Kabinett beschließt Gesetz für Wasserstoffmarkt
Deutschland ebnet den Weg für einen regulierten Wasserstoffmarkt und die Transformation der Gasnetze. Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf zur Umsetzung des EU-Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets beschlossen. Dieser Schritt soll Planungssicherheit für Milliardeninvestitionen in die klimaneutrale Energieinfrastruktur schaffen.
Kern des Gesetzentwurfs: Planungssicherheit für Netze
Der Entwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) überführt verbindliche EU-Vorgaben in nationales Recht. Ein zentraler Punkt sind neue Regeln für die Netzentwicklungsplanung von Gas- und Wasserstoffinfrastrukturen. Künftig sollen die Betreiber der Gasverteilnetze ihre Umrüstung oder Stilllegung technologieoffen und nachfragebasiert planen können – orientiert an lokalen Gegebenheiten und kommunaler Wärmeplanung.
Weitere Inhalte sind die Zertifizierung von Wasserstoffnetzbetreibern und klare Vorgaben zur Entflechtung, um einen diskriminierungsfreien Netzzugang zu garantieren. Auch der Zugang zu Wasserstoffspeichern und -terminals wird neu geregelt. Die Bundesregierung betont, dass Verbraucherschutz sowie Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gewahrt bleiben. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis zur parlamentarischen Sommerpause 2026 abgeschlossen sein.
EU-Rahmen setzt ambitionierte Fristen
Das im Mai 2024 verabschiedete EU-Paket aktualisiert die Regeln für den Erdgasmarkt und schafft erstmals einen eigenen Regulierungsrahmen für reine Wasserstoffnetze. Bis Mitte 2026 müssen die Mitgliedstaaten die Vorgaben umsetzen. Deutschland liegt mit dem heutigen Beschluss im Zeitplan.
Ein Herzstück der EU-Reform ist die Schaffung des Europäischen Netzes der Fernleitungsnetzbetreiber für Wasserstoff (ENNOH). Dieses Gremium soll den Aufbau einer paneuropäischen Wasserstoffinfrastruktur koordinieren. Bis zu seiner vollständigen Etablierung 2027 übernimmt der europäische Gasnetzverband ENTSOG diese Planung. Ein klares Ausstiegssignal: Ab 2049 dürfen in der EU keine langfristigen Lieferverträge für fossiles Erdgas mehr abgeschlossen werden.
Infrastruktur-Ausbau gewinnt an Fahrt
Parallel zum Gesetzgebungsprozess laufen auf nationaler und europäischer Ebene konkrete Planungen und Förderungen.
- National: Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Gas und Wasserstoff 2025 wird derzeit konsultiert. Stellungnahmen sind noch bis zum 27. März möglich. Der Plan skizziert den Umbau der Gasnetze und den Aufbau eines überregionalen Wasserstoffnetzes mit Anbindung an Nachbarländer.
- EU: Die Europäische Kommission genehmigte heute ein umfangreiches französisches Förderprogramm für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff. Mit bis zu 1,1 Milliarden Euro sollen Elektrolyseure mit einer Kapazität von 1 Gigawatt unterstützt werden. Bereits im Februar flossen über 176 Millionen Euro aus der „Connecting Europe“-Fazilität in grenzüberschreitende Wasserstoffinfrastrukturprojekte.
Kritik und Herausforderungen
Trotz der Dynamik gibt es kritische Stimmen. Eine Koalition aus 70 zivilgesellschaftlichen Organisationen warnte erst am Montag vor übereilten Investitionen in Wasserstoffpipelines. Sie fordern die EU auf, sich stattdessen stärker auf den Ausbau der Stromnetze zu konzentrieren. Die priorisierten Wasserstoffprojekte könnten über 80 Milliarden Euro kosten und die Abhängigkeit von fossil-basiertem Wasserstoff zementieren.
Experten sehen die größte Herausforderung darin, einen noch unreifen Markt zu regulieren, ohne Investitionen abzuwürgen. Die integrierte Planung von Gas- und Wasserstoffnetzen gilt als Schlüssel, um die Transformation kosteneffizient zu gestalten.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die detaillierten Regeln im parlamentarischen Verfahren ausgestaltet werden. Klar ist: Mit dem Kabinettsbeschluss ist ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einem deutschen Wasserstoffmarkt erreicht.








