Chevron Aktie: Gemischte Lage
Chevron steht vor einer heiklen Gemengelage: Ein wichtiger Förderstandort fällt vorübergehend aus, gleichzeitig treibt der Konzern den Umbau seines Portfolios voran – und ausgerechnet jetzt drehen große Analystenhäuser auf „positiv“. Die zentrale Frage: Wie stark belasten operative Störungen kurzfristig, während strategische Projekte und höhere Öl- und Gaspreise Rückenwind geben?
Produktionstopp in Kasachstan
Der größte Belastungsfaktor ist aktuell das Tengiz-Ölfeld in Kasachstan. Nach einem Brand bleibt die Anlage seit dieser Woche komplett vom Netz. Betreiberangaben vom 23. Januar zufolge wird der Stillstand mindestens noch eine weitere Woche dauern.
Tengizchevroil (TCO) gilt als einer der wichtigsten Cashflow-Lieferanten im Konzernverbund. Ein längerer Ausfall sorgt daher umgehend für Unsicherheit bei den Produktionsmengen im ersten Quartal. Der Markt reagiert auf solche ungeplanten Unterbrechungen sensibel, weil sie unmittelbar in die kurzfristigen Umsatz- und Gewinnmodelle der großen Ölkonzerne durchschlagen.
Charttechnisch notiert die Aktie dabei auf einem Hochpunkt: Am Freitag schloss der Titel bei 167,51 US‑Dollar und markierte damit zugleich ein neues 52‑Wochen-Hoch, was den jüngsten Aufwärtstrend trotz der Störfälle unterstreicht.
Umbau in Asien: Verkauf in Singapur
Parallel treibt Chevron seine Portfoliobereinigung im asiatisch-pazifischen Raum voran. Nach neuen Angaben soll der Verkauf der Singapur-Aktivitäten im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Zum Paket gehören:
- der Anteil an der Singapore Refining Company (SRC),
- Tanklager und industrielle Anlagen,
- sowie ein Tankstellennetz in Singapur, Kambodscha und Malaysia.
Der Gesamtwert dieser Vermögenswerte wird auf rund 1 Milliarde US‑Dollar geschätzt. Strategisch reiht sich der Deal in den Branchentrend ein: viele Ölkonzerne trennen sich von margenschwächeren Downstream-Assets, um Kapital für renditestärkere Förderprojekte (Upstream) freizusetzen. Gelingt der Abschluss bis März 2026, wäre dies ein relevanter Liquiditätszufluss und ein sichtbares Signal in Richtung fokussiertere Kapitalallokation.
Analysten setzen auf die Langfriststory
Trotz der Probleme in Kasachstan überwiegt institutionell derzeit der Optimismus. JPMorgan hat die Chevron-Aktie jüngst auf „Overweight“ hochgestuft und ein Kursziel von 176 US‑Dollar ausgegeben – ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspricht das einem moderaten Aufwärtspotenzial.
Die positive Einschätzung stützt sich vor allem auf drei Säulen:
- Integration von Hess: Die Übernahme der Hess Corporation soll erhebliche Synergien heben. Analysten rechnen bis 2026 mit jährlichen Kosteneinsparungen von 3 bis 4 Milliarden US‑Dollar.
- Großprojekt Leviathan: Das Gasexpansionsprojekt „Leviathan“ vor der Küste Israels hat kürzlich die finale Investitionsentscheidung (FID) erreicht. Das steht für langfristiges Wachstum im Gasbereich, trotz der geopolitisch angespannten Lage in der Region.
- Portfolioverschiebung: Der laufende Ausstieg aus weniger profitablen Aktivitäten – wie in Singapur – passt in das Bild eines stärker auf Kapitalrendite ausgerichteten Konzerns.
Gleichzeitig deuten Kennzahlen wie ein RSI von über 75 und deutliche Abstände zu den gleitenden Durchschnitten auf einen heiß gelaufenen Kurs hin, was kurzfristig anfällig für Rücksetzer machen kann.
Juristische Risiken und Umfeld
Auf der Risikoseite kommen rechtliche Unsicherheiten hinzu. Der US-Bundesstaat Michigan hat im Januar 2026 Klage gegen mehrere große Ölkonzerne, darunter Chevron, eingereicht. Der Vorwurf: wettbewerbswidrige Praktiken, die angeblich die Verbreitung erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge behindern sollen.
Solche Verfahren ziehen sich in der Regel über Jahre hin. Sie können aber sowohl Reputationsschäden als auch zusätzliche regulatorische oder finanzielle Belastungen nach sich ziehen und werden von institutionellen Investoren entsprechend mit eingepreist.
Das Branchenumfeld präsentiert sich dagegen unterstützend. Ölpreise sind zuletzt gestiegen – getrieben von kaltem Winterwetter in den USA und Spannungen mit Iran. Zusätzlich legten US‑Erdgas-Futures in dieser Woche um mehr als 60 Prozent zu, da Meteorologen deutlich strengere Winterbedingungen prognostizieren. Für die gaslastigeren Teile des Chevron-Portfolios ist das ein klarer Rückenwind.
Ausblick auf die Quartalszahlen
Der nächste zentrale Prüfstein folgt in wenigen Tagen. Am 30. Januar 2026 legt Chevron die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Der Marktkonsens erwartet einen Gewinn je Aktie von rund 1,54 US‑Dollar, nach einem höheren Niveau im Vorjahresquartal. Beim Umsatz rechnen die Schätzungen (unter anderem von Zacks Research) mit etwa 52,66 Milliarden US‑Dollar, deutlich über den 48,17 Milliarden US‑Dollar aus dem dritten Quartal.
Im Fokus steht dabei, ob der Ausfall von Tengiz die Förder- und Ergebnisprognose für 2026 spürbar nach unten zwingt – oder ob höhere Preise, Synergien aus Hess, der Fortschritt bei Leviathan und der geplante Assetverkauf in Singapur die kurzfristigen Rückschläge ausreichend kompensieren. Mit einer Dividendenrendite von derzeit rund 4,1 Prozent und einer Aktie nahe Rekordniveau dürfte die Reaktion auf den Zahlenbericht maßgeblich davon abhängen, wie überzeugend Chevron den Spagat zwischen operativen Risiken und strategischem Wachstum skizziert.
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