoch, dass das KI-Potenzial und die laufenden Infrastrukturinvestitionen diesen Premium-Multiplikator stützen.

Zum Wochenschluss lag die Aktie bei 468,54 US-Dollar und damit knapp 4 % unter dem 52-Wochen-Hoch, aber deutlich über dem 52-Wochen-Tief. Im bisherigen Jahresverlauf ist die Performance leicht negativ, nach einem Plus von gut 13 % auf Zwölfmonatssicht.

Hohe Investitionen drücken den Cashflow

Gleichzeitig bleiben die massiven Investitionen eine Belastung für den freien Cashflow. Im vergangenen Quartal meldete Microsoft Investitionsausgaben (Capex) von 34,9 Milliarden US-Dollar – und das Management stellte in Aussicht, diese Summe im Zeitverlauf weiter zu erhöhen.

Geplant ist:

  • eine Ausweitung der gesamten KI-Kapazität um mehr als 80 % in diesem Jahr
  • eine Verdopplung der weltweiten Rechenzentrumsfläche in den kommenden zwei Jahren

Diese Offensive schlägt sich deutlich im Cashflow nieder: Der freie Cashflow entspricht derzeit nur rund 74 % des ausgewiesenen Nettogewinns. Anleger sind gespalten, ob diese Vorleistungen später in entsprechend hohe Renditen münden oder die Marge längerfristig belasten.

Die Woche der Entscheidung

Die anstehende Zahlenvorlage fällt in eine ohnehin dichte Terminlage: Neben Microsoft berichten mehrere Big-Tech-Konzerne, zudem steht eine Zinsentscheidung der US-Notenbank an. Das erhöht die Sensibilität für jede Abweichung von den Erwartungen.

Für die Aktie sind besonders zwei Punkte entscheidend: das tatsächliche Azure-Wachstum inklusive KI-Beitrag und der Ausblick auf Wachstum, Margen und Investitionsvolumen. Kommt es hier zu Enttäuschungen, könnte sich die jüngste Schwächephase fortsetzen. Liefert Microsoft dagegen robuste Wachstumsraten, überzeugende Kommentierung zur KI-Nachfrage und einen planbaren Investitionspfad, wäre in dieser Woche auch eine spürbare Gegenbewegung nach oben durchaus realistisch.

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