Der Elektronikhändler Ceconomy steht vor einem tiefgreifenden Machtwechsel. Mit der nun veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung bereitet der Konzern den Übergang in die Kontrolle von JD.com auch formal vor. Entscheidend ist dabei weniger der Kaufpreis – sondern die Frage, wie sich die neue Eigentümerstruktur im Aufsichtsrat und damit in der künftigen Strategie niederschlägt.

Aufsichtsrat als Hebel der Kontrolle

Mit der Veröffentlichung der Tagesordnung zur kommenden Hauptversammlung konkretisiert sich der Einfluss des neuen Mehrheitsaktionärs. Unter einem zentralen Tagesordnungspunkt schlägt die Verwaltung mehrere Kandidaten für den Aufsichtsrat vor, die JD.com nahestehen. Damit wird deutlich: Die künftige Kontrolle soll sich klar am chinesischen E-Commerce-Konzern ausrichten.

Die Ausgangslage ist eindeutig:

  • JD.com hält nach dem Übernahmeangebot rund 59,8 % der Anteile
  • Convergenta (Familie Kellerhals) bringt weitere 25,4 % ein
  • Zusammen kontrollieren beide Partner etwa 85,2 % der Stimmrechte

Diese gebündelte Machtbasis spiegelt sich in den Wahlvorschlägen für das Kontrollgremium wider. Sie markieren den Übergang von einer fragmentierten zu einer klar dominierten Aktionärsstruktur. Marktbeobachter sehen darin eine Vorbereitung auf die Zeit nach dem geplanten Closing im ersten Halbjahr 2026, das noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben steht.

Kurzfristig blieb die Kursreaktion verhalten. Die Aktie bewegte sich zuletzt um 4,50 Euro und damit nur leicht unter dem Angebotspreis von 4,60 Euro. Angesichts des deutlich reduzierten Streubesitzes ist das Handelsvolumen spürbar zurückgegangen – ein typisches Muster bei fortgeschrittenen Übernahmen.

Operative Basis: Zahlen untermauern die Story

Der Governance-Umbau fällt in eine Phase, in der das operative Geschäft solide läuft. Die bereits im Dezember präsentierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2024/25 zeichnen ein robustes Bild:

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  • Umsatzplus von 5,7 % auf 23,1 Milliarden Euro
  • Bereinigtes EBIT von rund 380 Millionen Euro, über den Prognosen

Diese Entwicklung stärkt die Verhandlungsposition des Unternehmens und unterstreicht, warum Ceconomy für JD.com ein attraktives Ziel ist. Der Konzern hinter MediaMarkt und Saturn ist im europäischen Elektronikhandel stark verankert – ein logischer Anknüpfungspunkt für die Expansions- und Digitalisierungspläne von JD.com.

Strategisch soll die vertiefte Partnerschaft vor allem zwei Hebel adressieren: die digitale Transformation und eine effizientere Lieferkette. Beide Bereiche gelten als klassische Stärken großer Plattformanbieter aus China. Gleichzeitig beendet die Allianz aus JD.com und der Familie Kellerhals eine jahrelange Phase wechselnder und teils konfliktbeladener Eigentümerstrukturen seit der Abspaltung von der Metro AG. Erstmals liegen klare Mehrheitsverhältnisse vor, die schnellere Entscheidungen ermöglichen.

Charttechnisch spiegelt sich die positive Entwicklung in einem deutlich höheren Kursniveau wider: Auf Sicht von zwölf Monaten legte die Aktie um rund 77 % zu. Mit einem Schlusskurs von 4,50 Euro liegt sie nur knapp 2 % unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch von 4,58 Euro. Der Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt von 3,97 Euro beträgt gut 13 %, der RSI mit 52,2 signalisiert aktuell ein neutrales Momentum.

Nächste Schritte: Closing und mögliche Strukturmaßnahmen

Im Vordergrund steht nun der formale Abschluss der Transaktion, der für das erste Halbjahr 2026 erwartet wird. Mit dem Closing dürfte die operative Integration von MediaMarktSaturn in das JD-Ökosystem deutlich an Tempo gewinnen – etwa bei gemeinsamen Einkaufsstrukturen, Logistik und Online-Plattformen.

Parallel dazu rücken mögliche kapitalmarkttechnische Folgeschritte in den Fokus. Aus juristischer Sicht ist ein Squeeze-Out derzeit noch nicht möglich, da die für einen Ausschluss von Minderheitsaktionären notwendige Schwelle von 90 % der Stimmrechte nicht erreicht ist. Mit aktuell rund 85,2 % besteht jedoch Spielraum, den Anteil über weitere Zukäufe auszubauen.

Analysten halten es vor diesem Hintergrund für plausibel, dass JD.com mittelfristig ein Delisting anstreben könnte. Ein solcher Schritt würde die Kapitalmarktpräsenz reduzieren, könnte aber konzerninterne Steuerung und langfristige strategische Maßnahmen erleichtern. Die anstehende Hauptversammlung erhält damit eine doppelte Bedeutung: Sie entscheidet nicht nur über Personalien im Aufsichtsrat, sondern gibt auch Hinweise darauf, wie das neue Mehrheitslager den Umgang mit den verbliebenen Minderheitsaktionären gestalten will.

Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt die Aktie klar in der Hand der strategischen Investoren, während der Markt die Entwicklung weitgehend eingepreist hat. Spannend wird es, sobald das Closing vollzogen ist und JD.com konkrete Schritte zur weiteren Integration und möglichen Strukturänderungen kommuniziert – dann zeigt sich, wie konsequent der neue Hauptaktionär die eingeleitete Neuausrichtung tatsächlich umsetzt.

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