Covestro Aktie: Stabil im Sturm
Während Teile der Chemiebranche mit Insolvenzen und Flaute zu kämpfen haben, zeigt Covestro auf zwei Ebenen Stärke: operativ mit einem klaren Nachhaltigkeitsfokus und strategisch durch die laufende Übernahme durch ADNOC. Beides zusammen sorgt dafür, dass sich der Kurs deutlich robuster entwickelt als viele Wettbewerber. Wie solide ist dieses Fundament?
Doppelter Rückhalt: Übernahme und Kursniveau
Die Covestro-Aktie notierte gestern bei 66,00 US-Dollar und damit exakt auf ihrem 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich ein Plus von gut 18 Prozent – bemerkenswert in einem insgesamt schwachen Branchenumfeld.
Zentrale charttechnische Punkte:
- Schlusskurs: 66,00 US-Dollar
- 52-Wochen-Hoch: 66,00 US-Dollar (Abstand: 0 %)
- Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt: rund +10 %
- RSI (14 Tage): 30,3 (Grenzbereich zum überverkauften Niveau)
Der Kurs liegt klar über den mittelfristigen Durchschnitten (50 und 200 Tage), was die durch die Übernahmefantasie geprägte Sondersituation widerspiegelt. Zugleich signalisiert der niedrige RSI, dass der jüngste Anstieg bereits viel Optimismus eingepreist hat und kurzfristige Rücksetzer nicht überraschen würden.
Im Hintergrund steht das Übernahmeangebot der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), das Covestro mit 14,7 Milliarden Euro bewertet. Diese Offerte wirkt aktuell wie ein Schutzschirm: Sie begrenzt Abwärtsrisiken, solange der Markt davon ausgeht, dass der Deal wie geplant abgeschlossen wird.
CES 2026: Nachhaltigkeit als Türöffner
Operativ setzt Covestro parallel ein Signal in Richtung Zukunftsmärkte. Auf der CES 2026 in Las Vegas präsentiert der Werkstoffspezialist gemeinsam mit dem Energiespeicheranbieter BLUETTI die neue Elite 100 V2 Power Station.
Kern der Partnerschaft ist das Gehäusematerial:
- Verwendung von Bayblend® RE-Polycarbonat
- 25 % biobasierte Rohstoffe (Mass-Balance-Verfahren)
- Über 20 % geringerer CO₂-Fußabdruck des Gehäuses
- Erfüllung der Brandschutznorm UL 94 V-0
Damit zeigt Covestro, dass es auch in einem konjunkturell schwächeren Umfeld spezialisierte, potenziell hochmargige Anwendungen adressiert – hier im Bereich Consumer Electronics und Energiespeicher. Die offizielle Präsentation am BLUETTI-Stand unterstreicht zudem den Anspruch, sich als Technologie- und Nachhaltigkeitspartner zu positionieren, nicht nur als reiner Massen-Kunststofflieferant.
Domo-Insolvenz: Kontrastprogramm in der Branche
Die Sonderstellung von Covestro tritt vor allem im Vergleich zur Lage anderer Anbieter zutage. Domo Chemicals hat Anfang Januar für seine deutschen Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die Standorte Leuna und Premnitz mit 585 Mitarbeitern.
Als Hauptgründe werden:
- schwache Nachfrage,
- hohe Energiekosten in Deutschland und
- starker Preisdruck durch Importe aus China
genannt. Parallel dazu erwartet der US-Branchenverband ACC für 2026 in den USA lediglich ein minimales Chemiewachstum von 0,3 %, eine spürbare Erholung sehen die Prognosen erst 2027 mit 2,3 %.
Vor diesem Hintergrund ist es alles andere als selbstverständlich, dass Covestro sich dem Druck zumindest an der Börse entziehen kann. Dazu trägt nicht nur das operative Profil, sondern maßgeblich die laufende Transaktion mit ADNOC bei.
ADNOC-Übernahme als Kursanker
Die EU-Kommission hat die Übernahme von Covestro durch ADNOC bereits im November 2025 genehmigt. Mit der Bewertung von 14,7 Milliarden Euro bildet der Deal derzeit den Referenzpunkt für die Marktkapitalisierung – auch beim in den USA gehandelten ADR (COVTY), der zuletzt bei rund 14,53 Milliarden US-Dollar lag.
Die Vereinbarung enthält strikte Regelungen zum Schutz des geistigen Eigentums, sichert Covestro aber im Gegenzug:
- Zugang zu Kapital,
- bessere Konditionen entlang der Rohstoffketten und
- eine gegenüber vielen europäischen Wettbewerbern vorteilhaftere Kostenbasis.
Angesichts der aktuellen Insolvenzwelle im deutschen Mittelstand – exemplarisch sichtbar bei Domo – wird dieser strukturelle Vorteil von Marktbeobachtern als wesentlicher Wettbewerbsfaktor eingeordnet. Das erklärt, warum der Titel deutlich näher am Übernahmepreis als am Branchensentiment notiert.
Fazit: Sonderkonjunktur mit klarer Bedingung
Covestro bewegt sich in einer Art Parallelspur zur restlichen Chemiebranche: Die CES-Kooperation mit BLUETTI zeigt, dass das Produktportfolio in Zukunftsfeldern und ESG-orientierten Anwendungen weiterentwickelt wird, während die ADNOC-Übernahme den Kurs in einem schwierigen Marktumfeld stabilisiert. Entscheidend bleibt, dass die Transaktion wie geplant finalisiert wird – dann könnte der aktuelle Kurs nahe am 52-Wochen-Hoch zum neuen Normalniveau werden, während das operative Geschäft in nachhaltigen Nischen weiter an Profil gewinnt.
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