Liebe Leserinnen und Leser,

16 Milliarden Dollar – diese Summe hat Googles Robotaxi-Tochter Waymo gerade von Investoren eingesammelt und sich damit eine Bewertung von 126 Milliarden Dollar gesichert. Während Elon Musk bei Tesla weiter auf Kameras setzt und auf den großen Durchbruch wartet, fährt Waymo bereits 400.000 bezahlte Fahrten pro Woche – ohne Fahrer am Steuer. Gleichzeitig schießt die Palantir-Aktie nachbörslich um über 10 Prozent nach oben, nachdem das KI-Unternehmen mit Rekordumsätzen überzeugt hat. Und in Deutschland? Dort hebt die Evotec-Aktie um fast 11 Prozent ab, nachdem Berenberg-Analysten das Biotech-Unternehmen zum Kauf empfehlen. Drei Geschichten, eine Botschaft: Wer die richtigen Technologien zur richtigen Zeit liefert, wird vom Markt belohnt.

Waymo zieht Tesla davon – mit 16 Milliarden im Rücken

Während Tesla-Chef Elon Musk seit Jahren verspricht, dass seine Elektroautos bald vollständig autonom fahren werden, hat Waymo die Diskussionsphase längst hinter sich gelassen. Die Google-Schwester transportiert bereits über 400.000 Passagiere pro Woche in fahrerlosen Taxis durch sechs US-Städte und das Silicon Valley. Insgesamt haben Waymo-Fahrzeuge mehr als 204 Millionen Kilometer autonom zurückgelegt – eine Datenbasis, die Tesla trotz seiner riesigen Fahrzeugflotte im kommerziellen Robotaxi-Betrieb nicht ansatzweise vorweisen kann.

Die frische Finanzspritze von 16 Milliarden Dollar soll den globalen Ausbau beschleunigen. Waymo hat bereits Testfahrzeuge nach London und Tokio geschickt und signalisiert damit: Der Markt für autonome Mobilität ist international – und er gehört demjenigen, der liefert, nicht demjenigen, der verspricht. Die Bewertung von 126 Milliarden Dollar liegt damit bereits in einer Liga, in der Investoren an einen nachhaltigen Geschäftserfolg glauben, nicht nur an eine Vision.

Der entscheidende Unterschied zu Tesla? Waymo setzt auf eine Kombination aus Kameras und Lidar-Sensoren, die die Umgebung mit Laser-Radaren abtasten. Musk hingegen hält Lidar für überflüssig und will ausschließlich mit Kameras auskommen – ein Ansatz, der zwar kostengünstiger wäre, dessen Sicherheit aber von Experten bezweifelt wird. Sollte Musks Rechnung aufgehen, hätte Tesla einen enormen Kostenvorteil. Doch bislang zeigt die Realität: Waymo fährt, Tesla testet.

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Palantir überzeugt mit Rekordumsatz – und die Aktie explodiert

Manchmal reicht ein Quartalsbericht, um eine Aktie in neue Sphären zu katapultieren. Palantir Technologies hat gestern nachbörslich genau das geschafft: Mit einem Rekordumsatz von 1,4 Milliarden Dollar übertraf das KI-Unternehmen die Analystenschätzungen deutlich. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,25 Dollar – ebenfalls über den Erwartungen von 0,23 Dollar. Die Reaktion? Ein Kurssprung von über 10 Prozent im vorbörslichen Handel.

Was Palantir besonders macht: Die Plattform wird sowohl von Regierungen als auch von Unternehmen genutzt, um riesige Datenmengen zu analysieren und Entscheidungen auf Basis von KI-gestützten Modellen zu treffen. Die US-Regierung bleibt ein wichtiger Abnehmer, doch das kommerzielle Geschäft wächst rasant. Analysten von Baird haben die Aktie daraufhin von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und ein Kursziel von 200 Dollar ausgegeben. Begründung: Palantir sei einer der "klarsten KI-Gewinner" am Markt, und das Free-Cashflow-Potenzial für 2027 biete attraktive Bewertungsmultiplikatoren.

Für deutsche Anleger ist Palantir ein Beispiel dafür, wie schnell sich die Stimmung drehen kann, wenn ein Unternehmen nicht nur Visionen verkauft, sondern messbare Ergebnisse liefert. Die Aktie bleibt volatil, aber die Richtung scheint klar: nach oben.

Evotec hebt ab – Berenberg sieht 50 Prozent Potenzial

In Hamburg gibt es heute ebenfalls Grund zur Freude. Die Evotec-Aktie schoss im Xetra-Handel um knapp 11 Prozent nach oben, nachdem die Privatbank Berenberg die Bewertung mit "Buy" und einem Kursziel von 10 Euro aufgenommen hat. Aktuell notiert die Aktie bei rund 6,50 Euro – das Kursziel impliziert also ein Aufwärtspotenzial von mehr als 50 Prozent.

Analyst Christian Ehmann argumentiert, dass Evotec genau am Schnittpunkt zweier Trends sitzt: Pharmaunternehmen lagern zunehmend Forschung und Entwicklung aus, um Kosten zu senken – und genau hier kommt Evotec ins Spiel. Das Unternehmen bietet umfangreiche Lösungen in der Medikamentenentwicklung und hat langfristige Partnerschaften mit großen Pharmakonzernen aufgebaut. Die Bewertung der Aktie lasse viel Spielraum, selbst wenn sich die Nachfrage nur normalisieren sollte, so Ehmann.

Für Anleger, die den Biotech-Sektor beobachten, ist Evotec ein interessanter Kandidat. Die Aktie hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, doch das Geschäftsmodell bleibt intakt. Wer auf eine Erholung der Branche setzt, könnte hier eine Chance sehen – vorausgesetzt, man bringt Geduld mit.

Spannung zwischen OpenAI und Nvidia – oder doch nur Verhandlungstaktik?

In der KI-Welt brodelt es. Laut einem Reuters-Bericht soll OpenAI zunehmend unzufrieden mit der Performance von Nvidia-Chips sein – zumindest im Bereich der Inferenz, also der täglichen Beantwortung von Nutzeranfragen. OpenAI plane, rund zehn Prozent seines Inferenz-Bedarfs auf Hardware anderer Anbieter umzulagern, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren.

Nvidia-Chef Jensen Huang reagierte prompt und wies die Gerüchte als "Unsinn" zurück. Nvidia plane eine "enorme" Investition in OpenAI, die wahrscheinlich größte in der Unternehmensgeschichte. Doch die Spekulationen bleiben: Könnte OpenAI die öffentliche Diskussion nutzen, um in den laufenden Investitionsverhandlungen eine bessere Position zu erzielen?

Fakt ist: OpenAI hat in der Vergangenheit bereits mit Alternativen wie Cerebras und Groq verhandelt. Nvidia sicherte sich Ende 2025 eine milliardenschwere Lizenz für die Inferenz-Technologie von Groq, was OpenAI dazu brachte, die Gespräche mit Groq einzustellen und stattdessen eine Milliarden-Dollar-Allianz mit Cerebras zu besiegeln. Die Nvidia-Aktie verlor gestern knapp 3 Prozent, zeigt aber vorbörslich leichte Erholungstendenzen. Für Anleger bleibt die Frage: Ist das eine echte Krise – oder nur ein strategisches Manöver im Kampf um Milliarden?

Südkoreas Chipriesen feiern Comeback – Europa bleibt verhalten

In Seoul herrschte gestern Aufbruchstimmung. Samsung Electronics legte um über 11 Prozent zu, SK hynix um mehr als 9 Prozent. Analysten von JPMorgan rechnen für beide Unternehmen mit einem Aufwärtspotenzial von 45 bis 50 Prozent bis Ende 2026. Der Grund: Die Nachfrage nach Gasturbinen und Speicherchips zieht an, getrieben vom KI-Boom und steigenden Preisen.

In Europa überträgt sich die Euphorie jedoch nur bedingt. Die Infineon-Aktie verlor im Xetra-Handel knapp 3 Prozent, ASML legte lediglich 0,5 Prozent zu, STMicroelectronics gab um 2 Prozent nach. Die US-Konkurrenz zeigt sich etwas optimistischer: Broadcom, Micron und AMD legten vorbörslich zwischen 0,5 und 2 Prozent zu – aber von einer Rally wie in Südkorea kann keine Rede sein.

Für deutsche Anleger bleibt die Frage: Ist die südkoreanische Rallye der Beginn einer globalen Erholung im Halbleitersektor – oder nur eine regionale Übertreibung? Die kommenden Wochen dürften Klarheit bringen.

Was diese Woche noch wichtig wird

Die Berichtssaison nimmt weiter Fahrt auf. Am Mittwoch öffnet Alphabet die Bücher, am Donnerstag folgt Amazon. Beide Unternehmen stehen im Fokus, weil Investoren wissen wollen, wie sich die hohen Investitionen in KI und Cloud-Infrastruktur auszahlen. Heute Abend berichtet AMD – auch hier wird es spannend, ob die Nachfrage nach KI-Chips weiterhin anzieht oder ob erste Ermüdungserscheinungen sichtbar werden.

In Europa tagt am Donnerstag die Europäische Zentralbank. Zwar wird keine Zinsänderung erwartet, doch EZB-Chefin Christine Lagarde dürfte Fragen zur Stärke des Euro beantworten müssen – der hat zuletzt gegenüber dem Dollar deutlich zugelegt und liegt nun bei rund 1,18 Dollar. Für exportorientierte Unternehmen ist das keine gute Nachricht.

Und dann ist da noch die Frage, wie sich die Edelmetallpreise entwickeln. Gold hat sich gestern um über 5 Prozent erholt, nachdem es am Vortag dramatisch abgestürzt war. Silber legte sogar um 9 Prozent zu. Ob das eine nachhaltige Erholung ist oder nur eine technische Gegenbewegung, wird sich zeigen.

Bis morgen – und bleiben Sie neugierig.

Ihr Andreas Sommer