Zwei Entwicklungen geben der Bayer-Aktie neuen Schub: In den USA greift der Supreme Court einen zentralen Glyphosat-Fall auf, gleichzeitig konkretisiert der Konzern seine Wachstumspläne im Pharmageschäft. Beides zusammen verändert die Wahrnehmung von Risiko und Ertrag – und spiegelt sich deutlich im Kurs wider.

Die Fakten im Überblick

  • US Supreme Court nimmt den Roundup-Fall Durnell zur Entscheidung an
  • US-Regierung (Solicitor General) positioniert sich pro Unternehmen
  • Pharmasparte soll ab spätestens 2027 wieder mittleres einstelliges Wachstum liefern
  • Ziel: operative Marge der Pharma-Division bis 2030 auf etwa 30 %
  • Aktie markiert heute mit 46,37 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch, mehr als doppelt so hoch wie das Tief vom April 2025

Supreme Court greift Durnell-Fall auf

Am 16. Januar 2026 hat der US Supreme Court beschlossen, den Fall Durnell aus den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten zur Prüfung anzunehmen. Monsanto, eine Bayer-Tochter, hatte den Fall im April 2025 beim obersten US-Gericht eingereicht.

Im Zentrum steht eine Grundsatzfrage: Hebt Bundesrecht Klagen auf Basis einzelstaatlicher Vorschriften zu Warnhinweisen praktisch aus, wenn ein Produkt auf Bundesebene reguliert ist? Genau daran entzündet sich ein großer Teil des Rechtsrisikos rund um Roundup.

Bayer rechnet mit einer Entscheidung bis Juni 2026, also noch in der laufenden Sitzungsperiode des Supreme Court. Brisant: Der Solicitor General, der die US-Regierung vor Gericht vertritt, hatte sich im Dezember 2025 nicht nur für die Annahme des Falls ausgesprochen, sondern auch eine Entscheidung zugunsten des Unternehmens empfohlen. Das erhöht die Bedeutung des Verfahrens deutlich.

Hintergrund: Wie es zum Fall Durnell kam

Der Durnell-Fall wurde im Oktober 2023 vor dem Missouri Circuit Court verhandelt. Die Jury kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen zu einem Krebswarnhinweis verpflichtet gewesen wäre, und sprach dem Kläger 1,25 Millionen US-Dollar zu.

Nach erfolglosen Berufungen in den unteren Instanzen zog Monsanto im April 2025 vor den Supreme Court. Sollte das höchste Gericht nun zugunsten des Unternehmens entscheiden, könnte das Signalwirkung für ähnliche Verfahren entfalten – wobei die genaue Tragweite vom konkreten Urteil abhängen wird.

Pharma-Division mit klarer Wachstumsagenda

Parallel dazu hat Bayer auf der 44. JP Morgan Healthcare Conference am 13. Januar 2026 die strategische Ausrichtung der Pharmasparte skizziert. Ziel ist, das Geschäft spätestens ab 2027 wieder auf ein mittleres einstelliges prozentuales Umsatzwachstum zu bringen.

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Für 2025 bleibt die Prognose zunächst verhalten: Die Pharma-Division soll währungs- und portfoliobereinigt um 0 bis 3 Prozent wachsen. Der große Hebel wird eher mittelfristig erwartet. Die operative Marge soll bis 2030 auf rund 30 Prozent steigen, wobei der wesentliche Margenanstieg ab 2028 eingeplant ist. Damit zeichnet das Management einen klaren Pfad zu profitablerem Wachstum.

Neue Medikamente als Wachstumstreiber

Die künftige Dynamik im Pharmabereich soll vor allem aus neueren Produkten kommen. Bayer hebt eine Reihe von Wirkstoffen hervor, die das Portfolio in den kommenden Jahren tragen sollen:

  • Nubeqa: Mittel zur Behandlung von Prostatakrebs
  • Kerendia: Medikament für Nierenerkrankungen
  • Beyonttra: Herzmedikament
  • Lynkuet: Therapie zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden
  • Asundexian: Gerinnungshemmer mit positiven Studiendaten bei Schlaganfällen

Damit zeichnet sich ein deutlicher Shift zu innovativen Therapien ab, die das Auslaufen älterer Blockbuster perspektivisch kompensieren sollen.

Kursentwicklung: Neues Hoch, hoher Abstand zu Durchschnitten

Die jüngsten Nachrichten schlagen sich klar im Kurs nieder. Heute markiert die Bayer-Aktie mit 46,37 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Gegenüber dem Tief von 19,93 Euro im April 2025 hat sich der Kurs damit mehr als verdoppelt. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von rund 115 Prozent zu Buche.

Auch technisch zeigt sich die Dynamik:
- Der aktuelle Kurs liegt rund 22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,82 Euro.
- Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 29,71 Euro beträgt der Abstand sogar gut 56 Prozent.

Auffällig ist zugleich der RSI (14 Tage) von 19,6, der einen stark überverkauften Bereich signalisieren würde – hier dürfte es sich angesichts der kräftigen Aufwärtsbewegung um einen Datenfehler oder eine methodische Besonderheit handeln, denn klassischerweise deuten niedrige RSI-Werte auf Druck nach unten, nicht auf Rekordstände hin. Sicher ist: Die Volatilität ist hoch, die annualisierte 30-Tage-Schwankungsbreite liegt bei knapp 74 Prozent.

Ausblick: Rechtssignal und Pipeline im Fokus

Die aktuelle Dynamik bei der Bayer-Aktie speist sich aus zwei Quellen: der Aussicht auf mögliche rechtliche Entlastung im Roundup-Komplex und einer klarer konturierten Wachstumsstory in der Pharmasparte. Kurzfristig rücken dabei vor allem die nächsten Termine in den Blick.

Am 25. Februar 2026 legt der Konzern die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor, am 23. April folgt die Hauptversammlung, und am 11. Mai stehen die Ergebnisse für das erste Quartal 2026 an. Spätestens mit der bis Juni erwarteten Entscheidung des US Supreme Court im Fall Durnell dürfte sich dann zeigen, ob der aktuelle Rückenwind eine neue Phase für das Unternehmen einläutet oder vor allem die Erwartungen an die Zukunft eingepreist wurden.

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