Nach Jahren voller Rechtsrisiken und skeptischer Blicke auf die Pharmapipeline meldet sich Bayer mit zwei klaren Signalen zurück: Ein deutliches Kursziel-Upgrade durch Barclays und ein regulatorischer Erfolg in der Onkologie. Im Vorfeld der wichtigen J.P. Morgan Healthcare Conference verdichtet sich das Bild eines Konzerns im späten Turnaround. Entscheidend ist nun, ob Bayer die neu geweckten Erwartungen operativ untermauern kann.

Barclays-Upgrade und Rechtsrisiken

Im Mittelpunkt steht die Neubewertung durch Barclays. Analyst Charles Pitman-King hat die Aktie von „Equal Weight“ auf „Overweight“ hochgestuft und das Kursziel von 30 auf 45 Euro angehoben. Vom gestrigen Schlusskurs bei 38,34 Euro entspricht das einem theoretischen Aufwärtspotenzial von gut 17 Prozent.

Die Begründung fokussiert zwei Kernpunkte:

  • Erwartete Entspannung bei den Glyphosat-Klagen
  • Verbesserte Ertragsaussichten in der Agrar- und Pharmasparte

Barclays rechnet mit einer schrittweisen Auflösung des Risikoabschlags, der die Bewertung seit Jahren belastet. Im Zentrum steht eine mögliche, richtungsweisende Entscheidung des US-Supreme Court bis Juni 2026, die das Rechtsrisiko deutlich einhegen könnte. Parallel prognostiziert die Bank steigende Margen im Segment CropScience sowie zunehmende Umsätze mit dem Nierenmedikament Kerendia.

Bemerkenswert ist, dass Barclays den europäischen Pharmasektor insgesamt nur mit „Neutral“ einstuft. Die gezielte Hochstufung von Bayer sticht damit heraus und unterstreicht die Wahrnehmung einer Sonderentwicklung beim DAX-Konzern.

Pharma-Pipeline: Breakthrough in der Onkologie

Parallel zum Analysten-Upgrade kommt Rückenwind aus der Forschungspipeline. Das Krebsmedikament Sevabertinib hat von der US-Gesundheitsbehörde FDA und der chinesischen CDE den „Breakthrough Therapy“-Status erhalten. Der Wirkstoff zielt auf HER2-mutierten, nicht-kleinzelligen Lungenkrebs ab.

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Der Sonderstatus ermöglicht ein beschleunigtes und eng begleitetes Zulassungsverfahren. Für Bayer ist das mehr als nur ein formaler Schritt: Die Pipeline war lange ein Kritikpunkt, nun liefert sie einen sichtbaren Fortschritt. Zusammen mit Kerendia wächst damit das Bild eines Portfolios, das nicht nur bestehende Umsätze absichert, sondern neue Wachstumsquellen eröffnet.

Gleichzeitig bleibt das juristische Umfeld komplex. Neu ist eine Patentklage gegen BioNTech, Pfizer und Moderna im Bereich mRNA-Technologien. Dieser Schritt kann zusätzliche Erlöschancen eröffnen, birgt aber auch neue rechtliche Unsicherheiten – die Dynamik der Rechtsfront ist damit keineswegs vollständig bereinigt.

Kursverlauf und technische Lage

An der Börse spiegelt sich der Wandel bereits deutlich wider. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs mit einem Anstieg von rund 94 Prozent fast verdoppelt. Gegenüber dem 52‑Wochen-Tief bei 19,62 Euro liegt das Papier inzwischen mehr als 95 Prozent höher. Gleichzeitig bleibt noch Abstand zum Hoch von 42,22 Euro, von dem die Aktie aktuell gut 9 Prozent entfernt ist.

Wichtigste Kennzahlen im Überblick:

  • Schlusskurs gestern: 38,34 Euro
  • Veränderung 12 Monate: +93,77 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief (14.01.2025): +95,41 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (24.12.2025): −9,19 %
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: +35,96 %

Charttechnisch notiert der Titel deutlich über den mittelfristigen Durchschnittslinien (50 und 200 Tage). Die Zone zwischen 39 und 40 Euro fungiert aktuell als Widerstand. Auffällig ist zugleich der sehr niedrige RSI von 19,6, der klassisch auf ein kurzfristig stark überverkauftes Niveau hindeutet – ein Kontrast zur starken Performance der vergangenen Monate, der auf eine Phase intensiver Schwankungen verweist. Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 68 Prozent unterstreicht dieses Bild.

Blick auf die J.P. Morgan-Konferenz

Der nächste wichtige Prüfstein steht bereits fest: Am Dienstag, den 13. Januar 2026, präsentiert Pharma-Vorstand Stefan Oelrich auf der J.P. Morgan Healthcare Conference die aktualisierte Strategie. Im Fokus stehen voraussichtlich:

  • Konkretere Angaben zur Vermarktung von Sevabertinib
  • Einschätzungen zum Spitzenumsatzpotenzial von Kerendia
  • Einordnung der weiteren Pipeline-Prioritäten

Gelingt es Bayer, die positiven Impulse aus Barclays-Upgrade und Breakthrough-Status mit belastbaren Zahlen und klaren Meilensteinen zu hinterlegen, könnte ein Ausbruch über den Widerstandsbereich bei 39 bis 40 Euro den Weg in Richtung des Barclays-Kursziels von 45 Euro öffnen. Bleiben die strategischen Aussagen dagegen vage, dürfte der zuletzt sehr schwankungsanfällige Kursverlauf anhalten und die Aktie eher in der aktuellen Spanne halten.

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