Im SportWoche-Podcast präsentiert Moderator Maxim Petzwicker eine besondere Premiere: die erste Leseprobe des Formats, eingesprochen vom Autor David Eichinger selbst. Das Buch "Liverpool – Die Geschichte eines Fremden, der sich in Club und Stadt verliebte" erzählt auf 304 Seiten von einer außergewöhnlichen Fußball-Leidenschaft.

Der chaotische Beginn einer großen Liebe

Was als Traumreise zum Spitzenspiel FC Liverpool gegen Manchester United am 3. März 2007 geplant war, entwickelte sich zunächst zum organisatorischen Albtraum. Die Anreise erfolgte über Manchester – damals der einzige internationale Flughafen in der Region mit guten Verbindungen. Liverpool wurde erst ab Oktober 2019 von Wien aus direkt angeflogen, eine Verbindung, die mittlerweile wieder eingestellt wurde.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Das eigentliche Problem offenbarte sich jedoch erst nach der Landung: Ein Reisebüro hatte das Hotel nicht in Liverpool, sondern im deutlich nördlicher gelegenen Southport gebucht. Aus einer geplanten Stunde Anreise zum Stadion wurden plötzlich fast zwei Stunden Zugfahrt plus weitere 45 bis 60 Minuten nach Anfield. Bei einem Spielbeginn um 12:45 Uhr englischer Zeit ein denkbar ungünstiger Start.

Wenn Planung auf Realität trifft

Der Autor räumt selbstkritisch ein, dass sowohl er als auch sein Vater sich vor Reiseantritt besser hätten informieren können. "Entschuldigungen an uns selbst, ein stets gestresster, leicht naiver Einzelunternehmer und ein unreifer Junge, grüner hinter den Ohren als die meisten anderen 20-Jährigen, waren zum damaligen Zeitpunkt einfach nicht so weit", heißt es im Buch.

Die versprochene Ticketübergabe im Hotel scheiterte ebenfalls. Die Vorstellung, dass ein Schwarzmarkthändler 45 Minuten in eine andere Stadt fährt, um Karten persönlich zu überbringen, entpuppte sich als naive Hoffnung. Ein Taxi musste her – Kosten spielten angesichts der bereits verlorenen Investition keine Rolle mehr.

Die Herzlichkeit der Menschen an der Mersey

Trotz aller Widrigkeiten lernte der Autor eine prägende Eigenschaft der Region kennen: die außergewöhnliche Freundlichkeit der Menschen. "Die meisten Menschen hier sind freundlich, empathisch und hilfsbereit, weit mehr als ich das aus meiner Heimat gewohnt bin", beschreibt Eichinger seine Erfahrung. Der Hotelbesitzer rief sofort ein Taxi, zeigte Mitgefühl und machte Mut – obwohl er praktisch nicht helfen konnte.

Die Fahrt zum Stadion wurde zum Wettlauf gegen die Zeit. Der Taxifahrer schätzte normalerweise 40 Minuten, warnte aber vor dem Spieltag-Verkehr. Eine Stunde könnte es dauern. Der Countdown bis zum Anpfiff und die prognostizierte Fahrzeit deckten sich nahezu exakt.

Im falschen Block gelandet

Der Höhepunkt des Chaos wartete am Stadion selbst. Die Eintrittskarten führten zum Anfield Road Stand – jener Tribüne, die sowohl Heim- als auch Auswärtsfans beherbergt. Der Steward am Eingang erkannte sofort die Situation und wies die verschwitzt ankommenden Österreicher an, ihre Jacken zu schließen und sich still zu verhalten.

Das erste Anfield-Erlebnis fand tatsächlich im Auswärtsblock statt – umgeben von Manchester-United-Fans, mit unterdrückten Emotionen und gehässigen Gesängen gegen Liverpool direkt in den Ohren. Als John O'Shea in der 91. Minute nach einem Freistoß von Cristiano Ronaldo das Siegtor für United erzielte, war der Tag endgültig ruiniert.

Ein Schwur für die Zukunft

Der Autor beschreibt seinen Gemütszustand nach Abpfiff mit eindringlichen Worten: völlig enttäuscht, leer, starrend auf die sich leerenden Heimtribünen. Doch genau in diesem Moment fasste er einen Entschluss, der die folgenden 304 Buchseiten prägen sollte: "Beim nächsten Mal wird alles anders. Ganz bestimmt."

Das Buch des Sportjournalisten David Eichinger aus Auersthal nahe Wien dokumentiert diese besondere Beziehung zu Club und Stadt. Host Christian Drastil deutet im Podcast an, dass möglicherweise auch eine Hörbuch-Version folgen könnte – eine Idee, die angesichts der lebendigen Leseprobe durchaus Charme hätte.

Diese Leseprobe zeigt eindrucksvoll, dass die besten Fußballgeschichten oft nicht auf dem Platz geschrieben werden, sondern auf dem Weg dorthin. Die Mischung aus Chaos, Leidenschaft und der unbeirrbaren Liebe zu einem Verein macht den Reiz solcher Erzählungen aus.