Micron sorgt mit einer milliardenschweren Übernahme und massiven Ausbauplänen für Schlagzeilen – doch die Aktie gibt heute deutlich nach. Anleger reagieren auf den Mix aus hochgesteckten Investitionen, langer Umsetzungszeit und bereits stark gelaufenen Kursen.

Die zentralen Punkte im Überblick:

  • Kursrückgang von rund 7,5 % gegenüber Freitag
  • Geplanter Kauf einer PSMC-Fabrik in Taiwan für 1,8 Milliarden US-Dollar
  • HBM-Kapazitäten für das gesamte Geschäftsjahr 2026 bereits ausverkauft
  • Neuer Megafab-Bau in New York mit Gesamtvolumen von 100 Milliarden US-Dollar
  • Wichtige Kapazitätserweiterungen greifen erst ab 2027 spürbar

Übernahme in Taiwan und Kapazitätsaufbau

Micron bestätigt am Wochenende eine weitreichende Kapazitätserweiterung in Asien. Das Unternehmen hat eine Absichtserklärung zum Erwerb der P5-Fertigung in Tongluo, Taiwan, von Powerchip Semiconductor Manufacturing (PSMC) unterzeichnet. Das Geschäft soll vollständig in bar bezahlt werden und hat ein Volumen von 1,8 Milliarden US-Dollar.

Strategisch sichert sich Micron damit einen bestehenden 300-mm-Reinraum. Das Unternehmen spart damit die Zeit, die ein kompletter Neubau üblicherweise beanspruchen würde. Der Zeitplan bleibt dennoch anspruchsvoll: Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Quartal 2026 vorgesehen, ein nennenswerter Beitrag zur DRAM-Waferproduktion wird jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet. Grund sind umfangreiche Umrüstungen auf die eigenen Prozesstechnologien.

Der Standort soll vor allem der stark steigenden Nachfrage nach High Bandwidth Memory (HBM) und Standard-DRAM für KI-Rechenzentren dienen. Micron positioniert die Fabrik damit klar als Baustein für das Infrastrukturwachstum im KI-Bereich.

Enger Speichermarkt, begrenzter Spielraum

Parallel zur Übernahmeankündigung hebt das Management erneut die Knappheit am globalen Speichermarkt hervor. Nach Unternehmensangaben ist die gesamte HBM-Produktion für das Geschäftsjahr 2026 faktisch ausverkauft. Micron spricht von einem beispiellosen Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage.

Diese Konstellation stärkt die Preissetzungsmacht, begrenzt aber kurzfristig das Umsatzpotenzial, da die vorhandenen Kapazitäten bereits voll verplant sind. Zusätzliche Erlöse lassen sich damit erst heben, wenn neue Fertigungslinien wie die P5-Fabrik in Taiwan produktiv werden.

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„Sell the News“ nach Rekordlauf

Der heutige Rückgang steht im deutlichen Gegensatz zur Entwicklung Ende letzter Woche. Am Freitag schoss die Aktie bis auf 362,75 US-Dollar nach oben. Auslöser war unter anderem der offizielle Spatenstich für den geplanten Megafab-Komplex im US-Bundesstaat New York.

In Clay startet Micron den Bau eines Halbleiterstandorts mit einem geplanten Investitionsvolumen von 100 Milliarden US-Dollar. Nach Unternehmensangaben soll es sich um die größte Halbleiterfertigung in der Geschichte der USA handeln. Vertreter aus Politik und Industrie begleiteten den Auftakt der Bauarbeiten.

Mit der Wiederaufnahme des Handels nach dem Martin-Luther-King-Feiertag dreht die Stimmung allerdings. Die heutige Kursbewegung deutet auf ein klassisches „Sell the News“-Verhalten hin: Nach dem starken Anstieg und den sehr hohen Kursniveaus nehmen Anleger Gewinne mit.

Einige Punkte stehen dabei im Vordergrund:

  • Zeitachse: Die nun angekündigte Fabrikübernahme in Taiwan entschärft die aktuelle Angebotsknappheit nicht kurzfristig. Bedeutende zusätzliche DRAM-Kapazität ist erst ab Ende 2027 zu erwarten.
  • Bewertung: Nach dem Anstieg auf 362,75 US-Dollar galt die Bewertung als ambitioniert. Der Rücksetzer in den Bereich um 335 US-Dollar führt die Kennzahlen näher an historische Durchschnitte heran. Laut Analysten bleibt das vorausschauende Kurs-Gewinn-Verhältnis mit rund dem 11-Fachen der erwarteten Gewinne allerdings weiter attraktiv, gemessen an den Wachstumsaussichten.

Ausblick und charttechnische Marken

Der Halbleitersektor bleibt im Zeichen des viel diskutierten „AI Supercycle“ schwankungsanfällig. Micron setzt zugleich auf zwei große Ausbaulinien: in den USA mit dem Megafab in New York und in Asien mit dem Zukauf der P5-Fabrik in Taiwan. Diese Doppelstrategie stärkt die Ausgangsposition für die kommenden Jahre, erhöht aber auch die Anforderungen an Umsetzung und Kostenkontrolle.

Charttechnisch rückt kurzfristig die Zone um 330 US-Dollar in den Fokus. Marktteilnehmer beobachten diese Marke als zentrale Unterstützung. Ein Bruch nach unten könnte auf eine ausgedehntere Konsolidierung hindeuten, während eine Stabilisierung darüber den übergeordneten Aufwärtstrend bestätigt.

Wesentliche Kurstreiber in den nächsten Monaten sind:

  • Der Vollzug der PSMC-Transaktion im zweiten Quartal 2026
  • Fortschrittsmeldungen zur Integration und Umrüstung der taiwanesischen Fabrik
  • Die Entwicklung der Profitabilität, insbesondere der Bruttomargen, die im zweiten Quartal auf etwa 67 % zusteuern sollen

Damit hängt die weitere Bewertung wesentlich daran, ob Micron die hohen Margen im laufenden Investitionszyklus halten und die angekündigten Kapazitätserweiterungen wie geplant an den Markt bringen kann.

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