Carbios Aktie: Finanzierung drückt
Die Verzögerung beim Bau der PET-Biorecyclinganlage in Longlaville und eine noch ungeklärte Finanzierungslücke setzen die Carbios Aktie weiter unter Druck. Der Markt reagiert spürbar nervös auf die Kombination aus verschobenem Projektstart und ausstehenden Mitteln für ein zentrales Wachstumsprojekt. Wie eng wird das Zeitfenster für das Unternehmen bis zum Frühjahr?
Am Freitag schloss die Aktie bei 11,13 Euro, ein Rückgang von 4,87 Prozent zum Vortag. Damit bleibt der Titel zwar deutlich über dem 52‑Wochen‑Tief von 4,89 Euro, hat aber inzwischen rund 27 Prozent Abstand zum Hoch bei 15,19 Euro aufgebaut.
Longlaville: Verzögerung mit Folgen
Das Projekt in Longlaville ist der zentrale Belastungsfaktor. Bereits im Dezember 2025 hatte Carbios Verzögerungen beim Bau der PET-Biorecyclinganlage gemeldet. Dieses Thema ist zwar nicht neu, aber weiter ungelöst – und genau das spiegelt sich nun im Kursverlauf wider.
Die Konsequenz: Der kommerzielle Start der Anlage verschiebt sich, damit rücken auch erste nennenswerte Umsätze weiter nach hinten. Für ein Unternehmen im Aufbau bedeutet das einen längeren Zeitraum ohne positive Cashflows. In einem nervösen Marktumfeld führt diese Unsicherheit dazu, dass der Kurs auf negative Nachrichten und allgemeine Schwächephasen überproportional reagiert.
Charttechnisch zeigt sich diese Verunsicherung in einem klar geschwächten Bild: Der aktuelle Kurs liegt nur knapp über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 10,93 Euro, gleichzeitig aber deutlich über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 8,77 Euro. Der RSI von 33,3 signalisiert, dass der Titel in die Nähe eines überverkauften Bereichs rutscht, ohne dort bereits klar angekommen zu sein.
Finanzierungsfrage als entscheidender Hebel
Neben der zeitlichen Verzögerung rückt vor allem die Finanzierung des Longlaville-Projekts in den Mittelpunkt. Nach Unternehmensangaben vom Dezember 2025 ist der überwiegende Teil der Kosten gesichert, doch eine Lücke bleibt:
- Zusagen für öffentliche Förderungen von 42,5 Millionen Euro
- Rund 90 Prozent der Projektkosten gelten als finanziert
- Die fehlenden 10 Prozent müssen bis Ende des ersten Quartals 2026 gedeckt werden
Genau diese offene Lücke bewertet der Markt als Kernrisiko. Das Problem ist weniger, dass Mittel komplett fehlen, sondern zu welchen Bedingungen und in welchem Zeitrahmen sie beschafft werden können. Gelingt das nicht rechtzeitig oder nur zu ungünstigen Konditionen, wären weitere Verzögerungen beim Projektstart möglich – ein Szenario, das bereits jetzt teilweise in den Kurs eingepreist wird.
Die hohe Volatilität der Aktie – auf 30‑Tage-Basis annualisiert rund 69 Prozent – passt zu dieser Gemengelage: Geringe Umsätze, deutliche operative Verluste und ein Projekt mit hoher strategischer Bedeutung treffen auf eine nur teilweise gelöste Finanzierung.
China-Partner als Gegenpol zur Skepsis
Einen Kontrapunkt zur Unsicherheit in Europa bildet die im Dezember 2025 vereinbarte Partnerschaft mit Wankai New Materials in China. Dort ist der Baubeginn einer Anlage im ersten Quartal 2026 vorgesehen. Dieses Projekt wird vom Markt als strategischer Lichtblick gewertet.
Verläuft der Start in China planmäßig, könnte dies ein wichtiges Signal liefern: Zum einen würde es zeigen, dass die Technologie in einem großen Markt umgesetzt wird, zum anderen würde es die Wahrnehmung von Carbios als internationalem Partner stärken. Vor dem Hintergrund der Verzögerungen in Longlaville kommt diesem Projekt damit eine größere psychologische Bedeutung zu, als es die aktuellen Umsatzzahlen vermuten lassen.
Fazit: Enges Zeitfenster bis Ende Q1
Unterm Strich bleibt die Aktie in einer angespannten Lage: Ein strategisch wichtiges Projekt in Europa verzögert sich, die Finanzierung ist noch nicht vollständig geschlossen, und das Marktumfeld straft Planungsunsicherheiten derzeit konsequent ab. Gleichzeitig notiert der Kurs trotz des jüngsten Rückgangs deutlich über dem 52‑Wochen-Tief und weit über dem 200‑Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass die langfristige Story vom Markt noch nicht abgeschrieben ist.
Entscheidend werden nun die kommenden Wochen bis Ende des ersten Quartals 2026. Gelingt es, die restliche Finanzierung von Longlaville zu sichern und den geplanten Baubeginn in China mit Wankai New Materials zu bestätigen, könnte sich der Druck auf die Carbios Aktie spürbar verringern. Bleiben diese Fortschritte aus, dürfte die aktuell schwache Stimmung anhalten.
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