In der aktuellen Episode "Börsepeople im Podcast S23/02" des Börse Express spricht Moderator Christian Drastil mit Markus Cserna, Gründer und CTO der börsennotierten Cyan Security Group, über den bemerkenswerten Werdegang eines österreichischen Technologieunternehmens, das heute Millionen von Mobilfunkkunden vor digitalen Bedrohungen schützt.

Die Anfänge: Cybersecurity seit den späten 90er Jahren

Markus Cserna ist ein Techniker im Herzen, der seine Karriere Ende der 90er Jahre direkt nach der HTL begann. Das Studium ließ er bewusst aus – die Theorie interessierte ihn weniger als die praktische Arbeit. Bei einer Wiener Firma startete er als Softwareentwickler und kam dabei früh mit dem Thema Internetsicherheit in Berührung.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Die damaligen Herausforderungen unterschieden sich grundlegend von heute. „Damals war das noch weniger Business als heute. Damals war es noch eher der sportliche Ehrgeiz von Akteuren hier zu schauen, was man nicht alles anrichten kann", erinnert sich Cserna. Klassische Viren trieben „Schabernack" auf den Rechnern – ohne die heute üblichen Bitcoin-Erpressungen oder organisierten kriminellen Strukturen.

Nach nur eineinhalb Jahren Anstellung erkannte Cserna, dass dieses Modell nichts für ihn war. Er machte sich selbstständig und traf sich 2004/2005 mit alten Kollegen wieder. Gemeinsam entstand die Idee, das Thema Cybersecurity neu aufzurollen – diesmal nicht als Angestellter, sondern als Gründer. 2006 wurde die Cyan gegründet.

Der Pivot zum Mobilfunkmarkt

Die ersten Jahre konzentrierte sich Cyan auf den österreichischen Markt und entwickelte Software für klein- und mittelständische Unternehmen zur Absicherung von Internetanschlüssen. Zu den Kunden zählten das Außenministerium mit seinen Botschaften sowie ein Krankenanstaltenverbund. Die Lehman-Krise 2008 ging am Unternehmen weitgehend vorbei – Cybersecurity war schließlich immer schon ein Problem.

Doch als kleines österreichisches Unternehmen hatte man stets die Konkurrenz aus dem Ausland im Nacken. Große amerikanische Anbieter dominierten den Markt, und viele Verkaufsgespräche drehten sich primär um Preisdiskussionen. Die Skalierbarkeit war begrenzt – ohne tausende Mitarbeiter war kein großes Wachstum möglich.

Die entscheidende strategische Wende kam mit der Frage: Wie erreicht man Endkunden schneller und leichter? Die Antwort waren Mobilfunkunternehmen als Multiplikatoren. Mit Millionen von Kunden boten sie das ideale Vertriebsmodell. Das iPhone war in diesen Jahren gerade groß geworden und ermöglichte erstmals normalen Endkunden einen hochwertigen mobilen Internetzugang.

Das Erfolgsmodell: Recurring Revenue über Telekom-Partner

Die Akquise eines Mobilfunkunternehmens als Partner war eine völlig andere Herausforderung als der Vertrieb an KMUs. T-Mobile Österreich nahm sich der Sache an und entwickelte gemeinsam mit Cyan eine Lösung für den Markt. Das Geschäftsmodell: ein klassisches Monatsabo, das der Kunde jederzeit kündigen kann, bei dem er für den Sicherheitsservice eine monatliche Gebühr zahlt.

Die Mobilfunkanbieter erkannten schnell den Wert dieser Partnerschaft. Google und andere Tech-Giganten hatten über die Jahre Wertschöpfung um die Telekommunikationsunternehmen herum aufgebaut, ohne diese einzubeziehen. Mit Cyans Produkt können die Mobilfunker ihre Kunden wieder selbst monetarisieren – mit einer Lösung, die für den Endkunden auch noch sinnvoll und wichtig ist.

Der Erfolg stellte sich ein: Nach T-Mobile Österreich und Polen folgten die Deutsche Telekom und die Orange-Gruppe. Heute nutzen fast vier Millionen Endkunden die Cyan-Produkte. Der Clou dabei: Für den Kunden ist die Lösung „trivial" – er sieht seinen Mobilfunkanbieter als Absender, nicht Cyan. Das stärkt die Marke des Partners, während Cyan im Hintergrund die Technologie liefert.

Der Börsengang 2018 und seine Folgen

2017 lernte das Unternehmen den Investor Alex Schütz kennen, der in Cyan investierte und den Weg an die Börse ebnete. Im April 2018 ging Cyan an die Frankfurter Börse im Scale-Segment – der Börsengang wurde in nur vier Monaten durchgezogen.

„Es war Zeit. Ich glaube nicht, dass ich es nochmal machen müsste. Es war schon heftig", blickt Cserna zurück. Als Vorstände einer börsennotierten AG hatten die Gründer keine Erfahrung – eine extreme Lernphase, während das normale Tagesgeschäft weiterlaufen musste.

Der Börsengang brachte nicht nur Kapital für schnelleres Wachstum, sondern auch Credibility für große Vertragsverhandlungen. Es macht einen Unterschied, ob man als kleines österreichisches Unternehmen oder als börsennotierte AG in Deutschland auftritt. Allerdings ist der regulatorische Overhead für Wachstumsunternehmen eine erhebliche Belastung – besonders wenn man in größere Kundengespräche geht und höllisch aufpassen muss, wann und wie man kommunizieren muss.

Die Bedrohungslandschaft heute

Von „Schabernack" kann heute keine Rede mehr sein. Cyberkriminalität ist ein gut funktionierendes Business geworden. Phishing bleibt der dominierende Angriffsvektor – ob Kreditkartenbetrug, gefälschte Finanzamt-Rückzahlungen oder die bekannten „Papa, ich habe ein neues Handy"-SMS. 2025 waren besonders Fake-Shops im Kommen, vor allem um die Weihnachtszeit.

Die Opfer sind dabei keineswegs nur ältere Menschen ohne technisches Verständnis. Auch die junge Generation, die mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, fehlt oft das Verständnis für die Hintergründe – sie hinterfragen nicht mehr, warum und wie etwas funktioniert. „Auch die sind ein ganz ein lohnendes Ziel heute für viele Kriminelle", warnt Cserna.

Der Markt bietet enormes Potenzial: 6,3 Milliarden einzelne Mobilfunkteilnehmer weltweit, 9,8 Milliarden SIM-Karten und 23,3 Milliarden IoT-Geräte. In Österreich liegt die Saturation bei 160 Prozent – jeder Einwohner hat im Schnitt mehr als ein Mobiltelefon. Dazu kommen vernetzte Kühlschränke, Kameras und Drucker als potenzielle Angriffspunkte.

Ausblick und aktuelle Positionierung

2025 gelang Cyan der Turnaround mit positivem Wirtschaften bei Umsatz und Cashflow. Große Verträge wurden abgeschlossen und werden gerade in Umsatz umgewandelt. Die Story, die beim IPO erzählt wurde, funktioniert nun – mit Verzögerung, wie Cserna einräumt. Corona hatte Produktlaunches verzögert, weil Mobilfunker in dieser Phase sehr vorsichtig mit Marketingbudgets waren.

Für die Investorenkommunikation setzt Cyan auf Roundtables, bei denen auch Privatanleger Fragen stellen und hinter die Kulissen blicken können. Die wichtigsten Branchenevents sind die Cybershow in Paris – wichtig wegen des Partners Orange – und der Mobile World Congress in Barcelona, die zentrale Messe der Mobilfunkbranche.

Die Grundlage für Csernas unternehmerischen Erfolg sieht er auch in seiner sportlichen Vergangenheit: Leichtathletik und Eishockey lehrten ihn, dass ohne Leistung nichts funktioniert und man den inneren Schweinehund überwinden muss, um besser zu werden. Heute nutzt er Mountainbiken und Motocross, um abzuschalten – beim Bergabfahren ist Nachdenken über den Job „gerade die falsche Entscheidung".

Cyan wird am 14.3. beim http://www.boersentag.at präsentieren.