Neue US-Strafzoll-Drohungen sorgen zum Wochenstart für Verkaufsdruck bei ASML. Im Fokus steht dabei weniger die operativen Kennzahlen als ein konkretes politisches Risiko für den niederländischen Chipausrüster.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat am Wochenende angekündigt, ab dem 1. Februar 2026 einen Strafzoll von 10 % auf Importe aus acht europäischen Ländern, darunter die Niederlande, zu erheben. Sollten bestimmte politische Forderungen im Zusammenhang mit Grönland bis zum 1. Juni nicht erfüllt werden, sollen die Zölle auf 25 % steigen.

Kursreaktion und Belastungsfaktor

Die Märkte reagierten heute umgehend. In Europa verlor die ASML-Aktie im Tagesverlauf rund 3,6 bis 3,7 % und fiel in die Zone um 1.128 Euro. Zuvor hatte der Titel noch ein neues lokales Hoch markiert.

Für ASML wiegt die Drohung besonders schwer, weil das Geschäftsmodell auf globalen Lieferketten und möglichst reibungslosem Export basiert. Zusätzliche Zölle auf dem wichtigen US-Markt könnten Margen und Logistik spürbar belasten.

Technische Analysten sehen eine erste Unterstützungszone bei etwa 1.109 Euro. Die aktuelle Bewegung wird damit als deutliche, aber bislang klar nachrichtengetriebene Korrektur nach einem starken Lauf eingeordnet.

Starke Nachfrage, neues Risiko

Fundamental bleibt die Lage von der hohen Nachfrage nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz geprägt. Unmittelbar vor der Zoll-Meldung hatte ASML noch von neuen Investitionsplänen des Schlüsselkunden TSMC profitiert.

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Der taiwanische Chipfertiger plant für 2026 Investitionen (Capex) von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar. Als einziger Anbieter von EUV-Lithografiesystemen ist ASML direkter Hauptprofiteur dieses Ausbaus.

Für Anleger entsteht damit ein Spannungsfeld:

  • Positiver Treiber: Rekordinvestitionen von TSMC stützen die Einschätzung eines mehrjährigen AI-Booms, der die modernsten Anlagen von ASML erfordert.
  • Negativer Impuls: Die angedrohten Zölle schaffen Unsicherheit bei Kostenstruktur und Lieferketten zwischen den Niederlanden und den USA.

Die zentrale Frage lautet daher: Überwiegt aus Marktsicht aktuell der strukturelle AI-Rückenwind oder das kurzfristige politische Risiko? Die heutige Kursreaktion zeigt, dass die Zollkomponente zumindest kurzfristig klar dominiert, obwohl die langfristige Wachstumsperspektive unverändert bleibt.

Analystenstimmen und Investorenströme

Die Einschätzungen großer Häuser fallen unterschiedlich aus. Nach den TSMC-Zahlen und den Zollnachrichten wurden mehrere Bewertungen aktualisiert:

  • Morgan Stanley hat am 18. Januar das Kursziel auf 1.400 Euro angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt. Begründet wird dies mit höheren erwarteten Investitionen der Foundry- und Memory-Industrie bis 2027, trotz der geopolitischen Störfaktoren.
  • Barclays blieb bereits am 15. Januar bei einer neutralen Einstufung. Das Institut erkennt zwar intakte Wachstumschancen rund um KI, sieht aber den kurzfristigen Spielraum nach oben durch breitere Marktrisiken begrenzt.

Auch institutionelle Investoren agieren unterschiedlich. Im dritten Quartal hat Csenge Advisory Group ihre Position um rund 52,6 % reduziert und 893 Aktien verkauft. LMCG Investments hat ebenfalls Anteile abgebaut. Fisher Asset Management hält dagegen eine größere Position und setzt damit auf den langfristigen Halbleiterzyklus.

Wichtige Marktdaten im Überblick

  • Aktueller Impuls: Korrektur im Bereich von rund -3,6 % nach der Zollankündigung
  • Unmittelbarer Auslöser: Angedrohte US-Strafzölle von 10 bis 25 % auf Importe aus den Niederlanden (Grönland-Konflikt)
  • Technische Marke: Erste Unterstützung um 1.109 Euro
  • Struktureller Treiber: TSMC plant für 2026 Investitionen von bis zu 56 Milliarden US-Dollar

Ausblick auf die nächsten Wochen

Kurzfristig hängt die weitere Kursentwicklung maßgeblich davon ab, wie der Markt die Zoll-Drohung einpreist. Der gut gefüllte Auftragsbestand und die starke Stellung bei EUV-Systemen wirken stützend, zugleich erhöht das politische Umfeld die geforderte Risikoprämie.

Besonders im Fokus steht nun, ob die angedrohten Zölle zum 1. Februar tatsächlich in Kraft treten oder ob es vorher zu einer Entschärfung kommt. Sollte die US-Regierung an dem Zeitplan festhalten, dürfte das kurzfristige Aufwärtspotenzial der Aktie begrenzt bleiben, selbst wenn der fundamentale Rückenwind aus dem Halbleiter- und KI-Sektor anhält.

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