Die Fiserv-Aktie durchläuft einen tiefgreifenden Bewertungsrückgang. Nach kräftigen Prognosesenkungen, Wechseln im Management und neuen Rechtsrisiken liegt der Kurs um 70 US-Dollar und damit rund zwei Drittel unter dem Niveau vor einem Jahr. Milliarden an Börsenwert sind verschwunden, zahlreiche Analysten haben ihre Modelle deutlich angepasst.

Deutliche Kurszielsenkungen

An der Wall Street wurden die Erwartungen an Fiserv spürbar zurückgenommen. Das Konsensrating liegt inzwischen bei „Hold“, das durchschnittliche Kursziel bei 114,42 US-Dollar – klar über dem aktuellen Kurs, aber deutlich unter früheren Schätzungen.

Auffällige Anpassungen im Überblick:

  • Morgan Stanley: Kursziel von 179 auf 81 US-Dollar gesenkt
  • Goldman Sachs: von 149 auf 79 US-Dollar
  • Truist: von 143 auf 75 US-Dollar
  • Susquehanna: von 220 auf 99 US-Dollar
  • Sanford C. Bernstein: von 205 auf 80 US-Dollar, Herabstufung auf „Market Perform“
  • Tigress Financial: von 250 auf 95 US-Dollar

BTIG formuliert eine regelrechte Liste von Gründen, die gegen ein Engagement spreche, und sieht den fairen Wert nur noch in einer Spanne von 50 bis 75 US-Dollar.

Q3-Enttäuschung und schwächere Prognose

Im dritten Quartal 2025 erzielte Fiserv nach GAAP einen Umsatz von 5,26 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 1 % gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Umsatz lag bei 4,92 Milliarden US-Dollar. Das GAAP-EPS belief sich auf 1,46 US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 2,04 US-Dollar – rund 11 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Besonders belastend wirkt der Ausblick: Das Management stellt für das Gesamtjahr 2025 ein bereinigtes EPS von 8,50 bis 8,60 US-Dollar in Aussicht. Der Markt hatte zuvor im Schnitt mit etwa 10,23 US-Dollar gerechnet.

Analysten führen den Einbruch unter anderem auf strukturelle Probleme zurück:

  • Überdurchschnittliche Erträge in Argentinien auf Basis nicht nachhaltiger Praktiken
  • Kurzfristige Preismaßnahmen, die nun wieder zurückgenommen werden
  • Aufgeschobene Technologieinvestitionen, die jetzt nachgeholt werden müssen
  • Hohe Abhängigkeit von einmaligen Umsatztreibern, die nun auslaufen

Mehrere Häuser, darunter Goldman Sachs, Seaport Research und Morgan Stanley, sehen in den angepassten Prognosen ein Signal für weitgehend stagnierende Umsätze in den kommenden Quartalen. Die Effekte aus Preisrücknahmen und Bereinigungsmaßnahmen dürften das Wachstum vorerst bremsen.

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Wachsende Rechtsrisiken

Parallel dazu nehmen die juristischen Risiken zu. Neue Sammelklagen wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs stehen im Zusammenhang mit der Guidance für 2025 und den Q3-Zahlen. Hinzu kommt politischer Druck: Demokraten im Finanzausschuss des US-Senats fordern Informationen zum früheren Chairman und CEO Frank Bisignano, insbesondere zu seiner Rolle bei der Festlegung der Finanzprognosen und möglichen internen Untersuchungen.

Die Kanzlei Bragar Eagel & Squire prüft zudem rechtliche Schritte im Namen langfristiger Aktionäre. Das erhöht sowohl das rechtliche als auch das Reputationsrisiko.

Strategische Projekte als Gegengewicht

Trotz der Belastungen versucht Fiserv, die eigene Position mit neuen Initiativen zu stärken:

  • Partnerschaft mit Microsoft: Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz. Copilot und Azure Foundry sollen breiter auf den Fiserv-Plattformen eingesetzt werden, um Produktentwicklung zu beschleunigen und KI-Funktionen in Kundenlösungen zu integrieren.
  • Kooperation mit Visa: Einbindung von Visa Intelligent Commerce und Trusted Agent Protocol in das agentenbasierte Fiserv-Ökosystem zur Authentifizierung KI-gesteuerter Transaktionen.
  • Clover Biometrics: Einführung von Wink-basierten Gesicht- und Handflächenzahlungen, um das Händlerangebot technologisch zu differenzieren.
  • Stablecoin-Projekt: Start des Roughrider Coin in Zusammenarbeit mit der Bank of North Dakota, nach Unternehmensangaben der erste staatlich gestützte Stablecoin in North Dakota.

Diese Projekte zielen auf zusätzliche Ertragsquellen und eine technologische Aufwertung der Plattform, ihre finanzielle Wirkung wird sich jedoch erst über die Zeit zeigen.

Insiderkäufe und Großinvestoren

Auf Managementebene gibt es klare Signale des Vertrauens. Finanzvorstand Paul M. Todd erwarb im Dezember 17.000 Aktien zu 62,41 US-Dollar je Stück. Das Investitionsvolumen lag bei rund 1,06 Millionen US-Dollar und bedeutete eine Erhöhung seiner Position um 228 %. Direktor Lance M. Fritz kaufte bereits im Oktober 10.000 Aktien zu 65,18 US-Dollar.

In den vergangenen drei Monaten summierten sich die Insiderkäufe auf 34.900 Aktien mit einem Gesamtwert von 2,2 Millionen US-Dollar.

Auf der institutionellen Seite liegt der Streubesitz weiter überwiegend in professionellen Händen: Rund 90,98 % der Aktien befinden sich bei Institutionellen. Norges Bank stieg mit einer neuen Position im Wert von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar ein. Amundi erhöhte seine Beteiligung um 27,2 %.

Bewertung und aktuelle Marktverfassung

Aus Bewertungssicht wirkt die Fiserv-Aktie deutlich zurückgekommen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 10,7 und damit spürbar unter dem Durchschnitt von rund 14,2 für diversifizierte Finanzwerte. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 38 Milliarden US-Dollar, die Spanne der vergangenen zwölf Monate reicht von 59,56 bis 238,59 US-Dollar.

Nach dem langen Abwärtstrend zeigt sich zuletzt etwas Entspannung: Auf Sicht von 30 Tagen legte der Kurs um 4,5 % zu, in der vergangenen Woche um 2,3 %. Die Cashflow-Rendite liegt bei 12,8 %, der Umsatz wuchs in den letzten zwölf Monaten um 5,2 %.

Damit steht der Markt vor einem klaren Spannungsfeld: Auf der einen Seite belasten strukturelle Probleme, schwächere Prognosen und Rechtsrisiken, auf der anderen Seite sprechen niedrigere Bewertung, strategische Initiativen und Insiderkäufe für ein mögliches Erholungspotenzial, falls das Management seine Neuausrichtung planmäßig umsetzen kann.

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