Gerresheimer startet nach einem katastrophalen Börsenjahr 2025 mit einem schwerwiegenden Vertrauensproblem in das neue Jahr. Nach einem Kurssturz von rund 60 Prozent und einem Bilanzierungsskandal reduziert mit Goldman Sachs nun auch ein langjähriger Großaktionär seine Beteiligung deutlich. Die zentrale Frage lautet: Wie stark belastet die Kombination aus Bilanzfehlern, Kursverfall und Aktionärsrückzug die Perspektiven für 2026?

Rückzug von Goldman Sachs

Am gestrigen Silvestertag hat Goldman Sachs per Stimmrechtsmitteilung eine deutliche Reduktion seines Anteils bekannt gegeben.

Wesentliche Punkte:

  • Stimmrechtsanteil sinkt von über 21 Prozent auf 18,95 Prozent
  • Teilverkauf erfolgt inmitten einer Phase hoher Verunsicherung
  • Goldman Sachs galt bislang als stabilisierender Ankerinvestor

Am Markt wird dieser Schritt als Warnsignal gewertet. Institutionelle Investoren setzen offenbar eher auf Risikobegrenzung, statt die deutlich gefallenen Kurse für größere Zukäufe zu nutzen.

Bilanzierungsskandal und Kursverfall

Auslöser der jüngsten Krise war eine Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Dezember 2025. Nach Prüfungen durch die BaFin und eine interne Untersuchung mit externen Anwälten musste Gerresheimer erhebliche Korrekturen bei der Umsatzrealisierung einräumen.

Kern der Vorwürfe sind „Bill-and-Hold“-Geschäfte, bei denen Umsätze systematisch zu früh verbucht wurden:

  • 28 Millionen Euro Umsatz aus 2024 werden nachträglich in 2025 verschoben
  • zusätzlich wird eine Fehlbuchung von 10 Millionen Euro aus 2023 korrigiert
  • Auswirkungen auf das bereinigte EBITDA: rund 4 Millionen Euro, etwa 1 Prozent

Operativ erscheinen die bilanziellen Effekte damit begrenzt, der Vertrauensschaden ist jedoch erheblich. Die Fehler legen deutliche Mängel im internen Kontrollsystem offen und treffen das Unternehmen in einer ohnehin angespannten Phase.

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Der Aktienkurs spiegelte diese Entwicklung eindrucksvoll wider: Von etwa 70 Euro zu Jahresbeginn 2025 fiel die Aktie im Dezember auf Tiefststände um 23,50 Euro, bevor sie zum Jahresende auf 27,68 Euro (Xetra-Schluss) leicht anzog.

Parallel dazu verschärften operative Probleme, Prognosesenkungen und der abrupte Führungswechsel im Oktober – Interims-CEO Uwe Röhrhoff folgte auf Dietmar Siemssen – die Unsicherheit. Der Abstieg aus dem MDAX in den SDAX im Dezember war eine direkte Folge der geschrumpften Marktkapitalisierung.

Im Branchenumfeld steht Gerresheimer damit isoliert da. Wettbewerber wie Schott Pharma kämpfen zwar ebenfalls mit zyklischen Schwankungen, mussten jedoch keine vergleichbaren Bilanzskandale melden.

Analysten gespalten

Zum Start ins Jahr 2026 zeigt sich das Bild der Analysten uneinheitlich:

  • Optimistische Häuser wie Jefferies sehen in den aktuellen Kursen eine Übertreibung nach unten und halten Kursziele von bis zu 34 Euro für möglich. Begründung: Das Kerngeschäft sei trotz der Bilanzprobleme intakt.
  • Skeptischere Adressen wie die DZ Bank empfehlen dagegen den Verkauf mit Kurszielen um 23 Euro. Sie verweisen auf die Möglichkeit weiterer negativer Überraschungen und den zusätzlichen Druck durch den Teilrückzug von Goldman Sachs.

Die Bewertung der Aktie hängt damit stark davon ab, wie glaubwürdig das Unternehmen die Aufarbeitung der Bilanzfehler und die Stabilisierung des Geschäfts vermittelt.

Technische Ausgangslage und Ausblick 2026

Charttechnisch ist die Marke von 27 Euro eine kurzfristig wichtige Unterstützung. Ein Rutsch darunter könnte einen erneuten Test des Jahrestiefs bei 23,50 Euro auslösen. Die Schwankungsbreite dürfte hoch bleiben, bis geprüfte Zahlen für 2025 und ein klarer Ausblick auf 2026 vorliegen.

Für das neue Geschäftsjahr steht Gerresheimer vor mehreren zentralen Aufgaben:

  • saubere Abbildung der Bilanzkorrekturen im Jahresabschluss 2025
  • Stärkung der internen Kontrollen und Prozesse
  • Stabilisierung des operativen Geschäfts nach einem Jahr mit Prognosekürzungen
  • Wiederaufbau der Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren und Analysten

Ob 2026 zur Trendwende werden kann, hängt wesentlich davon ab, wie konsequent das Management um Uwe Röhrhoff die Bilanzthemen abschließt und operative Fortschritte belegt. Die anstehenden, testierten Zahlen für 2025 werden zum zentralen Gradmesser für diesen Anspruch.

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