BP zieht bei seiner Energiewende-Strategie die Notbremse. Der Konzern schreibt Milliarden auf sein Übergangsgeschäft ab und richtet den Fokus wieder klar auf Öl und Gas. Hintergrund sind ein Strategiewechsel, Druck von Investoren und ein anstehender Führungswechsel an der Spitze. Was steckt konkret hinter dieser Neuausrichtung?

Milliarden-Abschreibung und „Reset“ der Strategie

In einer Handelsmitteilung im Januar 2026 kündigte BP Wertberichtigungen von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar an. Betroffen ist vor allem der Bereich Gas und „Low Carbon Energy“, also das Geschäft mit Gas und niedrigem CO₂-Ausstoß sowie entsprechenden Projekten.

Diese Abschreibung ist Teil eines „fundamentalen Resets“ der Konzernstrategie. BP fährt seine Investitionen in bestimmte saubere Energieprojekte zurück und richtet Kapital wieder stärker auf traditionelle Aktivitäten aus. Gleichzeitig weist das Unternehmen auf ein möglichweise schwächeres Ölhandelsergebnis im vierten Quartal hin – ein zusätzlicher Gegenwind in einem ohnehin herausfordernden Umfeld für die Branche.

Die Botschaft: Nicht mehr jede grüne Initiative bekommt automatisch Geld. Stattdessen rückt die Profitabilität in den Vordergrund, auch wenn das kurzfristig zu schmerzhaften Buchverlusten führt.

Zurück zu Öl und Gas

Kern des Strategiewechsels ist eine stärkere Konzentration auf das klassische fossile Geschäft. BP will:

  • Investitionen in Öl- und Gasförderung wieder in den Vordergrund stellen
  • den Fokus von reinen Fördermengen auf Wertschöpfung und Margen verlagern
  • gezielt auf höhermargige Förderprojekte („höherwertige Barrel“) setzen
  • verstärkt auf Erdgas und technologische Effizienzsteigerungen bauen

Damit folgt BP einem Branchentrend: Führende Energiekonzerne betonen zunehmend, dass Öl und Gas trotz Energiewende auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben. Neue Nachfragequellen wie energieintensive Rechenzentren für künstliche Intelligenz verstärken diese Sichtweise.

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Laut Unternehmensangaben spielt auch der Druck der eigenen Investoren eine Rolle. Viele Anteilseigner hatten in den vergangenen Jahren moniert, dass Renditen und Aktienkurs hinter klassischen Öl- und Gaswettbewerbern zurückbleiben. Die nun eingeschlagene Richtung soll genau hier gegensteuern.

Führungswechsel soll Kurs festigen

Der Strategiewechsel fällt zusammen mit einem tiefgreifenden Einschnitt im Management. Bereits im Dezember 2025 teilte BP mit, dass CEO Murray Auchincloss seinen Posten räumen wird.

  • Neue CEO: Meg O’Neill (bisher CEO von Woodside Energy)
  • Amtsantritt: 1. April 2026
  • Übergangsphase: Carol Howle fungiert aktuell als Interimschefin

O’Neills Berufung wird von einigen Marktbeobachtern als Signal gewertet, dass der stärkere Fokus auf Öl und Gas nicht nur ein kurzfristiger Schwenk ist, sondern strategisch verankert werden soll. Parallel dazu hatten aktivistische Investoren wie Elliott Investment Management auf einen Kurswechsel gedrängt, um die schwächere Kursentwicklung aufzuholen.

Die Personalie O’Neill passt damit in ein Gesamtbild: mehr Disziplin, mehr klassische Ertragsquellen, weniger Experimente.

Disziplin bei Kapital und Kosten

Finanziell setzt BP den eingeschlagenen Weg mit klaren Prioritäten um:

  • Aktienrückkäufe: Am 27. Januar 2026 erwarb BP rund 2,9 Millionen eigene Stammaktien im Rahmen des laufenden Rückkaufprogramms. Das signalisiert, dass der Konzern weiterhin Mittel an die Aktionäre zurückgeben will.
  • Kostensenkungen: Bis Ende 2027 plant das Unternehmen deutliche Einsparungen. Konkrete Größenordnungen werden im Statement nicht genannt, der Fokus liegt aber auf Effizienz und strenger Investitionsprüfung.
  • Schuldenabbau: Erlöse aus geplanten bzw. laufenden Asset-Verkäufen sollen vorrangig zum Abbau der Verschuldung genutzt werden.

Der Aktienkurs spiegelt bislang eher eine moderate Aufhellung wider: Auf Sicht von 30 Tagen legte die BP-Aktie um gut 6 % zu, notiert damit aber noch knapp 8 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch.

Fazit: Klarer Kurs, offene Bewährungsprobe

BP setzt ein deutliches Signal: Statt maximaler Breite bei grünen Projekten stehen wieder Rendite, klassisches Öl- und Gasgeschäft und strenge Kapitaldisziplin im Mittelpunkt. Die Milliardenabschreibung im „Gas and Low Carbon Energy“-Segment markiert den finanziellen Schnitt, der Führungswechsel zu Meg O’Neill den personellen.

Ob diese Neuaufstellung dauerhaft aufgeht, wird sich an zwei Punkten messen lassen: erstens an der Entwicklung von Cashflows, Schulden und Rückkäufen in den kommenden Quartalen und zweitens daran, ob BP trotz stärkerem Öl- und Gasfokus glaubhaft eine Rolle in der längerfristigen Energiewende behaupten kann. Die entscheidenden Wegmarken dafür dürften mit O’Neills Amtsantritt im April 2026 und den danach folgenden Strategie-Updates gesetzt werden.

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