Bayer Aktie: Wichtige Weichen
Der Chemie- und Pharmakonzern erlebt einen seltenen Doppelschlag an relevanten Nachrichten: In den USA nimmt der Supreme Court einen zentralen Glyphosat-Fall an, in Europa erweitert die EU die Zulassung für das Augenmedikament Eylea. Für Bayer geht es damit gleichzeitig um juristische Entlastung und operative Stärkung. Wie stark verändern diese Entscheidungen die Perspektive für den Konzern?
Supreme Court als möglicher Wendepunkt im Glyphosat-Streit
Am Freitagabend gab der Oberste Gerichtshof der USA bekannt, den Fall „Durnell“ zu verhandeln. Im Kern geht es darum, ob bundesrechtlich genehmigte Kennzeichnungen der US-Umweltbehörde EPA Vorrang vor strengeren Warnhinweisen einzelner Bundesstaaten haben.
Genau an diesem Punkt setzt Bayers Verteidigung seit Jahren an: Der Konzern betont, man könne nicht nach einzelstaatlichem Recht für das Fehlen einer Krebswarnung haftbar gemacht werden, wenn die EPA eine solche Warnung nicht vorschreibt und Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung als sicher einstuft.
CEO Bill Anderson sprach von einer „guten Nachricht für Landwirte“ und einem „wichtigen Schritt“ in der Strategie, die Rechtsrisiken deutlich zu begrenzen. Eine Entscheidung des Supreme Court wird bis Ende Juni 2026 erwartet.
Die Dimension ist beträchtlich:
- Glyphosat-Klagen haben Bayer seit der Monsanto-Übernahme 2018 bereits zweistellige Milliardenbeträge gekostet.
- Der Fall „Durnell“ adressiert die Grundsatzfrage des Vorrangs von Bundesrecht.
- Ein Urteil zugunsten von Bayer könnte tausende laufende und künftige Klagen substantiell entwerten.
Dass der Supreme Court den Fall überhaupt annimmt, kam nicht aus dem Nichts. Zuvor hatte der Solicitor General, der Rechtsvertreter der US-Regierung, dem Gericht die Annahme empfohlen – ein Signal, das Beobachter bereits als Hinweis auf die Relevanz des Falls gewertet hatten.
Eylea: EU-Zulassung stärkt Pharmageschäft
Parallel dazu meldete Bayer am Freitag die nächste gute Nachricht: Die Europäische Kommission hat die 8-Milligramm-Dosierung von Eylea für eine dritte Indikation zugelassen. Das Medikament darf nun auch zur Behandlung von Makulaödemen nach Netzhautvenenverschluss (RVV) eingesetzt werden.
Eylea gehört zu den wichtigsten Umsatzträgern der Pharmasparte. Die höhere Dosierung erlaubt längere Behandlungsintervalle, was für Patienten, die sich das Mittel ins Auge injizieren lassen, eine deutliche Entlastung bedeutet. Für Kliniken und behandelnde Ärzte erhöht sich zugleich die Planungssicherheit bei den Therapiezyklen.
Die Zulassung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Nach einem Studienrückschlag beim Hoffnungsträger Asundexian braucht Bayer verlässliche Beiträge aus etablierten Blockbustern, um die Umsatzbasis zu stabilisieren und das Vertrauen in die Pipeline zu stärken. Eylea erfüllt hier genau diese Rolle.
Die Fakten zur Aktie
Die jüngsten Nachrichten treffen auf eine ohnehin deutlich erholte Aktie. Am Freitag schloss der Kurs bei 41,52 Euro – nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 42,22 Euro.
Auffällig ist die Dynamik der vergangenen Monate:
- 7 Tage: +4,55 %
- 30 Tage: +15,85 %
- Seit Jahresanfang (YTD): +9,25 %
- 12 Monate: +94,31 %
Charttechnisch signalisiert die starke Performance eine ausgeprägte Aufwärtsbewegung:
- Der Kurs notiert rund 16 % über dem 50-Tage-Durchschnitt (35,64 Euro).
- Zum 200-Tage-Durchschnitt (28,98 Euro) beträgt der Abstand gut 43 %.
- Vom 52-Wochen-Tief bei 19,93 Euro hat sich die Aktie mehr als verdoppelt.
Auffällig ist dabei der niedrige RSI (14 Tage) von 19,6. Ein solcher Wert deutet in der Regel auf einen kurzfristig überverkauften Zustand hin, was hier vor allem die hohe Volatilität unterstreicht: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei gut 70 %. Die Aktie reagiert damit sensibel auf neue Nachrichten – im positiven wie im negativen Sinn.
Ausblick: Supreme Court und Zahlen als Taktgeber
Für die kommenden Monate zeichnet sich ein klarer Fahrplan ab. Im Zentrum steht die erwartete Entscheidung des US Supreme Court bis spätestens Juni 2026. Jede neue Einschätzung von Rechtsexperten oder Stellungnahmen der Parteien könnte in dieser Zeit für spürbare Kursausschläge sorgen.
Operativ rücken zwei Termine in den Vordergrund:
- 25. Februar 2026: Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025. Dann wird sichtbar, wie sich die Divisionen Crop Science und Pharmaceuticals zuletzt entwickelt haben und welchen Beitrag Eylea im aktuellen Umfeld liefert.
- Heute, 19. Januar 2026: Teilnahme an der Kepler Cheuvreux German Corporate Conference, auf der das Management seine Strategie und die aktuelle Lage gegenüber Investoren erläutern dürfte.
Unterm Strich steht Bayer vor einer Phase, in der juristische und operative Entwicklungen ungewöhnlich eng ineinandergreifen: Der Supreme-Court-Fall entscheidet über das Ausmaß der Altlasten, während Eylea und die anstehenden Geschäftszahlen zeigen, wie robust das laufende Geschäft inzwischen dagegenhalten kann.
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