Commerzbank Aktie: M&A-Prämie wackelt
Die Commerzbank startet verhalten ins Jahr 2026. Nach der Kursverdopplung im Vorjahr geraten die Papiere unter Druck, weil die Fantasie rund um eine mögliche Übernahme durch UniCredit Risse bekommt. Entscheidend sind dabei nicht nur neue Aussagen aus Mailand, sondern auch die Frage, wie viel Anleger noch für die M&A-Geschichte bezahlen wollen.
Bewertungskonflikt mit UniCredit
Auslöser der aktuellen Schwächephase sind Kommentare von UniCredit-Chef Andrea Orcel vom Vortag. Die Italiener halten inzwischen knapp 29 Prozent an der Commerzbank und gelten als potenzieller Käufer der restlichen Anteile. Orcel verwies jedoch deutlich auf die Bewertungslücke zwischen beiden Banken.
- Commerzbank: KGV über 14
- UniCredit: KGV rund 10,6
- UniCredit-Beteiligung: knapp 29 % an der Commerzbank
- Aktueller Kurs Commerzbank: 35,99 € (unverändert zum Vortag)
Aus Marktsicht ist das ein klares Signal: UniCredit dürfte kaum bereit sein, auf Basis des aktuellen Bewertungsaufschlags jeden Preis für eine Vollübernahme zu zahlen. Die M&A-Prämie, die den Kurs in den vergangenen Monaten mitgetragen hat, wird nun teilweise aus dem Kurs herausgenommen.
Der Kurs bewegt sich aktuell rund 13 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch von 41,58 Euro, notiert aber noch spürbar über den zentralen Durchschnittslinien. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotz der jüngsten Konsolidierung ein Plus von gut 123 Prozent zu Buche – der Aufschwung der Jahre 2024/2025 ist also weiterhin klar sichtbar.
Defensive Strategie trifft auf Skepsis
Das Management unter CEO Bettina Orlopp setzt parallel auf Maßnahmen, die die Eigenständigkeit der Bank untermauern sollen. Ein neues Aktienrückkaufprogramm über 600 Millionen Euro ist als erste Tranche für 2026 geplant. Die Logik dahinter: Der Rückkauf soll den Kurs stützen, die Rendite je Aktie steigern und den Preis für einen möglichen Käufer weiter nach oben treiben.
An der Börse verpufft dieser Ansatz kurzfristig. Trotz der Rückkaufankündigung bleibt der Kurs auf dem aktuellen Niveau weitgehend bewegungslos. Auch von Analystenseite kommt keine zusätzliche Unterstützung:
- Goldman Sachs sieht den fairen Wert bei 35,50 Euro und bleibt neutral.
- JPMorgan setzt das Kursziel auf 33 Euro und signalisiert damit begrenztes Aufwärtspotenzial.
Die Botschaft: Ohne konkretes Übernahmeangebot gilt die Bewertung vielen Experten bereits als ambitioniert. Auf dem jetzigen Kursniveau fehlt ein klarer neuer Treiber, der eine Fortsetzung der Rallye rechtfertigen würde.
Übernahmekrimi wird zum Geduldsspiel
Der Übernahmeprozess läuft inzwischen seit Herbst 2024 und hat sich zu einem Langstreckenthema entwickelt. Wichtige Hürden sind zwar aus dem Weg: Das Bundeskartellamt gab bereits im April 2025 grünes Licht für eine Aufstockung der UniCredit-Beteiligung. Dennoch bleibt die endgültige Entscheidung offen.
UniCredit hat sich bis 2026 Zeit erbeten, um über eine Vollübernahme zu entscheiden. Die derzeitige Linie der Italiener wirkt wie ein Balanceakt: Man hält den Druck aufrecht, ohne sich zu früh finanziell festzulegen. Für die Commerzbank ergibt sich daraus eine zwiespältige Lage.
Die hohe Bewertung ist ein Erfolg der „Stand-Alone“-Strategie und spiegelt Vertrauen in die Ertragskraft wider. Gleichzeitig macht das Niveau die Bank als Übernahmeziel weniger attraktiv. Fällt die Übernahmefantasie weg, steigt das Risiko eines Rücksetzers – insbesondere, wenn gleichzeitig der operative Fortschritt hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Charttechnik und nächste Wegmarken
Charttechnisch rückt nach dem Rutsch unter die Marke von 36 Euro nun die 50‑Tage-Linie in den Fokus. Sie verläuft aktuell bei rund 34,56 Euro und dient als erste relevante Unterstützung im laufenden Aufwärtstrend. Der Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt von 30,72 Euro liegt mit gut 17 Prozent zwar komfortabel im positiven Bereich, zeigt aber auch, wie weit der Titel bereits gelaufen ist.
Der 14‑Tage-RSI von 45,6 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation. Die zuletzt hohe, annualisierte 30‑Tage-Volatilität von rund 68 Prozent unterstreicht allerdings, dass der Titel sensibel auf Nachrichten reagiert – vor allem, wenn sie aus Mailand kommen.
Fundamental steht der nächste Prüfstein bereits fest: Am 11. Februar 2026 legt die Commerzbank ihre Bilanz vor. Dann muss CEO Bettina Orlopp zeigen, dass die ambitionierten Ziele für die Eigenkapitalrendite auch in einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld erreichbar bleiben. Gelingt hier eine überzeugende Bestätigung der Strategie, könnte das die Bewertung stützen – unabhängig davon, ob UniCredit den letzten Schritt Richtung Vollübernahme tatsächlich geht.
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