MDAX gespalten: Evonik und Lanxess im Aufwind, Renk stürzt ab
Chemieaktien steigen koordiniert, Rüstungswerte verlieren kräftig — der MDAX zeigt sich am Donnerstag tief gespalten. Während Analystenaufstufungen und Preiserhöhungen den Chemiesektor beflügeln, kämpfen Industrietitel mit enttäuschenden Prognosen und Margendruck. Ein Blick auf die sechs auffälligsten Werte des Tages.
Evonik: Barclays-Upgrade trifft auf Methionin-Wende
Evonik gehört mit einem Kursplus von rund 2,5 Prozent auf 15,66 Euro zu den Tagesgewinnern. Der Impuls kam von Barclays: Die britische Investmentbank hob die Aktie auf Overweight und erhöhte das Kursziel von 16 auf 17 Euro. Zentrale Argumente sind die Trendwende bei Methionin-Preisen und eine nachlassende Belastung durch Gaskosten.
Methionin — ein essenzielles Futtereiweiß in der Tierernährung — drückte lange auf die Margen des Essener Konzerns. Überkapazitäten sorgten für niedrige Preise. Geopolitische Verwerfungen rund um die Straße von Hormus haben die Angebotsseite nun verknappt. Für Evonik bedeutet das: höhere Verkaufspreise bei gleichzeitig sinkenden Energiekosten.
Operativ steht der Konzern auf solidem Fundament. Die Prognose für 2025 — ein bereinigtes EBITDA von rund 1,9 Milliarden Euro — wurde mit 1,87 Milliarden Euro weitgehend erreicht. Das Transformationsprogramm „Evonik Tailor Made" soll nach Abschluss 2026 jährliche Einsparungen von 400 Millionen Euro liefern, wobei rund 2.000 Stellen wegfallen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie gut 17 Prozent zugelegt und notiert deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 14,35 Euro.
Lanxess: Doppel-Upgrade und Short-Squeeze treiben Erholung
Die Lanxess-Aktie setzt ihre bemerkenswerte Aufholjagd fort und gewinnt heute weitere 3,4 Prozent auf 16,96 Euro. Die Wochenbilanz fällt mit einem Plus von über 40 Prozent geradezu spektakulär aus. Hinter der Bewegung steckt ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
JPMorgan vollzog ein Doppel-Upgrade — von Underweight direkt auf Overweight — und erhöhte das Kursziel von 15 auf 18 Euro. Parallel erhöht Lanxess die Preise für anorganische Pigmente, was der Markt als Signal für durchsetzbare Margenverbesserungen liest.
Ein marktmechanischer Faktor verstärkt die Dynamik erheblich: Händler berichten, dass fast ein Drittel der ausstehenden Aktien leerverkauft sein soll. Bei steigenden Kursen müssen diese Positionen eingedeckt werden — ein klassischer Short-Squeeze-Effekt. Die Volatilität der Aktie liegt mit knapp 90 Prozent annualisiert auf einem extremen Niveau.
Fundamental bleibt das Bild allerdings herausfordernd. Nach einem „extrem harten" Geschäftsjahr 2025 rechnet das Management frühestens im zweiten Halbjahr 2026 mit positiven Impulsen — etwa durch das Infrastrukturpaket der Bundesregierung. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht immer noch ein Verlust von über 43 Prozent zu Buche.
Fuchs Petrolub Pref: Solide Jahreszahlen als Stabilitätsanker
Die Vorzugsaktie des Schmierstoffspezialisten legt 2,3 Prozent auf 35,40 Euro zu. Treiber sind überzeugende Jahreszahlen für 2025 — trotz eines Gegenwinds aus US-Zöllen, hohen Energiepreisen und einer schwächelnden Automobilindustrie.
Die Eckdaten im Überblick:
- Umsatz 2025: knapp 3,6 Milliarden Euro (+1 Prozent)
- Operatives Ergebnis (EBIT): 435 Millionen Euro — leicht verbessert, obwohl Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten
- Ausblick 2026: 3,7 Milliarden Euro Umsatz, 450 Millionen Euro EBIT — wohlgemerkt ohne ein besseres Konjunkturumfeld einzupreisen
- Dividende: 23 Jahre in Folge erhöht, seit 25 Jahren nicht gesenkt
In einem Marktumfeld mit annualisierten Schwankungen von knapp 29 Prozent bietet diese Kontinuität ein seltenes Maß an Berechenbarkeit. Vom 52-Wochen-Hoch bei 49,72 Euro ist der Kurs allerdings noch weit entfernt — fast 29 Prozent trennen den aktuellen Kurs von diesem Niveau.
Renk: Größter Tagesverlierer trotz Rekordzahlen
Am anderen Ende der MDAX-Rangliste steht Renk mit einem Minus von 6,8 Prozent auf 48,83 Euro. Der Getriebehersteller ist damit der größte Verlierer des Tages und hat allein in der vergangenen Woche über zehn Prozent eingebüßt.
Das Paradox: Die operativen Zahlen für 2025 sind beeindruckend. 1,37 Milliarden Euro Umsatz, ein Auftragsbestand von 6,68 Milliarden Euro und eine Dividendenerhöhung um 38 Prozent. An Substanz mangelt es nicht.
Der Markt stört sich an etwas anderem. Die Prognose für 2026 lag knapp unter dem Konsens, der Free Cashflow fiel schwächer aus als erwartet. Analyst Jens-Peter Rieck von MWB verwies auf kurzfristigen Margendruck durch eine neue Produktionsstruktur. Die Umstellung auf höhere Kapazitäten verursacht vorübergehende Störungen in der Profitabilität — ein Problem, das Anleger bei einer Aktie nicht tolerieren, die vom Allzeithoch bei 88,73 Euro bereits 45 Prozent verloren hat. Renk notiert mittlerweile deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 62,35 Euro.
Aurubis: Prognose erhöht, Kurs fällt
Aurubis verliert 3,9 Prozent auf 149,30 Euro — und das, obwohl der Hamburger Kupferkonzern operativ liefert. Die Gewinnprognose für 2025/26 wurde deutlich angehoben: Das operative Ergebnis vor Steuern soll nun zwischen 375 und 475 Millionen Euro liegen, nach zuvor 300 bis 400 Millionen Euro. Auf der Hauptversammlung wurde zudem eine Dividendenerhöhung auf 1,60 Euro je Aktie beschlossen.
Warum dann Verkaufsdruck? Die Unsicherheit über die Kupferpreisentwicklung ist erheblich. JP Morgan erwartet für das zweite Quartal 12.500 US-Dollar je Tonne, Goldman Sachs prognostiziert im Jahresdurchschnitt nur rund 10.710 US-Dollar — eine Spanne, die den wichtigsten Ergebnistreiber des Unternehmens zum Unsicherheitsfaktor macht.
Hinzu kommt schlicht die Schwerkraft nach einer beeindruckenden Rallye: Auf Zwölf-Monats-Sicht steht immer noch ein Plus von knapp 60 Prozent. Gewinnmitnahmen nach einem derartigen Anstieg sind nachvollziehbar. Der Kurs ist unter den 50-Tage-Durchschnitt von 162 Euro gerutscht und testet nun die Unterstützung im Bereich des 100-Tage-Durchschnitts bei 142 Euro.
Hensoldt: Volle Auftragsbücher, enttäuschende Margenprognose
Hensoldt gibt 3,5 Prozent auf 71,45 Euro nach. Der Auslöser: Die Veröffentlichung des geprüften Geschäftsberichts für 2025 bestätigt die vorläufigen Zahlen vom Februar — inklusive eines Nettogewinnrückgangs von 106 auf 86 Millionen Euro.
Die Auftragslage ist dabei paradoxerweise hervorragend. Neuaufträge sprangen um 62 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro, der Auftragsbestand wuchs auf 8,83 Milliarden Euro. Das Problem liegt in der Übersetzung dieser Aufträge in Profitabilität: Die EBITDA-Margenprognose von 18,5 bis 19 Prozent für 2026 enttäuschte die Analystenerwartungen spürbar.
CEO Oliver Dörre bezeichnete den Kapazitätsausbau als „Top-Priorität". Aufträge zu gewinnen ist eine Sache — sie effizient abzuarbeiten eine andere. Auf Wochensicht hat das Papier fast zehn Prozent verloren und notiert mittlerweile über 17 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der geopolitische Rückenwind allein reicht offenbar nicht, um die Bewertungskorrektur aufzuhalten.
Chemie gegen Industrie — ein Strukturbruch im MDAX
Der heutige Handelstag verdichtet eine Entwicklung, die sich seit Wochen abzeichnet. Im Chemiesektor greifen Analystenaufstufungen, Preiserhöhungen und sinkende Energiekosten ineinander. Die Kombination erzeugt Momentum, das sich selbst verstärkt.
Bei den Industrietiteln — insbesondere im Rüstungsbereich — zeigt sich das Gegenteil. Rekordaufträge und steigende Umsätze genügen nicht mehr, wenn die Margenerwartungen auch nur knapp verfehlt werden. Nach den Bewertungsexzessen der vergangenen Monate reicht schon eine minimale Enttäuschung, um heftige Korrekturen auszulösen.
Bankhäuser wie Oddo BHF und Berenberg prognostizieren für 2026 ein MDAX-Gewinnwachstum von etwa 30 Prozent. Zwischen dieser optimistischen Schätzung und der Realität einzelner Titel klafft allerdings eine erhebliche Lücke. Für Anleger heißt das: Fundamentale Substanz allein schützt nicht vor Kursverlusten — entscheidend bleibt, ob ein Unternehmen die Messlatte des Marktes überspringen kann. Oder ob es an ihr scheitert.
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