Liebe Leserinnen und Leser,

was für ein Unterschied 24 Stunden machen können. Gestern noch wirkte der deutsche Leitindex wie erstarrt unter der Last der Mannheimer ZEW-Daten, heute Mittag erleben wir die physikalische Gegenreaktion: Der Deckel ist weggeflogen.

Im siebten Anlauf binnen vier Wochen hat der DAX die psychologisch massive Mauer von 25.000 Punkten nicht nur berührt, sondern pulverisiert. Während ich diese Zeilen schreibe, notiert das Barometer bei gut 25.200 Zählern. Ein kollektives Aufatmen geht durch die Frankfurter Handelssäle.

Doch Vorsicht: Wir befinden uns in einem fragilen Moment zwischen europäischer Euphorie und amerikanischer Ungewissheit. Bevor heute Abend die US-Notenbank ihre Karten aufdeckt, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Treiber dieser Rallye.

Lassen Sie uns die Fakten sortieren.

1. Der DAX: Substanz statt nur Tech-Fantasie

Wochenlang glich der Markt einem Geduldsspiel, bei dem jeder Ausbruchsversuch sofort abverkauft wurde. Dass der Damm heute bricht, liegt an einer fundamentalen Neubewertung: Die Anleger setzen darauf, dass die globale Konjunktur robuster ist als die deutschen Stimmungsindikatoren vermuten lassen.

Bemerkenswert ist die Breite der Bewegung. Es sind nicht nur die üblichen Tech-Verdächtigen. Siemens Energy profitiert weiterhin von prall gefüllten Auftragsbüchern, doch der Schub erfasst den Gesamtmarkt.

Die Ausnahme bestätigt die Regel: Bayer verdirbt die Statistik. Die Aktie verliert rund 4 Prozent. Hier dominieren Gewinnmitnahmen und eine tiefe Skepsis der Investoren, die sich auch von einem Rekord-Index nicht blenden lassen. Es bleibt dabei: Eine Flut hebt alle Boote – außer jene, die Leck geschlagen haben.

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2. Das britische Signal für Frankfurt

Der eigentliche makroökonomische Paukenschlag kam heute Vormittag jedoch nicht aus Hessen, sondern von der Insel. Großbritannien, lange der „Patient" in Sachen Preisstabilität, meldet ein Inflationswunder.

Die Teuerungsrate fiel im Januar überraschend deutlich von 3,4 auf 3,0 Prozent – der tiefste Stand seit fast einem Jahr. Warum ist das für Ihr Depot relevant? Weil es die These stützt, dass der disinflationäre Trend in Europa intakt ist, selbst dort, wo er am hartnäckigsten schien.

Das Pfund reagierte prompt mit Stärke. Für die Bank of England steht die Tür für Zinssenkungen nun sperrangelweit offen. Christine Lagarde in Frankfurt dürfte diese Daten sehr genau registrieren: Wenn der Preisdruck selbst in London bei Lebensmitteln und an der Zapfsäule nachlässt, schwinden die Argumente der Falken im EZB-Rat.

3. Warten auf Washingtons Protokolle

Während Europa feiert, blickt der Rest der Welt nervös auf die Uhr. Heute Abend um 20:00 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die US-Notenbank Fed die „Minutes" ihrer letzten Sitzung.

Die Ausgangslage ist delikat. Bei einem Zinsniveau von 3,50 bis 3,75 Prozent suchen die Märkte in den Protokollen nach der Bestätigung für den „Skip" (die Zinspause) im März. Besonders im Fokus stehen Hinweise darauf, ob die „Tauben" im Gremium – wie Chicagos Fed-Präsident Goolsbee, der Zinssenkungen für 2026 sieht – an Einfluss gewinnen.

Der Goldpreis traut dem Frieden noch nicht. Das Edelmetall kletterte heute wieder über die Marke von 4.900 US-Dollar je Unze (+1,1 Prozent). Das ist kein spekulativer Exzess, sondern eine klassische Absicherung. Das große Geld parkt Liquidität im „Safe Haven", falls die Fed heute Abend doch restriktiver klingt als erhofft.

4. Krypto: Die große Umverteilung

Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich bei den digitalen Assets. Während Aktienrekorde gefeiert werden, zeigt der „Fear & Greed Index" für Krypto „Extreme Angst". Bitcoin kämpft im Bereich von 66.500 bis 68.000 US-Dollar und wirkt angeschlagen.

Doch der Schein trügt womöglich. Die On-Chain-Daten offenbaren eine faszinierende Divergenz: Während Kleinanleger panisch verkaufen – die ETFs verzeichneten Abflüsse von über 400 Millionen Dollar an einem einzigen Tag –, akkumulieren institutionelle Adressen („Wale") im Hintergrund massiv.

Wir sehen hier eine klassische Umverteilung von „zittrigen Händen" zu kapitalstarken Adressen. Wer hier die Nerven verliert, könnte den Boden verpassen – auch wenn Pessimisten bereits Kursziele von 55.000 Dollar ausrufen.

Kurznachrichten aus dem Handel

  • KI-Realitätscheck: Die Aktie von Palo Alto Networks geriet nachbörslich unter Druck (-6%). Trotz starker Quartalszahlen enttäuschte der Ausblick. Die Lektion für Anleger: Im KI-Zeitalter wird Perfektion nicht mehr honoriert, sie wird vorausgesetzt. Jede Abweichung wird bestraft.
  • Japans Chip-Hunger: Wer wissen will, ob der KI-Hype in der Realwirtschaft ankommt, muss nach Tokio schauen. Japans Exporte stiegen im Januar um fast 17 Prozent – der stärkste Anstieg seit drei Jahren, fast ausschließlich getrieben von einer unersättlichen globalen Chip-Nachfrage.
  • Diplomatie gescheitert: Die gestern erwähnten Hoffnungen auf eine Entspannung haben sich zerschlagen. Die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland in Genf wurden heute nach nur zwei Stunden ergebnislos abgebrochen. Die geopolitische Risikoprämie bleibt uns also erhalten.

Das Fazit

Der heutige Tag lehrt uns, dass Börse primär Psychologie ist. Die Faktenlage hat sich seit gestern kaum verändert, aber die Wahrnehmung der 25.000er-Marke sorgt für eine selbsterfüllende Prophezeiung der Zuversicht.

Genießen Sie die grünen Vorzeichen, aber behalten Sie die Fed-Protokolle heute Abend im Auge. Sie haben das Potenzial, die Karten neu zu mischen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann