Kratos fällt fast 19 % in einer Woche — fünf Verteidigungs-Aktien unter Druck
Aufträge über Hunderte Millionen Dollar, eine Rekordübernahme und neue Technologiepartnerschaften: Die vergangene Woche lieferte den Verteidigungs-Smallcaps ein Feuerwerk an Katalysatoren. Trotzdem färbte sich das Kursblatt bei vier von fünf Titeln rot. Die Botschaft des Marktes ist klar — Aufträge allein reichen nicht mehr. Gefragt sind Margen, Skalierung und Umsätze, die mit den Bewertungen Schritt halten.
Sektordynamik: Volle Auftragsbücher, steigende Anforderungen
Die NATO-Aufrüstung, Pentagons Modernisierungsprogramme und der globale Drohnen-Boom treiben die Nachfrage nach unbemannten Systemen auf Rekordniveau. Allein der Counter-Drone-Markt übersteigt inzwischen die Marke von 10 Milliarden US-Dollar. Nachfrage ist also nicht das Problem.
Was die Gewinner von den Nachzüglern trennt, lässt sich auf eine Formel bringen:
- Software statt nur Hardware — alle fünf Unternehmen investieren in KI-gestützte, softwarebasierte Plattformen
- Skalierbare Produktion — vom Prototypen zur Serienlieferung ist der kritische Sprung
- Kapitalintensität — Übernahmen und Fertigungsausbau binden enorme Mittel
- Margennachweis — Wachstum ohne Profitabilität wird zunehmend abgestraft
Die Bewertungen der Gruppe spiegeln Wachstumserwartungen wider, nicht aktuelle Gewinne. Das macht die Vertragserfüllung zum zentralen Kurstreiber.
AeroVironment: 135-Millionen-Deal trifft auf enttäuschende Quartalszahlen
Das US-Heer vergab an AeroVironment zwei Aufträge im Gesamtvolumen von rund 135 Millionen US-Dollar. Der größere Vertrag über 117 Millionen Dollar betrifft die Lieferung des P550-Langstrecken-Aufklärungssystems. Der zweite, mit knapp 18 Millionen Dollar dotiert, umfasst das neue Red-Dragon-System — eine vollautonome Einweg-Drohne, die ohne kontinuierliche Steuerung oder Satellitennavigation operiert. Es handelt sich um den ersten bekannten Red-Dragon-Auftrag überhaupt. Das Management sieht Potenzial, die Plattform bis Ende des Jahrzehnts auf Switchblade-Niveau zu skalieren.
Der Kontrast zum operativen Geschäft bleibt allerdings deutlich. Die jüngsten Quartalszahlen vom 10. März verfehlten die Analystenerwartungen: 0,64 Dollar Gewinn je Aktie statt erwarteter 0,68 Dollar, 408 Millionen Umsatz statt prognostizierter 487 Millionen. Trotz eines Umsatzsprungs von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresprognose liegt bei 2,75 bis 3,10 Dollar je Aktie.
BTIG bestätigte nach den Auftragsmeldungen ein Kaufrating mit Kursziel 330 Dollar. Bei einem aktuellen Kurs von 171 Euro notiert die Aktie allerdings rund 52 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 22,5 signalisiert eine deutliche Überverkauft-Situation — ein Niveau, das kurzfristig technische Gegenbewegungen auslösen kann.
Red Cat: Rekordumsatz ohne Prognose — Anleger reagieren gespalten
Red Cat lieferte ein Quartal der Superlative. Der Umsatz im vierten Quartal 2025 erreichte 26,2 Millionen Dollar — ein Plus von knapp 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gesamtjahr summierten sich die Erlöse auf 40,7 Millionen Dollar, fast das Fünffache des Vorjahres. Die Kasse wuchs auf 167,9 Millionen Dollar, nach gerade einmal 9,2 Millionen im Vorjahr.
Operativ nimmt die Produktion der Blue-Ops-Überwasserdrohnen in einer Fabrik in Georgia Fahrt auf. Für 2026 peilt das Unternehmen die Fertigung von über 100 Einheiten an. Zudem schloss Red Cat als erstes nichtstaatliches Unternehmen ein Technologietransfer-Abkommen mit einem ukrainischen Staatsunternehmen ab.
Warum dann die anfängliche Enttäuschung nach dem Earnings Call? Red Cat gab keine konkrete Umsatzprognose für 2026. Wall Street erwartet 143 Millionen Dollar — ein gewaltiger Sprung, der ohne offizielle Bestätigung Unsicherheit schürt. Mit einem RSI von 86,7 zeigt die Aktie bereits eine stark überkaufte Lage. Heute legte der Kurs um rund 6,6 Prozent auf 13,75 Euro zu und nähert sich damit wieder dem 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro.
DroneShield: Radar-Ökosystem wächst, EU-Fertigung im Aufbau
DroneShield verfolgt konsequent seine Strategie als Plattformanbieter. Die neue Partnerschaft mit dem niederländischen Spezialisten Robin Radar Systems bringt dessen IRIS-3D-Radar in DroneShields DroneSentry-C2-Kommandoplattform. Die eigene KI-Engine SensorFusionAI verarbeitet dabei Daten verschiedenster Sensorquellen in Echtzeit.
Der Ansatz ist bewusst ökosystemorientiert: Statt geschlossener Lösungen bietet DroneShield einen skalierbaren Marktplatz interoperabler Sensoren. Betreiber wählen die passende Technologie für ihr spezifisches Einsatzprofil selbst aus.
Auf der Produktionsseite kündigte das Unternehmen am 11. März eine neue Counter-UAS-Fertigungsstätte in der EU an. Die jährliche Produktionskapazität soll von rund 500 Millionen AUD in 2025 auf 2,4 Milliarden AUD bis Jahresende 2026 steigen — passend zum ReArm-Europe-Plan der EU. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 276 Prozent auf 216,5 Millionen AUD, bei einem Nettogewinn von 3,5 Millionen AUD.
Bell Potter hält am Kaufrating mit einem Kursziel von 4,80 AUD fest und erwartet materiellen Auftragsfluss aus der 2,3-Milliarden-AUD-Pipeline innerhalb von drei bis sechs Monaten. Die Aktie notiert bei 2,19 Euro und hat seit Monatsbeginn rund 18 Prozent zugelegt, liegt aber weiterhin gut 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Kraken Robotics: 24-Millionen-Aufträge und eine 615-Millionen-Wette
Kraken Robotics meldete am 17. März neue Aufträge über rund 24 Millionen Dollar von mehr als zehn Kunden in fünf Ländern, darunter drei neue Verteidigungskunden. Die Bestellungen umfassen SeaPower-Batterien, das KATFISH-Schleppsonar und Kraken-SAS-Systeme. Unter anderem kaufte die polnische Marine ein neues KATFISH-System für ihr Minenräumprogramm.
Das eigentliche Schwergewicht ist jedoch strategischer Natur. Kraken will die Covelya Group für 615 Millionen Dollar übernehmen — 480 Millionen in bar, 135 Millionen in neuen Aktien. Die fusionierte Einheit käme auf 365 Millionen Dollar Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 24 Prozent. Zur Finanzierung schloss Kraken am 12. März eine Kapitalerhöhung über rund 402,5 Millionen Dollar ab. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2026 erwartet.
Die Analystenmeinungen gehen auseinander: National Bank stufte die Aktie auf Outperform hoch, ATB Capital senkte sie gleichzeitig auf Underperform. Das Konsens-Kursziel liegt bei rund 9,63 CAD — knapp über dem aktuellen Niveau. Bei 5,68 Euro hat die Aktie innerhalb der letzten Woche gut 10 Prozent verloren. Das Ausführungsrisiko der Covelya-Transaktion ist real und dürfte die Volatilität hoch halten.
Kratos Defense: 5G-Satelliten-Deal mit langer Anlaufphase
Sky Perfect JSAT aus Japan wählte Kratos für die Entwicklung des Bodensystems seines 5G-NTN-Netzwerks (Non-Terrestrial Network) im asiatisch-pazifischen Raum. Kratos' softwarebasierte OpenSpace-Plattform ermöglicht Satellitenbetreibern den Umstieg auf standardisierte, herstellerübergreifende Netzwerkarchitekturen.
Wichtige Einschränkung: Das Projekt befindet sich in der Phase der technischen Validierung und Interoperabilitätstests — kommerzieller Ertrag liegt noch in weiter Ferne. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete Kratos 1,35 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 18,5 Prozent. Für 2026 liegt die Umsatzprognose bei 1,595 bis 1,675 Milliarden Dollar, Analysten erwarten 23 Prozent Wachstum.
Die Aktie erlebte die härteste Woche im Vergleichsfeld: Mit einem Minus von fast 19 Prozent innerhalb von sieben Tagen fiel der Kurs auf 67,04 Euro und notiert damit gut 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Zwölf Kaufempfehlungen stehen vier Halte-Ratings gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 117 Dollar. Die Diskrepanz zwischen Analystenzuversicht und Kursrealität ist bemerkenswert.
Volle Bücher, offene Fragen
Die strukturellen Rückenwinde der Branche — NATO-Aufrüstung, Pentagon-Modernisierung, Drohnen-Proliferation — bleiben intakt. Die Auftragsbücher aller fünf Unternehmen sind so voll wie nie. AeroVironments Red-Dragon-Premiere und Krakens Covelya-Deal markieren strategische Meilensteine, während DroneShields EU-Fertigungsausbau und Red Cats Umsatzexplosion Skalierungsfähigkeit demonstrieren.
Der Markt verlangt in dieser Phase mehr als Auftragsvolumen. Er will Margenverbesserung, planbare Umsätze und realistische Prognosen. Wer liefert, wird belohnt. Wer nicht liefert — und sei die Pipeline noch so beeindruckend — kassiert Kursabschläge. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die jüngsten Vertragsgewinne sich auch in den Zahlen niederschlagen.
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