Ein drastischer Gewinneinbruch, ein anstehender Exodus an der Vorstandsspitze und tiefgreifende Umstrukturierungen – normalerweise ein toxischer Mix für jeden Börsenwert. Bei dem Leverkusener Polymerkonzern prallen diese fundamentalen Belastungen jedoch völlig wirkungslos an der Kursentwicklung ab. Der Grund dafür liegt in Abu Dhabi, denn der staatliche Ölkonzern ADNOC leitet das finale Kapitel der eigenständigen Börsengeschichte ein.

Entkoppelt von der operativen Realität

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 lieferte ein düsteres Bild: Ein Nettoverlust von 644 Millionen Euro und ein um knapp 31 Prozent eingebrochenes operatives Ergebnis (EBITDA) zeugen von Überkapazitäten und Preisdruck in der globalen Chemieindustrie. Aktionäre gehen in der Folge im vierten Jahr hintereinander bei der Dividende leer aus. Trotz dieser schwachen Zahlen pendelt der Kurs wie festgenagelt um den Bereich von 60 Euro, was sich in einer extrem niedrigen 30-Tage-Volatilität von lediglich 2,82 Prozent widerspiegelt. Die regulären Marktkräfte sind bei diesem Papier faktisch außer Kraft gesetzt.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Covestro?

Der Fahrplan für den Squeeze-out

Verantwortlich für diese Starre ist die Tochtergesellschaft XRG des Großaktionärs ADNOC, die mittlerweile die entscheidende rechtliche Schwelle von 95,1 Prozent der Anteile überschritten hat. Der Aktienkurs orientiert sich fortan ausschließlich an der erwarteten Barabfindung, die aktuell von einem unabhängigen Prüfer ermittelt wird. Der formale Rückzug vom Kapitalmarkt folgt dabei einem strikten Zeitplan:

  • Februar 2026: Wechsel in den General Standard mit reduzierten Berichtspflichten
  • Mai 2026: Reguläres Ende der Zulassung zum regulierten Markt
    1. Mai 2026: Hauptversammlung mit finalem Beschluss zum Aktienübergang

Umbau abseits der Börse

Während die verbliebenen Minderheitsaktionäre auf das Gutachten zur Abfindungshöhe warten, treibt das Unternehmen den strategischen Umbau voran. Das laufende Sparprogramm STRONG soll bis 2028 jährlich 400 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig plant der Konzern bis Mitte des Jahres die Übernahme zweier Produktionsstandorte für HDI-Derivate in Thailand und Texas.

Begleitet wird dieser Übergang von einem weitreichenden personellen Umbruch. CEO Markus Steilemann strebt keine Vertragsverlängerung über 2028 hinaus an, und CFO Christian Baier verlässt das Unternehmen bereits im kommenden September. Der neue Aufsichtsratschef Dr. Rainer Seele muss die Führungsspitze in den kommenden Monaten komplett neu aufstellen.

Das operative Geschäft wird künftig unter dem Dach des staatlichen Ölkonzerns aus Abu Dhabi weiterlaufen. Für Investoren, die ihre Papiere noch halten, sind diese fundamentalen Entwicklungen allerdings zweitrangig geworden. Mit der Hauptversammlung am 19. Mai und der darauffolgenden Eintragung ins Handelsregister gehen die restlichen Aktien gegen die festgelegte Barabfindung automatisch an XRG über.

Covestro-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Covestro-Analyse vom 16. März liefert die Antwort:

Die neusten Covestro-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Covestro-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Covestro: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...