Frankfurts Aufatmen, der Nvidia-Riss und die Brüsseler Wind-Front
Liebe Leserinnen und Leser,
an der Börse ist das Gedächtnis oft kurz, aber die Erleichterung ist heute dafür umso intensiver. Nachdem die „Warsh-Wette" und die Liquiditätsängste am Wochenende noch für Schnappatmung gesorgt hatten, kehrte am heutigen Dienstagmittag die Rationalität zurück auf das Frankfurter Parkett.
Die Marktteilnehmer haben den Schockmodus deaktiviert und den Taschenrechner wieder aktiviert. Das Ergebnis: Die Angstprämie weicht, die Risikofreude kehrt zurück. Doch wer glaubt, wir segeln nun in ruhige Gewässer, der irrt. Während sich der DAX erholt, tun sich im Silicon Valley und in Brüssel neue Gräben auf, die das Potenzial haben, die Machtbalance der Weltwirtschaft nachhaltig zu verschieben.
Hier ist, was Sie heute wissen müssen.
Die Rückkehr der Risikofreude
Der deutsche Leitindex hat die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten nicht nur zurückerobert, er zementiert sie. Am Dienstagmittag notiert das Barometer fest bei rund 25.130 Zählern – ein kräftiges Plus von 1,3 Prozent. Auch der MDax (+0,7 %) und der EuroStoxx 50 (+1 %) schließen sich der Erleichterungsrallye an.
Der primäre Treibstoff für diese Bewegung ist die Beruhigung an den Rohstoffmärkten. Gold, das in den vorangegangenen Stunden kurzzeitig unter die 5.000-Dollar-Marke gerutscht war, hat sich im Bereich von 4.900 US-Dollar stabilisiert. Analyst Frank Sohlleder von Activtrades spricht bereits von einem möglichen „Befreiungsschlag".
Charttechnisch ist dieser Sprung über die 25.000er-Marke ein vitales Signal. Es lockt neue Käuferschichten an, die darauf gewettet hatten, dass der Boden hält. Flankiert wird diese Stimmung von politischen Signalen aus Berlin: Die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, die kapitalgedeckte Rentenreform noch in diesem Jahr umzusetzen, sorgt für Fantasie. Der Markt antizipiert hier frisches Kapital, das eine Heimat suchen wird.
Siemens Energy: Die Milliarden-Flucht nach vorn
Während in deutschen Talkshows über die Standortbedingungen lamentiert wird, schafft Siemens Energy Fakten – allerdings 7.000 Kilometer westlich. Der Energietechnik-Konzern kündigte heute an, eine glatte Milliarde US-Dollar in den USA zu investieren. Es sollen über 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen, um die Produktion für Netze und Gasturbinen hochzufahren.
Die Börse honoriert diesen aggressiven Expansionskurs in den boomenden US-Markt: Die Aktie gehört mit einem Aufschlag von knapp 3 Prozent zu den Top-Performern im DAX. Strategisch ist das brillant, volkswirtschaftlich für Deutschland jedoch bitter. Es ist ein Lehrstück darüber, wie europäische Unternehmen von der Re-Industrialisierung Amerikas profitieren, während die heimische Basis an Bedeutung verliert.
Ebenfalls stark präsentieren sich Daimler Truck (+4,6 %) und Evotec. Der gebeutelte Wirkstoffforscher feiert nach einer Kaufempfehlung des Bankhauses Berenberg ein spektakuläres Comeback und schießt um über 11 Prozent nach oben. Totgesagte leben eben doch länger.
Während Siemens Energy mit Milliarden-Investitionen in industrielle Automatisierung die Zukunft gestaltet, steht eine noch fundamentalere Revolution bevor: die Verschmelzung von KI und Robotik. Tech-Experte Bernd Wünsche hat in seiner umfassenden Analyse einen Marktführer identifiziert, der in der Robotik-Branche eine ähnliche Position einnehmen könnte wie NVIDIA im KI-Sektor. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er, warum der Robotik-Markt von heute 45-75 Milliarden auf 200 Milliarden US-Dollar bis 2030 wachsen wird – und welche Aktie mit über 75.000 installierten Robotersystemen und bis zu 60 Prozent Marktanteil ideal positioniert ist. Sie erfahren konkret, wie kollaborative Roboter und KI-gesteuerte Systeme ganze Branchen transformieren und warum dieser Sektor vor demselben Durchbruch steht wie KI vor drei Jahren. Bernd Wünsche analysiert die fundamentalen Treiber dieser Revolution und präsentiert seine Top-Empfehlung mit detaillierten Orderdaten. Kostenlose Analyse zur Robotik-Revolution ansehen
Risse im KI-Monument: Der König wankt
Der Blick ins Silicon Valley offenbart heute eine tektonische Verschiebung, die brisanter ist als jede Zinsdiskussion. Nvidia, der unangefochtene König der Chip-Branche, gerät unter Druck (Aktie -3 %). Der Grund sind Berichte über wachsende Spannungen mit dem wichtigsten Kunden: OpenAI.
Die Schöpfer von ChatGPT zeigen sich offenbar zunehmend unzufrieden mit der Performance der aktuellen Nvidia-Chips für ihre Inferenz-Modelle und suchen offen nach Alternativen. Wenn der wichtigste Goldgräber beginnt, die Schaufeln eines anderen Herstellers zu begutachten, werden Investoren zu Recht nervös. Das Narrativ der Unersetzbarkeit bekommt Risse.
Ganz anders die Stimmung bei Palantir: Der Datenanalyse-Spezialist konnte mit seinen Q4-Zahlen überzeugen und legt vorbörslich rund 6 Prozent zu. Die Botschaft hier: Die Nachfrage nach angewandter KI im Regierungs- und Unternehmenssektor ist ungebrochen robust.
Brüssel vs. Peking: Der Wind dreht sich
Von der Technologie zur Geopolitik: Die Europäische Kommission eröffnet eine neue Front im Handelsstreit mit China. Im Visier ist diesmal Goldwind, einer der größten chinesischen Windkraftanlagenbauer. Brüssel hat heute offiziell eine Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob das Unternehmen durch staatliche Subventionen unfaire Wettbewerbsvorteile auf dem EU-Binnenmarkt genießt.
Es ist bereits die dritte Untersuchung dieser Art unter dem neuen Instrumentarium gegen ausländische Subventionen. Für die europäische Windkraftindustrie, die unter massivem Preisdruck aus Fernost ächzt, ist dies ein wichtiges Signal der Wehrhaftigkeit. Für die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen jedoch dürfte es eine weitere Belastungsprobe darstellen. Der Protektionismus ist zurück – und er trägt jetzt ein grünes Gewand.
Krypto: Renaissance und Regulierung
Auch am Krypto-Markt kehrt die Farbe Grün zurück. Bitcoin hat sich von den Turbulenzen der letzten Tage erholt und notiert wieder im Bereich von 75.000 bis 78.000 US-Dollar. Die anfängliche Panik über die Nominierung von Kevin Warsh weicht einer differenzierteren Sichtweise: Warsh mag ein geldpolitischer „Hawk" sein, gilt aber auch als Verfechter von Bitcoin als Wertspeicher.
Bemerkenswert ist zudem eine Meldung aus Luxemburg: Ripple (XRP) hat eine volle EU-Lizenz erhalten und darf nun Zahlungsdienste im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten. Der Token reagierte mit einem leichten Plus. Die Ironie der Geschichte: Während die USA politisch noch ihren Kurs suchen, schafft Europa mit der MiCA-Verordnung regulatorische Tatsachen, die Unternehmen anziehen.
Quintessenz
Der heutige Dienstag markiert eine Rückkehr zur Rationalität. Die Märkte haben die Schockwellen des Wochenendes absorbiert und fokussieren sich wieder auf das, was langfristig zählt: Solide Unternehmensgewinne – wie bei Palantir oder Sartorius, dessen Umsatzplus von 7,6 Prozent die Wachstumsstory bestätigt – und strategische Weichenstellungen wie bei Siemens Energy.
Doch die Ruhe ist trügerisch. Die Untersuchung gegen Goldwind und die Spannungen zwischen Nvidia und OpenAI zeigen, dass die Karten sowohl geopolitisch als auch technologisch neu gemischt werden. Für Sie als Anleger bedeutet das: Der DAX über 25.000 ist ein komfortables Polster, aber Wachsamkeit bleibt die härteste Währung in Ihrem Depot.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








