Der jahrelange Rechtsdruck in den USA ließ den Kurs von Bayer über lange Zeit kaum zur Ruhe kommen. Nun sorgt eine Entscheidung aus Washington kombiniert mit einem Fortschritt in der Pharmapipeline für spürbar besseren Rückenwind. Reicht diese neue Gemengelage, um die jüngste Rally weiterzutragen?

Supreme Court als möglicher Wendepunkt

Im Mittelpunkt steht die Ankündigung des US Supreme Court, einen konkreten Glyphosat-Fall zur Überprüfung anzunehmen. Dieser Schritt hat das Risikoprofil des Konzerns schlagartig in ein neues Licht gerückt.

Der Kern: Sollte das oberste US-Gericht in diesem Verfahren zugunsten von Bayer entscheiden, könnte dies auf Tausende noch offene Klagen rund um den Unkrautvernichter Roundup ausstrahlen. Entweder durch ein direktes Ende zahlreicher Verfahren oder durch eine deutliche Verkleinerung der juristischen Angriffsfläche.

Die Perspektive auf eine grundsätzliche rechtliche Klärung reduziert die Unsicherheit, die den Kurs über Jahre belastet hat. Institutionelle Investoren reagieren entsprechend: Das Kaufinteresse ist deutlich gestiegen, die Aktie hat sich innerhalb von zwölf Monaten mehr als verdoppelt.

Pharma-Pipeline liefert Rückenwind

Parallel zur juristischen Entwicklung gibt es operative Fortschritte in der Pharmasparte. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat der Bayer-Tochter BlueRock Therapeutics den Orphan-Drug-Status für den Zelltherapie-Kandidaten OpCT-001 erteilt.

Die Therapie richtet sich gegen primäre Photorezeptor-Degeneration, eine seltene Erkrankung der Netzhaut. Der Orphan-Drug-Status bringt in den USA unter anderem regulatorische Erleichterungen und oft auch einen verlängerten Marktschutz. Er ist damit ein klarer Pluspunkt für die Wirtschaftlichkeit des Projekts.

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Zugleich unterstreicht der Schritt, dass die Forschungsaktivitäten jenseits des Agrargeschäfts zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Konzern kann so zeigen, dass Wertschöpfung nicht nur von der umstrittenen Monsanto-Übernahme abhängt, sondern auch von innovativen Biotech-Lösungen aus der eigenen Pipeline.

Die Fakten im Überblick

  • Schlusskurs (Freitag): 44,55 Euro
  • Performance seit Jahresanfang: +17,25 %
  • 12-Monats-Performance: +111,21 %
  • 52-Wochen-Hoch: 44,55 Euro (aktuell erreicht)
  • US Supreme Court überprüft einen Glyphosat-Fall
  • BlueRock: Orphan-Drug-Status für OpCT-001 durch die FDA

Analysten und Bewertung: Luft nach oben

Die positive Nachrichtenlage spiegelt sich auch in den Modellen der Analysten wider. JPMorgan hat die Einstufung „Overweight“ bestätigt und ein Kursziel von 50 Euro ausgerufen. Vom aktuellen Niveau um 44,55 Euro entspricht das einem weiteren Potenzial von gut zehn Prozent.

Auch andere Häuser haben ihre Einschätzungen überarbeitet. Insgesamt dominieren Kauf- und Halteempfehlungen, während Verkaufsvoten derzeit nicht zu finden sind. Das Sentiment hat sich damit spürbar aufgehellt, nachdem der Titel lange Zeit vor allem als Problemfall wahrgenommen wurde.

Charttechnik: Überkauft, aber stark

Aus technischer Sicht ist die Stärke unübersehbar. Die Aktie notiert exakt auf ihrem 52-Wochen-Hoch bei 44,55 Euro und damit weit über den gängigen Durchschnittslinien:

  • Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt (37,22 Euro): rund 20 %
  • Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt (29,50 Euro): gut 51 %

Ein derart großer Abstand zur 200-Tage-Linie signalisiert einen etablierten Aufwärtstrend, mahnt aber zugleich zur Vorsicht bei der kurzfristigen Dynamik. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt mit 19,6 im überverkauften Bereich nach klassischer Lesart deutlich unter 30 – angesichts der starken Rally zeigt dieser Wert vor allem, wie extrem die jüngsten Bewegungen ausgefallen sind.

Die 30-tägige annualisierte Volatilität von über 73 % unterstreicht das Bild eines sehr schwankungsanfälligen Titels. Kursausschläge in beide Richtungen bleiben damit jederzeit möglich, selbst wenn der mittelfristige Trend aktuell nach oben zeigt.

Fazit: Rückenwind mit klaren Marken

Bayer profitiert derzeit von einer seltenen Kombination aus juristischer Entlastungsperspektive und operativem Fortschritt im Pharmageschäft. Die Annahme eines Glyphosat-Falls durch den US Supreme Court verschiebt die Diskussion weg von permanent schwelender Unsicherheit hin zu der Aussicht auf eine grundsätzliche Klärung. Parallel stärkt der Orphan-Drug-Status für OpCT-001 das Bild einer forschungsstarken Pharmasparte.

Charttechnisch hat die Aktie mit dem neuen 52-Wochen-Hoch bei 44,55 Euro einen deutlichen Ausbruch geschafft. Solange das Papier klar über den mittelfristigen Durchschnittslinien bleibt und das Umfeld um den Supreme Court-Beschluss stabil positiv interpretiert wird, bleibt das Kursziel von 50 Euro der maßgebliche Orientierungswert für die weitere Entwicklung.

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